Hunde reagieren deutlich empfindlicher auf Hitze als wir Menschen – und genau das unterschätzen viele Halter. Trotzdem möchten sie ihre Vierbeiner auch im Sommer auslasten oder das Training fortsetzen, um keine Rückschritte zu riskieren. Doch ab wann wird Hundetraining bei Hitze kritisch? Und worauf sollten Halter achten? Hundetrainerin Katharina Marioth verrät im Gespräch mit PETBOOK, wann Vorsicht geboten ist und wie das Training auch an warmen Tagen gelingt.
„Wasser ist Pflicht – schon ab 20 Grad“
PETBOOK: Katharina, ab wann ist es im Sommer zu heiß für das Hundetraining? Katharina Marioth: „Das hängt stark vom Alter des Hundes ab. Für Welpen und Senioren finde ich bereits Temperaturen ab 20 bis 22 Grad kritisch. Grundsätzlich gilt: Ab 20 Grad im Schatten sollte man genauer hinschauen, besonders was den Trainingsinhalt betrifft.“
Was sollte ich bei warmem Wetter immer dabei haben? „Wasser ist Pflicht – schon ab 20 Grad. Eine kleine Flasche reicht, etwa Babywasserflaschen, die in jede Tasche passen. Außerdem habe ich im Auto Butterkekse griffbereit – nicht als Snack, sondern als Notfallenergiequelle. Die schmelzen nicht und liefern schnelle Kohlenhydrate.“
Laufen neben dem Fahrrad – bei Hitze tierschutzrelevant
Worauf sollte man beim Untergrund achten? „Nicht nur die Lufttemperatur ist entscheidend – Asphalt kann sich schnell auf 50 bis 60 Grad aufheizen. Mein Tipp: Den Handrücken sieben Sekunden auf den Boden legen. Ist das unangenehm, ist es für Hundepfoten definitiv zu heiß. Solche Temperaturen können zu ernsthaften Brandverletzungen führen.“
Welche Übungen sind bei warmem Wetter überhaupt noch geeignet? „Leichte Tricks wie Slalom durch die Beine oder über einen Baumstamm springen sind gut. Auch Nasenarbeit funktioniert gut. Was ich absolut ablehne, ist das kilometerweite Laufen neben dem Fahrrad – das ist aus meiner Sicht tierschutzrelevant. Sehr sinnvoll bei Hitze sind auch Positionsübungen im Schatten. ‚Platz‘, ‚Bleib‘, kurze Distanzübungen – sie sind geistig fordernd, ohne den Körper zu belasten.“
Viele fahren im Sommer zum Hundetraining an den See. Worauf sollte ich dabei achten? „Ab 20 Grad Wassertemperatur können sich Blaualgen bilden – und die sind für Hunde schon in kleinster Konzentration tödlich. Man sieht oder riecht sie meist nicht. Deshalb bitte immer die aktuellen Wasserqualitäten bei den Landesbehörden prüfen. Zum Thema nasser Hund: Nach dem Schwimmen ist der Körper schon belastet. Weiteres Training kann Kreislaufprobleme verursachen. Besser: gemeinsam ruhige Momente genießen und Bindung stärken.“
Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.
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