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Welcher Fehler dafür sorgt, dass Ihr Hund den Rückruf ignoriert

Halter jagt am Strand seinen Hund
Jagen Sie Ihrem Hund auch hinterher, weil er nicht kommt? Hundetrainerin Katharina Marioth verrät, wie der perfekte Rückruf klappt. Foto: Getty Images

18. September 2026, 11:07 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Ein verlässlicher Rückruf ist die Voraussetzung dafür, dass ein Hund sicher ohne Leine laufen kann. Trotzdem ignorieren viele Vierbeiner das Signal und ihre Halter müssen ihnen am Ende hinterherrennen. Häufig steckt dahinter ein typischer Trainingsfehler, durch den der Hund das Zurückkommen mit etwas Negativem verbindet. Hundetrainerin und PETBOOK-Autorin Katharina Marioth erklärt, wie Halter diesen Fehler vermeiden und den Rückruf zuverlässig aufbauen.

Dieser Fehler macht den Rückruf für den Hund unattraktiv

Viele Hundehalter rufen ihren Hund vor allem dann zurück, wenn Gefahr droht, die Leine angelegt wird oder der Spaziergang endet. So verknüpft der Hund das Rückrufsignal schnell mit dem Ende von etwas Angenehmem und beginnt möglicherweise, es zu ignorieren. Dabei müssen Hunde lernen, dass es sich lohnt, zu ihrem Menschen zurückzukommen. Dafür braucht es klare Kommunikation, positive Verstärkung und regelmäßiges Üben in unterschiedlichen Situationen.

Rückruf zunächst mit der Schleppleine trainieren

Die Schleppleine ist ein wertvolles Hilfsmittel, um den Rückruf unter kontrollierten Bedingungen zu trainieren. Sie gibt dem Hund Bewegungsfreiheit, während der Halter weiterhin Einfluss nehmen kann. Die Länge der Schleppleine sollte individuell angepasst werden, meist sind fünf bis zehn Meter eine gute Wahl. Die Leine sollte immer am Geschirr und nicht am Halsband befestigt werden, um Verletzungen zu vermeiden.

Zunächst erfolgt das Training in einer reizarmen Umgebung, damit der Hund nicht von äußeren Einflüssen abgelenkt wird. Der Hund darf sich frei bewegen, und der Halter ruft ihn mit einem klaren Kommando, beispielsweise „Hier“ oder „Zu mir“. Sobald der Hund den ersten Schritt in Richtung Halter macht, wird er sofort gelobt und belohnt. Dabei ist es wichtig, dass die Belohnung hochwertig ist. Besonders schmackhafte Leckerchen, ein Lieblingsspielzeug oder eine kleine Spieleinheit steigern die Motivation.

Falls der Hund nicht sofort reagiert, kann die Schleppleine sanft genutzt werden, um ihn in Bewegung zu setzen. Sobald der Hund den Halter erreicht, wird er freudig empfangen und bekommt seine Belohnung. Durch regelmäßige Wiederholungen wird der Rückruf gefestigt.

Ablenkung beim Rückruf langsam steigern

Wenn der Hund die ersten Schritte verinnerlicht hat, kann das Training anspruchsvoller gestaltet werden. Nun sollte der Rückruf auch unter Ablenkung geübt werden. Hierbei hilft es, in verschiedenen Umgebungen zu trainieren, beispielsweise im Wald, auf Wiesen oder in Parks. Auch andere Hunde oder spielende Kinder sind mögliche Ablenkungen. Wichtig ist, dass die Ablenkung nicht zu groß ist, damit der Hund weiterhin Erfolgserlebnisse hat. Wird der Rückruf nicht befolgt, darf nicht geschimpft werden. Stattdessen wird das Training eine Stufe zurückgesetzt und an einfacheren Situationen weiter geübt.

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Orientierungstraining

Neben der Schleppleine spielt das Orientierungstraining eine große Rolle. Hunde, die sich an ihrem Halter orientieren, bleiben auch in schwierigen Situationen abrufbar. Das Training beginnt damit, dass der Mensch sich für den Hund interessanter macht als die Umgebung. Eine einfache Übung ist es, unerwartet die Richtung zu wechseln, wenn der Hund nicht auf den Halter achtet. So lernt der Hund, regelmäßig nach seinem Menschen zu sehen.

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Eine weitere Möglichkeit ist es, sich kurz zu verstecken, sodass der Hund lernt, dass es seine Aufgabe ist, auf den Halter zu achten. Natürlich sollte dies nur in sicheren Umgebungen geschehen. Mit der Zeit entwickelt der Hund eine stärkere Bindung und bleibt auch ohne Leine aufmerksam.

Der Rückruf darf nicht immer das Ende des Spaßes bedeuten

Ein weiterer wichtiger Punkt für den sicheren Rückruf ist die positive Verknüpfung. Der Rückruf muss für den Hund immer mit etwas Angenehmem verbunden sein. Wenn der Hund weiß, dass es nach dem Rückruf jedes Mal nach Hause geht oder die Leine angelegt wird, wird er ihn womöglich meiden. Stattdessen sollte der Hund nach einem erfolgreichen Rückruf auch wieder weiterlaufen dürfen oder eine Belohnung erhalten. Dadurch lernt er, dass es sich für ihn lohnt, zu kommen.

Bei jagdmotivierten Hunden ist es zudem sinnvoll, gezielt auf Alternativen zur Jagdverhaltensteuerung zu setzen. Apportierspiele, Fährtenarbeit oder kontrollierte Jagdersatzspiele können dazu beitragen, den Hund auszulasten und den Jagdtrieb in kontrollierte Bahnen zu lenken.

Ein besonderes Signal für den Notfall

Für Hunde, die besonders jagdmotiviert sind, kann es sinnvoll sein, ein spezielles Signal als „Super-Rückruf“ zu etablieren. Dies kann eine Hundepfeife oder ein besonderes Wort sein, das ausschließlich für den Notfall genutzt wird. Dieses Signal wird zunächst mit einer extrem hohen Belohnung verknüpft, beispielsweise mit einer besonderen Futterportion oder einem intensiven Spiel. Der Hund lernt, dass dieses Signal immer etwas ganz Großartiges bedeutet. Es wird in entspannten Situationen geübt und erst dann in schwierigen Umgebungen eingesetzt.

Ein häufiges Problem ist, dass Hunde den Rückruf verweigern, wenn sie mit etwas Spannendem beschäftigt sind. Hier kann es helfen, etwas anzubieten, das mit der Ablenkung konkurriert. Ein Trick ist, selbst mit einem interessanten Gegenstand zu spielen oder so zu tun, als hätte man etwas besonders Spannendes entdeckt. Hunde sind neugierig und kommen oft von selbst. Alternativ kann ein zweites Rückrufsignal genutzt werden, das mit einer Bewegung kombiniert wird, beispielsweise ein Weglaufen in entgegengesetzte Richtung.

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Beziehung und innere Haltung sind nicht zu unterschätzen

Ein oft unterschätzter, aber entscheidender Faktor für einen zuverlässigen Rückruf ist die Beziehungsqualität zwischen Mensch und Hund. Hunde orientieren sich nicht nur an klaren Signalen, sondern auch an der emotionalen Ausstrahlung und inneren Haltung ihres Menschen. Ein Hund, der seinem Halter vertraut, gerne in dessen Nähe ist und sich sicher fühlt, wird deutlich eher und zuverlässiger kommen – selbst in schwierigen Situationen.

Deshalb ist es wichtig, den Rückruf nicht nur als technische Übung zu sehen, sondern als Teil einer vertrauensvollen und stabilen Bindung. Ein Hund, der seinem Halter vertraut, gerne in dessen Nähe ist und sich sicher fühlt, wird deutlich eher und zuverlässiger kommen.

Auch die Art und Weise, wie der Rückruf gegeben wird, hat großen Einfluss auf die Reaktion des Hundes. Ein aufgeregter oder ärgerlicher Ton kann den Hund verunsichern oder zum Zögern bringen. Stattdessen sollte das Rückrufsignal freundlich, motivierend und souverän gegeben werden – mit einem Lächeln in der Stimme. Wer dabei ruhig bleibt und gleichzeitig Begeisterung ausstrahlt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund gern und schnell reagiert.

Solche emotionalen Feinheiten lassen sich kaum in konkreten Trainingsschritten messen, haben aber in der Praxis oft einen deutlich spürbaren Effekt – vor allem bei sensiblen oder unsicheren Hunden.

Fazit

Das Training für den sicheren Rückruf beim Hund erfordert Geduld und Konsequenz. Es gibt Rückschläge, und nicht jeder Hund wird sofort perfekt reagieren. Wichtig ist es, Trainingseinheiten kurz und positiv zu halten. Wer täglich wenige Minuten investiert, wird langfristig große Fortschritte sehen. Gerade in der Brut- und Setzzeit ist es sinnvoll, den Hund nicht einfach unkontrolliert laufen zu lassen, sondern bewusst an seinem Verhalten zu arbeiten. Die Kombination aus Schleppleinentraining, Orientierungstraining und positiver Verstärkung kann zu einem zuverlässigen Rückruf beitragen und Spaziergänge entspannter und sicherer machen.

Zur Autorin: Katharina Marioth ist IHK und behördlich zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Arbeitsalltag arbeitet sie eng mit Tierärzten, Wissenschaftlern und weiteren Fachleuten rund um das Thema Hund zusammen.

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