9. August 2025, 16:17 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Vom Menschenhaar zum Hundefell: Weil viele ihrer Kundinnen fragten, ob sie ihr Shampoo auch für Hunde verwenden könnten, entwickelte TV-Moderatorin und Haarpflege-Expertin Margot Schmitt kurzerhand ein neues Produkt – speziell auf die Bedürfnisse von Hunden abgestimmt. Im Interview erklärt sie, worauf es bei der Fellpflege ankommt, warum Hunde nicht nach Parfüm riechen sollten und wie sie einen kleinen Welpen vor dem Tod rettete.
„Ein Menschenshampoo kann für Hunde gefährlich sein“
PETBOOK: Frau Schmitt, man kennt Sie als Expertin für Menschenhaar. Nun haben Sie ein Shampoo für Hunde entwickelt. Wie kam es dazu?
„Es kamen immer wieder Fragen von Kundinnen: ‚Kann ich Ihr Shampoo nicht auch für meinen Hund verwenden?‘ Aber das geht nicht. Hundehaar ist komplett anders aufgebaut als Menschenhaar. Das fängt bei der Struktur an – Hunde haben eine ganz andere Talgschicht, ihr Fell ist auf andere Weise geschützt und reagiert viel empfindlicher auf Pflegeprodukte.
Wir Menschen strapazieren unser Haar mit Färben, Hitze, Umweltbelastungen etc. Ein Hund lebt näher an der Natur – aber seine Haut ist nicht weniger sensibel. Ein gutes Menschenshampoo, so hochwertig es auch ist, kann auf Hundefell überfettend wirken und Reizungen auslösen. Deshalb habe ich gesagt: Da muss etwas Eigenes her.“
Was war Ihnen bei der Entwicklung besonders wichtig?
„Ich wollte kein Produkt ‚von oben herab‘ entwickeln, sondern mit den Menschen, die täglich mit Hunden arbeiten. Deshalb habe ich mich mit dem Tierarzt Dr. Holtmann und Hundesalons zusammengetan. Gemeinsam haben wir ein veganes, flüssiges Shampoo entwickelt, das besonders sanft reinigt. Es lässt sich gut verteilen, ist leicht auszuspülen und verursacht keine Hautreizungen.
Der Duft ist dezent, aber bewusst gewählt: ein Hauch von Heu, ein wenig Erde, Lavendel – alles Düfte, die dem Hund nicht fremd sind. Denn ein Hund muss sich selbst noch riechen können. Ganz ehrlich: Viele schlafen mit ihrem Tier im Bett oder nehmen es mit auf die Couch. Das heißt, es muss hautfreundlich sein – für Mensch und Tier. Aber der Hund darf nicht zum Parfümträger werden. Ein Hund ist kein Duftkissen, sondern ein echtes Wesen mit eigenen Bedürfnissen.“
Margot Schmitt: „Der Hund will sich selbst riechen können“
Wie wurde das Produkt getestet?
„Ich habe es an 40 Hundesalons gegeben – dort kennt man sich aus. 35 Salons waren sehr begeistert. Es lässt sich leicht anwenden, schäumt moderat, ist schnell auszuwaschen und dabei auch noch umweltfreundlich. Das Handling wurde besonders gelobt.
Die größte Kritikerin war übrigens meine Tochter Margit. Sie hat mich gefragt: ‚Schon wieder eine neue Idee?‘ Aber sie kennt mich – meine Ideen setzen sich oft durch. Und am Ende war auch sie überzeugt.“
Wie schätzen Sie andere Produkte auf dem Markt ein?
„Viele Produkte riechen zu stark. Menschen mögen das vielleicht – aber Hunde nicht. Ein Hund will sich riechen können. Das wird oft vergessen. Viele Produkte setzen auf Duft und Verpackung – das ist Marketing. Ich will, dass mein Produkt wirklich wirkt, dass es sanft ist, hautfreundlich, gut verträglich und einfach anzuwenden.“
„Der Hund merkt, ob man ihn liebevoll behandelt“
Welche typischen Fehler sehen Sie bei der Hundepflege?
„Ein ganz großer Fehler ist das unzureichende Ausspülen des Shampoos. Das höre ich auch bei der Haarpflege für Menschen immer wieder: ‚Ich wasche mal schnell meine Haare.‘ Nein! Shampoo braucht Zeit, um seine Wirkung zu entfalten. Man muss es richtig aufschäumen, gut einmassieren, und dann – ganz wichtig – gründlich ausspülen. Beim Hund noch mehr als beim Menschen. Wenn Reste im Fell bleiben, kann das die Haut reizen. Der Hund fängt an zu jucken, im schlimmsten Fall entzündet sich die Haut. Das ist so unnötig – und vermeidbar.
Außerdem wird oft zu viel Produkt verwendet. Das oft zu dickflüssige Shampoo ist für die Fellpflege nicht geeignet. Unser Hundeshampoo ist flüssig. Das hat den Vorteil, dass es weniger schäumt und sich besser ausspülen lässt. Und man sollte mit Liebe und Geduld waschen. Der Hund merkt, ob man ihn liebevoll behandelt. Das stärkt auch die Bindung.“
Gilt das für alle Hunderassen gleichermaßen?
„Ja und nein. Natürlich gibt es unterschiedliche Felltypen – das ist wie bei Kleidung: Seide, Wolle, Baumwolle. Manche Hunde haben sehr feines, seidiges Fell, andere eher raues, dickes. Ein Dackel hat ein anderes Fell als ein Pudel oder ein Havaneser. Aber unsere Rezeptur ist so ausgewogen, dass sie für viele verschiedene Typen funktioniert. Sie ist sanft, reinigt gründlich, ohne zu reizen – das war mir das Allerwichtigste.“
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„Für den normalen Gebrauch reicht ein hochwertiges Shampoo“
Wie oft sollte man seinen Hund überhaupt waschen?
„Das hängt sehr vom Hund ab. Manche wälzen sich bei jeder Gelegenheit im Dreck oder springen in den See. Andere sind eher vorsichtig unterwegs. Wenn ein Hund gern auf dem Sofa liegt oder mit ins Bett darf, dann kann man ihn auch ruhig wöchentlich waschen – vorausgesetzt, man benutzt ein hautfreundliches Shampoo. Es ist eine Frage der Sauberkeit und des Wohlfühlens – für beide Seiten.“
Braucht man für Hunde mehrere Pflegeprodukte – wie beim Menschen?
„Eigentlich nicht. Ein gutes Shampoo reicht völlig. Natürlich kann man bei Bedarf mit Spezialprodukten arbeiten. Ich habe zum Beispiel ein Farbshampoo entwickelt, das stumpf gewordenes Fell wieder aufleben lässt – mit einem natürlichen Farbpigment, ganz ohne Chemie. Oder wir arbeiten gerade an einer Ampulle für verletzte Haut, für Hunde mit kleinen Ekzemen. Aber das sind Extras. Für den normalen Gebrauch reicht ein hochwertiges, durchdachtes Shampoo.“
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„Der Hund bringt die Bürste selbst“
Haben Sie selbst Hunde?
„Ja, ich habe zwei kleine Langhaarrassen – einen Pudel und eine kleine, freche Hündin. Sie leben mittlerweile bei meiner Tochter Margit in Köln. Ich bin viel unterwegs, oft bei Fernsehsendungen oder Produktionen. Aber die beiden sind mein Herz. Die Kinder sind aus dem Haus, die Enkelkinder studieren. Da braucht man zwei, mit denen man kuscheln kann. Ich bin eine große Tierfreundin – und Hunde sind für mich echte Familienmitglieder.“
Was raten Sie bei der täglichen Fellpflege?
„Ja – beobachtet euren Hund! Er zeigt euch, wie es ihm geht. Viele unterschätzen, wie viel emotionale Intelligenz ein Tier hat. Ich habe eine Kundin, deren Hund bringt ihr die Bürste selbst mit der Schnauze. Er liebt es, gebürstet zu werden. Das ist Pflege und Bindung zugleich. Einfach mit der Bürste übers Fell streichen, sanft, regelmäßig – das ist schon ein Akt der Zuneigung.“
Haben Sie einen persönlichen Geheimtipp?
„Vertrauen und Liebe. Nicht zu viel Disziplin – der Hund kommt von allein. Diese Verbindung ist etwas ganz Echtes. Das brauchen wir gerade heute mehr denn je. Und übrigens: Auch Katzen haben ein Recht auf Zärtlichkeit!“
„Wir dachten, er sei tot“
Zum Schluss: Gibt es eine Geschichte, die Ihnen besonders am Herzen liegt und die Sie mit unseren Lesern teilen möchten?
„Ja, unsere Haushälterin züchtet Yorkies. Bei einem Wurf ist einer der Welpen heruntergefallen. Er lag da, regungslos, die Zunge hing raus. Wir dachten, er sei tot. Wir haben ihn in die Hand genommen, gestreichelt, mit Tropfen Wasser auf der Zunge versorgt. Ich habe gebetet. Ich bin eine gläubige Christin – ich wollte nicht, dass dieses kleine Wesen stirbt. Und er hat es geschafft! Unser Hof heißt Antoniterhof – nach einem alten Kloster, das hier einmal war. Deshalb haben wir den Kleinen ‚Toni‘ getauft.“
