11. Juni 2026, 17:33 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Beim Streicheln des Hundes ist plötzlich eine kleine Beule unter der Haut zu spüren. Viele Halter denken zunächst an einen Insektenstich, eine Warze oder eine harmlose Alterserscheinung. Tatsächlich kann dahinter aber ein sogenannter Grützbeutel stecken – eine verstopfte Talgdrüse, die sich mit Hautmaterial und Sekret füllt. PETBOOK erklärt, woran Sie ein Atherom erkennen, ob man es selbst ausdrücken darf und wann ein Tierarztbesuch nötig ist.
Wie entsteht ein Grützbeutel beim Hund?
Talgdrüsen sitzen in der Haut des Hundes und produzieren ein fetthaltiges Sekret, den sogenannten Talg. Dieser hält Haut und Fell geschmeidig und schützt vor dem Austrocknen.
Bei einem Grützbeutel, medizinisch Atherom genannt, ist der normale Abfluss dieses Talgs gestört. In der Folge sammelt sich das Material in einer geschlossenen Kapsel unter der Haut an. Dort lagern sich Talg, abgestorbene Hautzellen und andere Gewebereste ab, wodurch die Schwellung langsam größer werden kann. Häufig fühlt sich ein Grützbeutel prall-elastisch an, lässt sich leicht verschieben und ist zunächst schmerzlos.1
Warum verstopfen Talgdrüsen beim Hund?
Ein Grützbeutel entsteht meist durch eine Verstopfung von Talgdrüsen oder Haarfollikeln. Haarfollikel sind die kleinen Strukturen in der Haut, aus denen Haare wachsen. Wird der Abfluss durch Talg, Hautzellen oder anderes Hautmaterial blockiert, kann sich eine Zyste bilden.
Als mögliche Risikofaktoren werden genetische Veranlagungen, Hautreizungen, Entzündungen oder Verletzungen der Haut genannt. Einige Rassen, darunter Cocker Spaniel und Basset Hound, scheinen häufiger betroffen zu sein. In seltenen Fällen kann ein Atherom bereits vor der Geburt angelegt sein und erst später sichtbar werden.
Woran erkennt man einen Grützbeutel?
Typisch ist eine langsam wachsende, meist schmerzlose Beule in oder unter der Haut. Sie ist oft rundlich und gut abgrenzbar. Ihre Größe kann von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern reichen. Viele Halter entdecken sie zufällig beim Bürsten oder Streicheln.2
Nicht jeder Hund zeigt gesundheitliche Beschwerden. Manche Tiere beginnen jedoch, an der betroffenen Stelle zu lecken, zu kratzen oder zu knabbern. Dann können Juckreiz, Rötungen, Druckempfindlichkeit oder Schmerzen hinzukommen.
Kritisch wird es, wenn der Hund den Grützbeutel aufkratzt oder dieser von selbst aufplatzt. Dann können Bakterien eindringen und Entzündungen verursachen. Im schlimmsten Fall bilden sich Eiter, tiefere Hautschäden oder ein blutig-breiiger Ausfluss. Auch wenn sich der Inhalt eines Atheroms teilweise entleeren lässt, sollte die Zyste nicht selbst ausgedrückt werden. Denn damit ist das Problem oft nicht dauerhaft gelöst: Viele Grützbeutel füllen sich nach einiger Zeit erneut.
Warum jeder Knoten tierärztlich abgeklärt werden sollte
Auch wenn eine Schwellung harmlos wirkt, lässt sie sich von außen nicht sicher einordnen. Andere Hautveränderungen, Tumoren oder Abszesse können ähnlich aussehen.3
Der Tierarzt untersucht den Hund zunächst gründlich und tastet den Knoten ab. Dabei achtet er auf Größe, Schmerzhaftigkeit, Verschieblichkeit und Veränderungen der Haut. Häufig wird zusätzlich eine sogenannte Feinnadelaspiration durchgeführt. Dabei werden Zellen oder etwas Inhalt aus dem Knoten entnommen und mikroskopisch untersucht.
In manchen Fällen ist eine Biopsie notwendig. Dabei wird eine kleine Gewebeprobe entnommen, um die Ursache der Schwellung eindeutig zu bestimmen.
Kann man einen Grützbeutel selbst ausdrücken?
Viele Hundehalter fragen sich, ob sie einen Grützbeutel selbst ausdrücken können. Grundsätzlich kann sich der Inhalt einer nicht entzündeten Zyste entleeren lassen. Das löst das Problem jedoch meist nicht dauerhaft, da die Kapsel unter der Haut bestehen bleibt und sich erneut füllen kann.
Hinzu kommt das Risiko einer Entzündung. Gelangen Bakterien in die geöffnete Stelle, können Schmerzen, Schwellungen und Infektionen entstehen. Ist der Grützbeutel gerötet, schmerzhaft, aufgekratzt oder nässt bereits, sollten Halter deshalb nicht selbst Hand anlegen, sondern den Hund tierärztlich untersuchen lassen.
Kleine, nicht entzündete Atherome werden häufig lediglich beobachtet. Ist ein Grützbeutel jedoch entzündet, infiziert, schmerzhaft oder befindet er sich an einer Stelle, die ständigem Druck ausgesetzt ist, kann eine Behandlung notwendig werden.
Je nach Befund kann der Tierarzt die Wunde reinigen, bei bakteriellen Infektionen Antibiotika einsetzen oder die Zyste operativ entfernen. Dabei wird die Kapsel möglichst vollständig herausgenommen. Bleiben Teile davon zurück, kann sich an derselben Stelle erneut ein Grützbeutel bilden.
Wann sollte man mit einem Grützbeutel zum Tierarzt?
Tierärztlicher Rat sollte dann gesucht werden:
- wenn der Knoten schnell wächst
- wenn die Stelle gerötet oder warm ist
- wenn Eiter oder Flüssigkeit austritt
- wenn der Hund daran leckt oder kratzt
- wenn Schmerzen auftreten
- wenn die Stelle blutet
- wenn der Knoten die Bewegung oder das Tragen von Halsband oder Geschirr beeinträchtigt
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Wie gefährlich ist ein Grützbeutel?
Die Prognose ist in der Regel gut. Atherome sind gutartige Zysten und verursachen häufig keine oder nur geringe Beschwerden.
Wird ein Grützbeutel vollständig entfernt, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass er an derselben Stelle erneut auftritt. Hunde, die grundsätzlich zur Bildung solcher Zysten neigen, können jedoch später weitere Atherome an anderen Körperstellen entwickeln.4
Kann man Grützbeuteln vorbeugen?
Eine sichere Vorbeugung gibt es nicht. Regelmäßiges Bürsten, Streicheln und Abtasten des Hundes helfen jedoch dabei, Veränderungen der Haut frühzeitig zu entdecken.
Auch eine gute Fell- und Hautpflege kann dazu beitragen, überschüssigen Talg und abgestorbene Hautzellen zu entfernen. Unterstützend werden außerdem eine ausgewogene Ernährung sowie tierärztlich empfohlene Maßnahmen zur Hautgesundheit genannt.