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Rasse mit Schattenseiten

Vom Kampfhund zum Stadthund – was den Boston Terrier so beliebt macht

Porträt Boston Terrier
Der Boston Terrier wurde einst als Kampfhund gehalten, mauserte sich aber schnell zum beliebten Familienhund. Foto: Getty Images / Wojciech Kozielczyk
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Dennis Agyemang
Dennis Agyemang Autor

26. Juli 2025, 8:14 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Kompakt, charmant und voller Energie: Der Boston Terrier zählt heute zu den beliebtesten Familienhunden – doch seine Herkunft ist alles andere als friedlich. Einst für brutale Hundekämpfe gezüchtet, wandelte sich der Boston Terrier im Laufe der Jahrzehnte zu einem kinderlieben und sozialen Begleithund. Seine sensible Art und die markante Optik mit der platten Schnauze machen ihn unverwechselbar – doch birgt diese Zucht auch Schattenseiten.

Herkunft

Die Wurzeln des Boston Terriers reichen zurück ins 18. Jahrhundert in die USA. In der Region rund um Boston kreuzten Züchter gezielt verschiedene Kampfhunderassen, um besonders durchsetzungsfähige Hunde für die beliebten – und grausamen – Hinterhofkämpfe zu schaffen. Obwohl öffentliche Hundekämpfe bereits seit 1826 offiziell verboten waren, florierte das illegale Wettgeschäft im Verborgenen weiter. Der dabei entstandene „American Bullterrier“ – eine frühe Bezeichnung des Boston Terriers – galt als besonders stark, zäh und lukrativ für Wettfreunde.

Mit dem allmählichen Rückgang der Hundekämpfe änderte sich auch die Zuchtphilosophie. Durch die Einkreuzung von Französischen Bulldoggen entwickelte sich der Hund optisch und charakterlich weiter: Der aggressive Hintergrund trat zunehmend in den Hintergrund, während sich der Boston Terrier mit seinem ausgeglichenen Temperament und der freundlichen Erscheinung als idealer Begleithund etablierte. Dieser Wandel führte schließlich zur Anerkennung der Rasse und ihrem heutigen Ruf als kompakter Familienhund mit Charme.

Aussehen & Fell

Optisch trägt der Boston Terrier deutlich die Handschrift seiner bulldoggigen Vorfahren: Ein kurzer Fang, breite Wangenpartien und große, aufrecht stehende Ohren verleihen ihm sein typisches „Fledermausgesicht“. Der Körperbau ist muskulös und athletisch, was ihn trotz seiner geringen Größe robust und beweglich macht.

Der Boston Terrier wird in drei Gewichtsklassen eingeteilt: leicht (rund 7 kg), mittel (ca. 9 kg) und schwer (etwa 12 kg). Sein kurzes, glattes und glänzendes Fell liegt eng an und kommt in Farben wie Schwarz, Weiß, Braun oder gestromt vor. Eine Besonderheit ist die Rutenform: Ein kurzer, meist gerader Rutenstummel ergänzt das kompakte Erscheinungsbild. Obwohl das Haarkleid pflegeleicht ist, besitzt die Rasse keine wärmende Unterwolle – ein Umstand, der in kalten Monaten besondere Aufmerksamkeit erfordert.

Charakter & Gemüt

Der Boston Terrier gilt als lebhaft, verspielt und sehr menschenbezogen. Besonders im Umgang mit Kindern zeigt er sich animierend und fröhlich – vorausgesetzt, die Interaktion erfolgt unter Aufsicht. Seine freundliche und soziale Art macht ihn in vielen Familien schnell zum festen Bestandteil des Alltags.

Ob in der Stadtwohnung oder im ländlichen Haus: Der Boston Terrier passt sich problemlos an verschiedene Lebensverhältnisse an, solange er engen Kontakt zu seinen Bezugspersonen pflegen kann. Er zeigt Schutzinstinkt, jedoch ohne Aggressionspotenzial oder ständiges Bellen. Seine Empathie gilt als bemerkenswert – viele Halter berichten davon, dass der Boston Terrier feinste Stimmungsänderungen wahrnimmt und darauf reagiert. Trotz seines Ursprungs ist dieser Hund heute in erster Linie ein sensibler und loyaler Begleiter.

Erziehung

Mit seiner hohen Intelligenz und Lernfreude ist der Boston Terrier ein geeigneter Hund für Einsteiger. Er zeigt sich lernwillig und hat keinen ausgeprägten Jagdtrieb, was das Training erleichtert. Eine frühe Sozialisation und konsequente, aber liebevolle Erziehung sind dennoch wichtig – wie bei jeder Hunderasse.

Der Boston Terrier reagiert gut auf positive Verstärkung und ist schnell für neue Kommandos zu begeistern. Mit Geduld und Klarheit entwickelt er sich zu einem gut integrierten Familienhund, der zuverlässig und aufmerksam agiert.

Richtige Haltung & Pflege

In puncto Haltung zeigt sich der Boston Terrier unkompliziert: Er benötigt keinen großen Garten, sondern eher Nähe zu seinen Menschen. Regelmäßige Bewegung – etwa in Form von Spaziergängen oder moderatem Spiel – reicht ihm meist aus, um ausgelastet zu sein.

Die Fellpflege ist einfach: Regelmäßiges Bürsten oder das Massieren mit einem Pflegehandschuh genügt, um abgestorbene Haare und Schmutz zu entfernen. Dabei wird gleichzeitig die Bindung zwischen Hund und Halter gestärkt. Augen, Ohren und eventuelle Hautfalten sollten regelmäßig kontrolliert werden. Da der Boston Terrier keine Unterwolle besitzt, ist bei niedrigen Temperaturen wärmender Schutz durch Hundebekleidung empfehlenswert.

Ernährung

Die Ernährung des Boston Terriers erfordert ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, da viele Vertreter der Rasse ein empfindliches Verdauungssystem haben. Hier ist es wichtig, individuell herauszufinden, welche Futtermittel gut vertragen werden. Hochwertige Zutaten und ein ausgewogener Nährstoffgehalt sind entscheidend für das Wohlbefinden des Hundes.

Bei Unsicherheiten empfiehlt sich die Rücksprache mit einem Tierarzt oder eine fundierte Beratung im Fachhandel. Unverträglichkeiten und allergische Reaktionen lassen sich oft durch Ausschlussdiäten identifizieren und gezielt vermeiden.

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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten

Der Boston Terrier zählt zu den Hunderassen, bei denen viele Merkmale der sogenannten Qualzucht auftreten. Die gezielte Zucht auf ein extrem kurzes Gesicht führt bei vielen Tieren zu chronischen Atemproblemen. Die mangelnde Fähigkeit zur effektiven Wärmeregulierung macht sie besonders anfällig für Hitzschläge – schon bei moderaten Sommertemperaturen kann das lebensbedrohlich werden.

Ein weiteres Problem sind die stark hervorstehenden Augen, die empfindlich gegenüber Verletzungen und Reizungen sind. Auch orthopädische Probleme wie Kniescheibenluxationen (Patellaluxation) sowie Wirbelsäulen- und Augenerkrankungen treten bei dieser Rasse gehäuft auf. Wer einen Boston Terrier halten möchte, sollte sich der gesundheitlichen Verantwortung bewusst sein und gegebenenfalls auf Züchter setzen, die Wert auf funktionale Gesundheit legen statt auf extremes Aussehen.

Die Boston Terrier im Überblick

  • Charakter: verspielt, freundlich, kinderlieb, sehr menschenbezogen
  • Größe & Gewicht: kompakt; Gewichtsklassen ca. 7 kg, 9 kg und 12 kg
  • Fell: kurzes, glattes Fell
  • Besonderheiten: neigt zu Atemproblemen und Hitzestress, empfindliches Verdauungssystem
  • Geeignet für: Familien, Stadt- und Landbewohner, auch für Anfänger geeignet

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