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Traditionelle Heilmethode

Eignet sich Ayurveda auch für Hund und Katze?

Indische Gewürze und Porträt von Hund und Katze (Kreis)
Ayurveda ist eine traditionelle indische Heilkunst, die Körper, Geist und Seele als eine Einheit betrachtet. Aber eignet sie sich auch für Haustiere wie Katzen und Hunde? Foto: Getty Images
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28. Juli 2025, 10:54 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Naturheilkunde ist ein unaufhaltsamer Trend und rückt immer weiter in den Fokus. Die alte, traditionelle Heilmethode Ayurveda gibt es nicht nur für Menschen, sie wird auch für Haustiere wie Hund und Katze empfohlen und in verschiedenen Bereichen in der Tiergesundheit angewendet. PETBOOK-Autorin und Gesundheitsberaterin für Katzen und Hunde, Philine Ebert, gibt einen Überblick.

Der Begriff Ayurveda setzt sich aus den Wörtern „Ayus“ (das Leben) und „Veda“ (das Wissen) zusammen und bedeutet so viel wie Lebensweisheit, Lebenswissenschaft oder Wissen vom Leben. Das Leben wird dabei als eine Einheit von Körper, Geist und Seele gesehen.

Dabei geht es um ein ganzheitliches Heilsystem aus zentralen Elementen:

  • die ayurvedische Ernährungslehre
  • Ayurveda-Massage- und Reinigungstechniken
  • spirituelles Yoga
  • Pflanzenheilkunde

Die Geschichte und das Prinzip der ayurvedischen Heil- und Tierheilkunde

Die ayurvedische Heilkunde hat ihren Ursprung in Indien. Auch in Nepal, Sri Lanka und insbesondere in Asien wird Ayurveda als Heilmethode gelehrt und akzeptiert. Schon in den alten Tempeln und in der Landwirtschaft wurde die ayurvedische Heilkunde auch bei Tieren eingesetzt. Da sich vor allem Kühe, Elefanten oder Pferde bei bestimmten Beschwerden instinktiv selbst ihre Medizin in der Natur suchten, zeigten und lehrten sie den „Vaidya´s“, den Heilern in den Dörfern, welche Heilpflanzen sie nutzen konnten. Daraus entwickelte sich die ayurvedische Heilkunst auch für Tiere. Sie wird bis heute weltweit bei akuten oder chronischen Erkrankungen angewendet.

Die drei verschiedenen Lebensenergien auf der körperlichen Ebene

Die drei Prinzipien des Lebens werden Doshas genannt, was wörtlich übersetzt „Fehler(potential)“ heißt. Sie gliedern sich in

  • Vata, das Bewegungsprinzip (Wind, Luft und Äther)
  • Pitta, das Stoffwechselprinzip, die Umwandlung (Feuer und Wasser)
  • Kapha, das Strukturprinzip des Zusammenhalts (Erde und Wasser)

Die Doshas kommen nach ayurvedischem Denken in jedem Organismus vor und zeigen, zu welchen Krankheiten ein Tier neigen kann. Beschwerden oder Krankheiten entstehen erst, wenn diese Energien aus dem Gleichgewicht geraten. Im Ayurveda wird eine Krankheit als Störung des eigenen konstituellen Gleichgewichts, der Verdauung oder des Gewebes gesehen.

Bei jedem Lebewesen gibt es meistens nur zwei vorherrschende Doshas, selten sind alle drei gleich ausgeprägt. Darum ist die Zuordnung der Doshas die Grundlage für eine auf den Organismus passende Behandlung.

Ayurveda soll Selbstheilung aktivieren – auch bei Tieren

In der Veterinärkunde Indiens wird Ayurveda oft als Traditionsmedizin verstanden. Ziel der ayurvedischen Heilung ist es grundsätzlich, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, die Balance zwischen Körper und Geist wiederherzustellen und die Gesundheit optimal zu stärken und zu erhalten.

Besonders hervorzuheben ist die Individualität, mit der bei der ayurvedischen Lebensweise oder Behandlung gearbeitet wird. Nachdem die Konstitution ermittelt wurde, werden alle Haltungs-, Bewegungs-, Ernährungs-, Trainings- und Heilempfehlungen individuell auf den aktuellen Bedarf des Tieres ausgerichtet und zum Beispiel mit Futterzusätzen in Form von Gewürzen, mit ayurvedischen Kräutern oder stoffwechselstärkenden Maßnahmen behandelt.

Ayurveda für Hund und Katze in Deutschland

Speziell ausgebildete Ayurveda-Tiertherapeuten oder Tier-Gesundheitsberater und Coaches können ausführlich und genau zu diesem Thema beraten, behandeln und therapieren. Dazu muss das Tier vorgestellt und ein individueller Konstitutionstest erstellt werden.

Therapieansätze der ayurvedischen Medizin für Tiere

  • Ausleitungsverfahren
  • Reinigungsprozeduren
  • Stärkung des Immunsystems
  • Behandlung von Haut und Fell
  • Behandlung von Magen- Darmbeschwerden
  • Behandlung von Erkrankungen der Atemwege
  • Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Behandlung von Stoffwechselstörungen
  • Behandlung von psychischem Ungleichgewicht

Positive Unterstützung der Ernährung durch Ayurveda

Dass eine gesunde, ausgewogene Ernährung und die damit zusammenhängende gute Verdauung das Wichtigste für ein langes und gesundes Tierleben sind, muss nicht extra erwähnt werden. Nach der ayurvedischen Lehre werden Lebens- und Futtermittel nicht nur als Nahrung, sondern auch als Medizin gesehen.

Jedes Lebensmittel wird nach seinen Eigenschaften eingeordnet und für die entsprechende Konstitution des Tieres ausgewählt oder ausgeschlossen. Dabei wird nicht nur auf die Inhaltsstoffe, sondern auch auf die Zubereitung des Futters, die Fütterungszeiten und die Menge geachtet.

Beispiele für typische ayurvedische Futterergänzungen finden sich in der indischen Küche: Dazu gehören unter anderem Kardamom, Ingwer, Kurkuma, Safran oder Koriander. Aber auch in unserer deutschen Küche gibt es einige Lebensmittel, die eine ayurvedische Wirkung haben, wie Nelken, Zimt, Pfefferminze, Dill, Basilikum, Bockshornklee, Fenchel oder Salbei.

Die ayurvedische Tiermassage und Yoga

Ayurvedische Massagen eigenen sich optimal für Katze und Hund, denn sie wirken nicht nur wohltuend und entspannend, sondern lösen gezielt physische oder psychische Blockaden. Gleichzeitig werden Entgiftung und Entschlackung angekurbelt.

Hunde lieben Massagen, eventuell auch mit einem speziellen Öl, genießen jede Berührung und die Nähe zu ihrem Menschen. Den Einsatz von Öl sollte man vorsichtig testen. Besonders bei Katzen ist große Vorsicht geboten, denn sie vertragen keine ätherischen Öle.

Eine entspannende Yogaeinheit ist auch für Hunde eine willkommene Beschäftigung, bringt Abwechslung und Entspannung. Viele Hunde machen instinktiv Übungen aus dem Yoga und haben Spaß dabei, es mit ihren Menschen gemeinsam zu machen. Nicht umsonst heißt eine der bekanntesten Übungen „der herabschauende Hund“. Aber auch Katzen wissen eine Yogaeinheit mit ihrem Menschen sehr zu schätzen, wie PETBOOK-Redakteurin Louisa Stoeffler in ihrem Artikel beschreibt: Mit Katze Yoga machen? Redakteurin gibt Tipps, wie man dabei Bindung zum Tier stärkt

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Durch das Jahr mit Ayurveda

Auch die verschiedenen Jahreszeiten haben Einfluss auf die Gesundheit, Körper und Geist unserer Haustiere. Sie werden vom Biorhythmus der Natur gleichermaßen beeinflusst wie der Mensch.

Das äußert sich durch:

  • Fellwechsel und Hautprobleme
  • Allergien
  • Parasitenbefall
  • Immunschwäche
  • Übersäuerung
  • entzündliche Vorgänge im Körper
  • Stimmungsschwankungen
  • temperaturbedingte Beschwerden durch Hitze oder Kälte

In diesen Phasen können Hund und Katze durch Ayurveda auf natürliche Weise unterstützt werden, um gesund zu bleiben.

Fazit

Die ayurvedische Lehre ist sehr umfangreich, komplex, aber wahnsinnig interessant. Es gibt viele Informationen und tolles Buchmaterial um sich zu informieren und in diese spannende Heillehre hineinzuschnuppern. Für die innere Anwendung beim Haustier empfehle ich den Besuch bei einem erfahrenen Ayurveda-Tiertherapeuten um die richtige, entsprechende Behandlung für das Tier zu finden.

Über die Autorin

Philine Ebert ist seit 2023 als zertifizierte Gesundheits-, Ernährungs- und BARF-Beraterin für Hunde selbstständig. Über Autorenwettbewerbe und Reiseberichte für das „DOG and Travel Magazin“ ist sie bei PETBOOK angekommen, schreibt sie als Teil des Expertenteams und gibt ihre Passion an die Leser weiter.

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