27. August 2026, 12:56 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Viele Hundehalter wissen, dass ein Hund bei Hitze niemals im Auto bleiben darf. Doch was viele unterschätzen: Schon bei etwa 22 Grad kann Hunden ein Hitzschlag drohen. Wer die ersten Warnzeichen nicht erkennt, bringt seinen Vierbeiner möglicherweise in Lebensgefahr. PETBOOK erklärt, wie Sie einen Hitzschlag erkennen und im Notfall richtig handeln.
Wie Hunde ihren Körper selbst abkühlen
Hunde regulieren ihre Körpertemperatur nicht wie wir Menschen durch Schwitzen. Die Vierbeiner besitzen zwar einige wenige Schweißdrüsen an den Pfoten. Doch diese dienen nicht der Thermoregulation, sondern sollen in erster Linie Duftbotschaften für ihre Artgenossen hinterlassen.
Um sich selbst Abkühlung zu verschaffen, hecheln Hunde. Dabei atmen sie über die Nase ein und über das Maul aus. Die auf diese Weise erzeugte Verdunstungskälte sorgt für Erfrischung. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Schleimhäute gut durchfeuchtet sind. Dafür muss der Hund im Sommer viel trinken.
Wie kommt es zu einem Hitzschlag beim Hund?
Zu einem Hitzschlag kommt es dann, wenn Hunde ihre Körpertemperatur nicht mehr erfolgreich regulieren können. Das ist zum Beispiel im Auto der Fall, wenn sich das Innere immer weiter aufheizt. Hier hat der Hund keine Chance mehr, durch reine Verdunstung gegen die hohen Temperaturen anzukommen.
Aber auch, wenn es draußen sehr schwül ist, kann der Kühleffekt durch Verdunstung beim Hecheln beeinträchtigt sein. Eine große Gefahr sind außerdem Maulkörbe, die das Hecheln des Hundes einschränken. Diese werden von vielen Haltern im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt, weil sie weniger bedrohlich wirken und schnell überzuziehen sind.
„Starkes Hecheln wird oft als normale Reaktion auf Sommerhitze abgetan. Dabei kann es eines der ersten Signale dafür sein, dass ein Hund seine Wärme nicht mehr ausreichend abgeben kann“, sagt Tierarzt Thomas Backhaus, Experte für integrative Tiermedizin bei „Das Gesunde Tier“.
Bitte bedenken Sie: Bestimmte Rassen wie der Mops und die Französische Bulldogge sind besonders gefährdet, einen lebensgefährlichen Hitzschlag zu erleiden – denn bei ihnen funktioniert der „Trick“ mit der Verdunstungskälte aufgrund der kurzen Schnauze nicht richtig. Ebenfalls ein erhöhtes Risiko haben nordische Rassen sowie langhaarige Hunde bzw. Tiere mit viel Unterwolle. Arbeitshunde, die auch bei hohen Temperaturen als Polizei- oder Rettungshunde im Dienst sind, laufen ebenfalls Gefahr zu überhitzen. Der Hundeführer sollte daher stets ein Auge auf seinen tierischen Partner haben.1
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Wie erkenne ich einen Hitzschlag beim Hund?
Hunde mit einem Hitzschlag zeigen neben vermehrtem Hecheln oft folgende Symptome:
- schnelle, flache Atmung
- gerötete Schleimhäute
- Krämpfe
- taumelnde Bewegungen
- Teilnahmslosigkeit
- Durchfall und Erbrechen
Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte in dieser Situation die Körpertemperatur seines Hundes messen. Liegt sie über 41 Grad, ist ein Hitzschlag wahrscheinlich.
Wie kühlt man einen überhitzen Hund ab?
Ein Hitzschlag beim Hund ist immer ein akuter Notfall. Das Tier muss schnellstmöglich an einen schattigen Ort gebracht und abgekühlt werden. Besonders wichtig ist es, bei der Ersten Hilfe und der Vorbeugung eines Hitzschlags auf individuelle Risikofaktoren des Hundes zu achten. Kurzköpfige Rassen wie Mops oder Französische Bulldogge können aufgrund ihrer anatomisch eingeschränkten Atmung kaum effektiv hecheln – bei ihnen reicht einfache Kühlung oft nicht aus, weshalb schon bei ersten Anzeichen unverzüglich ein Tierarzt aufgesucht werden sollte.
Auch ältere, übergewichtige oder herzkranke Hunde reagieren empfindlicher auf Hitze. Bei ihnen ist eine abrupte Abkühlung mit kaltem Wasser unter Umständen gefährlich, da sie zu Kreislaufschwierigkeiten führen kann. Stattdessen empfiehlt sich eine sanfte Kühlung mit feuchten Tüchern oder lauwarmem Wasser. Eine klare Notfall-Checkliste kann helfen, im Ernstfall schnell und richtig zu handeln: Hund sofort in den Schatten bringen, sanft kühlen, Wasser anbieten – und keine Zeit verlieren, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Schnell zum Tierarzt!
Junge und gesunde Vierbeiner können laut Bundestierärztekammer in lauwarmes Wasser getaucht werden – wobei der Kopf festgehalten werden sollte, denn oftmals sind die Tiere in dieser Notlage nicht mehr dazu fähig. Ältere bzw. vorerkrankte Hunde sollten lieber mit Wasser besprüht oder in ein angefeuchtetes Handtuch gewickelt werden. Außerdem braucht ein überhitzter Hund Wasser zum Trinken.2
Sind diese Erste-Hilfe-Maßnahmen getroffen, heißt es: so schnell wie möglich zum Tierarzt oder in die nächstgelegene Tierklinik. Denn ein Hitzschlag beim Hund ist lebensbedrohlich – die Überlebenschance beträgt nur etwa 50 Prozent.
Tierärztin Franziska Mette von „Das Gesunde Tier“ betont außerdem, dass bei Verdacht auf einen Hitzschlag keine Zeit verloren werden darf. Bei Hitzschlag, Atemnot, Kreislaufproblemen, Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen sei jedoch immer sofort eine Tierarztpraxis oder Tierklinik aufzusuchen.
Notfall-Checkliste bei Hitzschlag beim Hund
- Hund sofort aus der Hitze bringen:
In den Schatten oder einen kühlen, gut belüfteten Raum bringen. - Körpertemperatur senken – aber behutsam!
- Frisches Trinkwasser anbieten: Nur kleine Mengen auf einmal, um Erbrechen zu vermeiden.
- Vitalzeichen beobachten: Hecheln, flache Atmung, Schleimhautfarbe prüfen. Wenn möglich: Temperatur messen (über 41 °C = akuter Notfall!)
- Schnellstmöglich zum Tierarzt oder in die Tierklinik: Auch bei scheinbarer Besserung – ein Hitzschlag kann innere Organe schädigen!
- Während des Transports: Hund weiterhin kühlen und ruhig halten, Zugluft vermeiden.
So erkennen Sie einen Hitzschlag bei Ihrer Katze
Starkes Hecheln beim Hund kann ein Warnsignal sein
Hitzschlag beim Hund vorbeugen
Einem Hitzschlag beim Hund können Sie vorbeugen, indem Sie die Gassirunden an heißen Tagen in die frühen Morgen- bzw. späten Abendstunden verlegen. Vermeiden Sie anstrengenden Hundesport und stellen Sie Ihrem Liebling nach Möglichkeit einen Hundepool im Garten oder auf dem Balkon zur Verfügung. Verbringt Ihr Hund viel Zeit im Freien, zum Beispiel als Wach- oder Hofhund, braucht er unbedingt ein schattiges Plätzchen, an das er sich bei Bedarf zurückziehen kann – und natürlich ausreichend frisches Wasser als Durstlöscher.3
Weitere Sommergefahren für Hunde
Ein Hitzschlag zählt zu den gefährlichsten Sommernotfällen bei Hunden. Doch laut Tierarzt Thomas Backhaus und Tierärztin Franziska Mette gibt es in der warmen Jahreszeit noch weitere Risiken, die Tierhalter im Blick behalten sollten. Zu den häufigsten Problemen zählen Dehydrierung durch zu geringe Flüssigkeitsaufnahme, Magen-Darm-Beschwerden nach Reisen oder Futterumstellungen sowie Verletzungen an den Pfoten durch aufgeheizten Asphalt. Auch Zecken, Insektenstiche, Grannen und allergische Reaktionen treten im Sommer häufiger auf. Hinzu kommt, dass viele Hunde bei hohen Temperaturen körperlich zu stark belastet werden oder zu wenig trinken.
