23. Januar 2026, 14:31 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Viele Hundehalter kennen die Situation: Gerade morgens, wenn jede Minute zählt und der Bus gleich kommt, bleibt der Hund vor der Haustür stehen, schnüffelt ausgiebig und lässt sich scheinbar extra viel Zeit. Doch trödeln Hunde wirklich absichtlich, um uns zu ärgern? PETBOOK sprach mit Hundetrainerin Katharina Marioth darüber.
„Wir strahlen dann extrem viel Unruhe aus“
Für alle, die auch so einen Vierbeiner haben, gibt die Expertin gleich Entwarnung: „Nein, der Hund macht das nicht absichtlich“, stellt Katharina Marioth klar. Vielmehr hätten solche Situationen oft mit unserem eigenen Stress zu tun.
Wenn Menschen es eilig haben, sind sie hektischer, unruhiger – und genau das nehmen Hunde sehr genau wahr. „Wir strahlen dann extrem viel Unruhe aus“, erklärt Marioth. Als Reaktion darauf zeigen viele Hunde verstärkt Schnüffelverhalten oder lassen sich besonders viel Zeit bei ihrer Morgenrunde.
Schnüffeln wirkt beruhigend
Dieses Verhalten ist laut der Trainerin kein Trotz, sondern ein sogenanntes Entstressungsverhalten. Schnüffeln wirke auf Hunde stark beruhigend. Man könne sich das so vorstellen, dass der Hund innerlich sagt: „Das ist mir gerade alles ein bisschen zu viel – ich nehme mir jetzt meine Ruhe.“ Durch das intensive Erkunden der Umgebung reguliert der Hund sich selbst und zieht sich für einen Moment aus der stressigen Situation zurück.
Ruhiger Start in den Tag kann helfen
Gerade morgens, wenn Termine feststehen und der Zeitdruck hoch ist, geraten Mensch und Hund dabei schnell in einen Teufelskreis. Marioth rät deshalb, den Blick auch auf den eigenen Tagesstart zu richten. Ein kleiner Zeitpuffer könne viel verändern. „Zehn Minuten früher aus dem Haus zu gehen, hilft enorm“, sagt sie.
Auch Dinge wie Haarewaschen oder Föhnen könne man, wenn möglich, auf den Abend verlegen. Ein ruhigerer Start in den Tag senke nicht nur das eigene Stresslevel, sondern wirke sich auch positiv auf den Hund aus.
Gerüche können bewirken, dass Hunde scheinbar trödeln
Dabei dürfe man nicht vergessen, dass es auch ganz andere Gründe geben kann, wenn Hunde scheinbar trödeln. Läufige Hündinnen markieren zum Beispiel häufiger, Rüden brauchen deutlich länger, wenn eine läufige Hündin in der Nachbarschaft unterwegs ist. Diese Gerüche seien für Hunde hochinteressant, auch wenn Menschen davon nichts mitbekommen.
„Nicht alles hat also mit uns zu tun“, so Marioth. Trotzdem sei es für beide Seiten entspannter, wenn morgens etwas mehr Zeit eingeplant werde. Sie vergleicht das mit dem berühmten akademischen Viertel – nur eben nach vorne gelegt.
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Hund sanft umlenken statt schimpfen
Doch wie reagiert man richtig, wenn der Hund stehen bleibt und schnüffelt, während der Stresspegel steigt? Wichtig sei vor allem, nicht noch mehr Druck aufzubauen. „Das ist ein schmaler Grat“, sagt Marioth. Schimpfen oder hektisches Ziehen an der Leine verschärfe die Situation meist nur.
Stattdessen könne man den Hund sanft umlenken – etwa mit einem Leckerli. So werde der Entstressungsmoment auf etwas Positives übertragen und mit Bewegung kombiniert. Gleichzeitig könne der Hund dafür belohnt werden, dass er sich am Menschen orientiert.
Bei Welpen und Junghunden empfiehlt die Trainerin besondere Geduld. Neue Reize wie Müllabfuhr, Baustellen oder fremde Geräusche müssten erst verarbeitet werden. Auch hier könne Futter helfen, um dem Hund Sicherheit zu geben und ihn positiv mitzunehmen. Trotzdem dürfe es irgendwann ein klares Weitergehen geben. Entscheidend sei, ruhig zu bleiben und den Hund nicht hinter sich herzuziehen.
Struktur und Sicherheit gegen Trödeln
Langfristig könne auch ein gut aufgebautes Kommando helfen. Kennt der Hund ein verlässliches Fußsignal, könne dieses nach der „sanitären Entspannungsrunde“ eingesetzt werden. Das Kommando signalisiere dann klar: Jetzt folgt der Hund dem Menschen, Tempo und Richtung werden vorgegeben. „Das gibt Struktur – und Struktur gibt Sicherheit“, erklärt Marioth. Und genau diese Sicherheit sorge am Ende dafür, dass Hunde weniger trödeln – ganz ohne die Absicht, uns zu ärgern.
Das gesamte Interview mit Hundetrainerin Katharina Marioth sehen Sie im Video.
Zur Expertin
Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.