3. November 2025, 5:58 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Ätherischen Ölen wird eine Vielzahl von positiven Wirkungen auf Körper, Geist und Seele zugeschrieben. Sie gehören zu den ältesten überlieferten Heilmethoden. Aber kann diese Therapie auch bei Haustieren eingesetzt werden und wie funktioniert Aromatherapie? PETBOOK-Autorin und Gesundheitsberaterin für Katzen und Hunde Philine Ebert erklärt.
Was ist Aromatherapie überhaupt?
Es handelt sich dabei um die Anwendung von ätherischen Ölen zur Linderung von Krankheiten oder zur Steigerung des Allgemeinbefindens. Schon im alten Ägypten wurden bestimmte Duftstoffe für therapeutische oder rituelle Anwendungen eingesetzt. Öle wurden schon immer als natürliche Medizin genutzt oder dienten in Form von Räucherwerk zur Reinigung von Räumen.
Um ganz bewusst auf chemische Stoffe zu verzichten, werden heute immer öfter auch in Krankenhäusern Raumsprays aus ätherischen Ölen gegen multiresistente Keime oder Aromamischungen zur Wundheilung und zur Narbenpflege eingesetzt.
Woher kommen ätherische Öle?
Ätherische Öle werden als kleine Tropfen in allen Pflanzenteilen gebildet. Weil sie keimhemmend und desinfizierend wirken, dienen sie den Pflanzen als Schutz vor Fressfeinden oder Infektionserregern. Außerdem sind sie verantwortlich für den charakteristischen Duft der jeweiligen Pflanze.
Der Unterschied zwischen Phytotherapie und Aromatherapie
Der Ursprung liegt in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie). Dabei wird mit den Pflanzen gearbeitet, die ätherische Öle enthalten. Abgeleitet davon ist die Aromatherapie eine Heilkunde, in der nur die reinen ätherischen Öle aus Pflanzen therapeutische Anwendung finden. Extrahiert können sie als reines Öl durch ihre Fettlöslichkeit über die Haut, die Nase, den Mund oder die Lunge aufgenommen und verabreicht werden. Die Therapie für Menschen ist nur Ärzten und dafür ausgebildetem Pflegepersonal, sowie Heilpraktikern vorbehalten.
Dürfen Tiere auch mit Aromen therapiert werden?
In der Veterinärmedizin wurde die Aromatherapie bisher meist zur Behandlung von Pferden eingesetzt. Aber auch für Hund und Katze steigt das Interesse an naturheilkundlichen Behandlungsmöglichkeiten, sodass die Aromatherapie immer mehr in den Vordergrund rückt. Der Einsatz von ätherischen Ölen im Bereich der chronischen Schmerzbehandlung, bei Schlaf- oder Verdauungsbeschwerden oder zur natürlichen Parasitenabwehr hat sich bewährt.
Für Tiere haben Düfte einen besonderen Stellenwert, denn das Beschnüffeln und Riechen ist ihr vorrangiges Kommunikationsmittel und löst sofort physische und psychische Reaktionen aus. Die Anwendung bei Tieren unterliegt keinen gesetzlichen Regelungen, sollte aber nur von qualifizierten Tierärzten oder Tierheilpraktikern praktiziert werden, da die Anwendung der Öle auch Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen kann.
Die Wirksamkeit für Mensch und Tier ist bisher nicht eindeutig wissenschaftlich belegt. Es gibt zwar einzelne Studien, die die positive Wirkung einiger ätherischer Öle belegen, die meisten Empfehlungen basieren aber auf Erfahrungswerten.
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Die richtige Anwendung bei Haustieren
Aromaöle sollten innerlich und äußerlich nur nach eingehender Beratung von einem qualifizierten Therapeuten bei Haustieren eingesetzt werden. Zudem ist die Anwendung nur für ausgewachsene Tiere geeignet. Als Halter achten Sie am besten auf den Verlauf, und die Reaktion auf die Anwendung. Ein Tier muss den Duft mögen und akzeptieren. Reagiert das Tier mit sofortiger Ablehnung gegenüber ätherischen Ölen, erzwingen Sie keine weitere Konfrontation.
Wichtig ist, dass bei Tieren nur 100 Prozent naturreine ätherische Öle in Bio-Qualität zum Einsatz kommen. Zudem dürfen sie nie unverdünnt und nur nach der Dosierungsempfehlung des Therapeuten innerlich und äußerlich angewendet werden.
Darf ich meine Katze mit Aromatherapie behandeln?
Die Anwendung ätherischer Öle bei Katzen ist sehr umstritten. Denn Katzen fehlen bestimmte Enzyme, um ätherische Öle richtig verstoffwechseln zu können. Das bedeutet, dass bestimmte Öle in zu hoher Konzentration toxisch wirken können. Zudem reagieren Katzen oft mit Abneigung gegen Öle und ihren intensiven Geruch. Deshalb sollte der Einsatz von ätherischen Ölen bei Katzen nur durch Empfehlung und Absprache mit einem erfahrenen Therapeuten erfolgen.
Diese Öle sollten insbesondere bei Katzen nicht angewendet werden:
- Zitrusöle
- Teebaum
- Nelke
- Zimt
- Wacholder
- Anis
- Thymian
- Eukalyptus
- Kampfer
- Pfefferminze
Darf ich meinen Hund mit Aromatherapie behandeln?
Viele Hunde finden ätherische Öle und Düfte interessant. Das liegt in ihrer Natur, denn die meisten Eindrücke und Gefühle entstehen durch die Aufnahme von Gerüchen. Ein Beispiel dafür ist, dass sie instinktiv nach Kräutern suchen, wenn sie gesundheitliche Beschwerden wie Magenprobleme haben. Dabei verlassen sie sich auf ihren Geruchssinn und suchen sich die passende Pflanze anhand ihres Geruchs und der jeweils enthaltenen ätherischen Öle zur Linderung der Beschwerden.
Das heißt aber nicht, dass alle Hunde den Geruch von ätherischen Ölen mögen oder akzeptieren. Auch sie können durch Wegdrehen des Kopfes, Anlegen der Ohren oder Blinzeln signalisieren, dass ihnen der Duft unangenehm oder zu intensiv ist. Zudem können allergische Reaktionen oder Hautirritationen auftreten.
Diese Öle sollten insbesondere bei Hunden nicht angewendet werden:
- Anis
- Wacholder
- Birke
- Nelke
Sind Raumdüfte gefährlich für Tiere?
Sie kennen das bestimmt auch: Einige Menschen haben in ihren Räumlichkeiten sogenannte Diffusoren, die Aromaöle in die Luft zerstäuben. Der Vorteil von Aromaölen als Raumduft ist, dass sie auf natürlicher Basis wirken und keine synthetischen Duftstoffe enthalten. Herkömmliche Duftkerzen und Raumerfrischungssprays können den Organismus unserer Haustiere belasten und die Entstehung von Allergien begünstigen. Sie stehen im Verdacht, einen Zusammenhang mit Krebs-, Leber- oder Nierenerkrankungen zu haben.
Wichtig ist, dass das Tier jederzeit die Möglichkeit hat, den Raum, der beduftet wird, zu verlassen und selbst zu entscheiden, wann es genug ist.
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Geeignete Öle für Tiere und ihre positive Wirkung:
Rosenöl („Öl des Herzens“)
- Duft: typischer, charakteristischer Rosenduft
- Wirkung: antimykotisch, antiviral und antibakteriell, fördert die Zellerneuerung, wirkt entzündungshemmend, krampflösend, entspannend, beruhigend und harmonisierend, hilft gegen Eifersucht
Lavendelöl – „Öl der Mitte“
- Duft: hocharomatisch, blumig-krautig, frisch
- Wirkung: hilft gegen Parasiten wie Flöhe oder Zecken und wirkt ausgleichend, beruhigend, stresslösend, angstlösend, stimmungsaufhellend und fördert die Konzentration
Manukaöl oder „neuseeländisches Teebaumöl“ – „Das Heilmittel der Maoris“
- Duft: warm, würzig, leicht holzig, tief und krautig
- Wirkung: antibakteriell und entzündungshemmend, pflegend, stärkt die Hautfunktion, unterstützt die Wundheilung, hilft gegen Juckreiz, antiallergisch, unterstützt bei Erkrankungen der Atemwege, hat schmerzstillende und entzündungshemmende Eigenschaften bei Gelenkbeschwerden oder Arthritis, stärkt die Abwehrkräfte, stresslösend und entspannend, unterstützt das seelische Gleichgewicht bei Trauer oder Trauma, dient zur Raumluftverbesserung
Manukaöl ist eine gute Alternative zum herkömmlichen Teebaumöl, auf das wegen seiner Intensität und der möglichen Nebenwirkungen lieber verzichtet werden sollte.
Was Tierhalter mitnehmen sollten
Düfte wecken in uns die verschiedensten Gefühle und können in vielerlei Hinsicht gesundheitsfördernd für Körper und Seele sein. Die Dufttherapie im Einsatz bei unseren Vierbeinern kann eine wertvolle Ergänzung zur Unterstützung von Krankheiten oder zur Hilfe bei seelischem Ungleichgewicht sein.
Allerdings sollte immer ein erfahrener Therapeut eine individuelle Beratung durchführen und zusätzlich die auf das Tier zugeschnittene Behandlung begleiten.