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Vor allem Pomeranians betroffen

Schwarze Haut und Haarausfall – das steckt hinter Alopezie X bei Hunden

Zwergspitz mit Black Skin Disease, Alopezie X
Alopezie X – auch als Black Skin Disease bekannt – betrifft vor allem Zwergspitze Foto: Getty Images
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Porträtaufnahme von Autorin Manuela Lieflaender mit Hund Elvis
Freie Autorin

18. März 2026, 17:28 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Anfangs traf es in erster Linie Zwergspitze mit ihrem watteweichen, extrem üppigen Fell. Die kleinen Pomeranians verloren plötzlich ihre Pracht und wurden stellenweise nackt. Sie wurden zum Inbegriff der „Alopezie X“, der sogenannten Black Skin Disease. Längst sind aber auch Pudel sowie alle Rassen mit Unterwolle und viel Fell betroffen. Die Diagnose wirft bei Haltern aber immer noch viele Fragen auf. PETBOOK-Autorin Manuela Lieflaender hatte selbst einen Zwergspitz und tauschte sich dazu immer wieder mit Züchtern aus, die das Phänomen seit Jahrzehnten mit Sorge beobachten.

Vor allem Hunde mit „doppeltem“ Haarkleid betroffen

Es beginnt oft ganz unscheinbar. Erst bricht das Haar am Halsband ein wenig ab, dann lichten sich die „Hosen“ an den Hinterläufen. Was viele Besitzer zunächst für einen extremen Fellwechsel halten, entpuppt sich oft als Alopezie X – auch bekannt als Black Skin Disease. Ein Phänomen, das vor allem Hunde mit dichtem, doppeltem Haarkleid trifft.

Ich weiß noch, wie mir eine erfahrene Züchterin erzählte, dass sie 1994 in Holland die erste nackte Zwergspitz-Hündin gesehen hatte. Damals wusste niemand, was das für eine Krankheit ist. Heute weiß man: Besonders die Hunde, die auf maximalen „Plüsch“ gezüchtet wurden, sind gefährdet. Das Fell fühlt sich bei Betroffenen oft hart, strohig und trocken an.

Hormone, Gene oder zu viel Fell?

Viele Züchter haben hierzu mittlerweile eine interessante Theorie: Durch die enorme Unterwolle kommt kaum noch Sauerstoff an die Haut. Sie bekommt buchstäblich keine Luft mehr. Wenn dann noch Sonnenlicht auf die nackten Stellen trifft, verdickt sich die Haut und färbt sich dunkel – ein natürlicher Schutzmechanismus, der es neuen Härchen jedoch noch schwerer macht, durchzubrechen.

Die Ursachenforschung gleicht einer Detektivarbeit. So gibt es zwar bereits Studien, die den Zusammenhang der Fellbeschaffenheit und Alopezie X untersucht haben. Hier zeigte sich aber vor allem ein Unterschied in der Beschaffenheit der einzelnen Haare. Diese waren bei Zwergspitzen mit dem Black Skin Disease besonders fragil. Auch die sogenannte Trichorrhexis nodosa, eine häufige Haarschaftanomalie, die durch brüchiges, glanzloses Haar mit kleinen, weißen Knötchen gekennzeichnet ist, war in der Gruppe der Alopezie-X-Hunde besonders hoch.1

Hormone als Schlüsselfaktor

Fest steht: Es ist oft ein hormonelles Ungleichgewicht. Forscher hatten schon lange einen veränderten Steroidhormonstoffwechsel als Ursache für Alopezie X im Blick. Doch erst 2017 konnte eine Studie einen ersten belegbaren Zusammenhang zeigen. Die Forscher verglichen dafür Proben von betroffenen Zwergspitzen mit denen gesunder Hunde und fanden Hinweise darauf, dass der Östrogenstoffwechsel in der Haut unterschiedlich reguliert ist. 2

Viele betroffene Hunde leiden zusätzlich an einer (oft unerkannten) Schilddrüsenunterfunktion. Zwergspitze sollen laut Züchtern einen erhöhten Jodbedarf haben, der durch normales Trockenfutter oft nicht gedeckt wird. Viele raten daher zur Zufütterung von Seealgenpulver. Doch die Ernährung ist nur ein Puzzlestück von vielen.

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Das größte Problem liegt in der Genetik. Da Alopezie X oft erst im Alter von fünf Jahren oder später auftritt, haben viele Rüden bis dahin bereits Preise auf Shows gewonnen und ihre Gene weitergegeben. So sieht man laut Züchtern prämierte Deckrüden, die plötzlich nackt werden. Diese Hunde müssten eigentlich sofort aus der Zucht genommen werden. Aber auch wenn das geschieht, sind bis dahin schon mehrere Deckakte erfolgt und das Merkmal wurde unbemerkt weitervererbt.

Was hilft wirklich?

Für bereits Betroffene gilt: Wer auf ein Wundermittel hofft, wird oft enttäuscht. Ob Spezialshampoos, Öle oder die Kastration – viele Methoden bringen nur kurzfristigen Erfolg. Das Haar kommt flusig zurück, nur um bald darauf wieder auszufallen. Das Problem scheint also genetisch verankert und nicht durch Ernährung oder äußere Einflüsse zu ändern.

Laut Studien sind eine ausführliche Anamnese, eine dermatologische Untersuchung und gezielte Diagnostik unerlässlich, um die Behandlung zu steuern und eine Prognose zu erzielen. In den meisten Fällen ist die Verwendung milder Lotionen, Salben und Staubpuder hilfreich, um Juckreiz zu lindern und die Heilung zu fördern.3

Was Sie für Ihren Hund tun können:

  • Schutz: Nackte Hunde brauchen im Sommer Sonnenschutz und im Winter (oder nachts) einen weichen Pullover, damit die Haut nicht zu hart wird.
  • Pflege: Regelmäßiges Einölen hält die Haut geschmeidig.
  • Akzeptanz: „Man sollte einfach akzeptieren, dass der Hund nackt ist“, sagen Züchter. Denn das Wichtigste ist: Alopezie X ist ein optischer Makel, aber keine schmerzhafte Krankheit. Ihr Hund bleibt derselbe fröhliche Begleiter – auch ohne Plüsch.

Wenn Sie einen Zwergspitz-Welpen suchen, fragen Sie gezielt nach Alopezie-Fällen in der Ahnenlinie und achten Sie darauf, dass nicht nur auf „extrem viel Fell“ selektiert wurde. Gesundheit glänzt schöner als jeder Pokal.

Quellen

  1. I. vanHensbergen, C. Brachelente, J. van derLugt, J. van denBroek, and A. van derLee, „Histological and Trichographic Differences Between Coat Types in Non-Alopecic Pomeranians and With Alopecia X“. Veterinary Dermatology (2026): 1–10, https://doi.org/10.1111/vde.70054. ↩︎
  2. Brunner, M. A. T., Jagannathan, V., Waluk, D.P., Roosje, P., Linek, M., Panakova, L., et al. (2017) „Novel insights into the pathways regulating the canine hair cycle and their deregulation in alopecia X“. PLoS ONE 12(10): e0186469. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0186469 ↩︎
  3. Uzun, B. (2025). „Approach to Alopecia in Dogs in Clinical Practice: Alopecia in Dogs“. Veterinary and Zootechnical Sciences, 1(1), 104–118. https://doi.org/10.64614/vzs-15 ↩︎

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