12. Juni 2025, 13:32 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Viele Hundehalter melden ihren Vierbeiner in der Hundeschule an – doch das ist nicht bei allen Trainings sinnvoll. Hundetrainerin Katharina Marioth warnt: Bei Aggression, Unsicherheit oder kleinen Kindern im Haushalt kann Gruppenunterricht sogar gefährlich werden. Wann sich Einzeltraining wirklich lohnt – und welche Grenzen sie selbst setzt.
Für viele Hundehalter stellt sich früher oder später die Frage: Soll ich mit meinem Hund in eine Hundeschule gehen oder ist ein Einzeltraining besser geeignet? Hundetrainerin Katharina Marioth gibt im Gespräch mit PETBOOK wichtige Hinweise, woran man das erkennt – und warum nicht jeder Vierbeiner sofort in die Gruppe gehört.
„Ich integriere Hunde mit Aggressionsverhalten gerne in Gruppen“
Zunächst einmal sei es eine sehr individuelle Entscheidung, sagt Marioth. „Ich habe viele Kunden, die kommen seit Jahren ein- bis zweimal pro Woche in den Gruppenunterricht – einfach, weil sie Freude daran haben, mit ihrem Hund zu arbeiten.“ Es müsse also nicht immer ein konkretes Problem vorliegen, um in die Hundeschule zu gehen. Ganz anders sieht es aus, wenn bestimmte Verhaltensauffälligkeiten auftreten: „Sprechen wir über Trennungsangst, starke Unsicherheiten oder Aggressionsverhalten, ist Einzeltraining zu Beginn fast immer sinnvoll.“
Auch beim Thema Gruppentraining mit verhaltensauffälligen Hunden sei Fingerspitzengefühl gefragt. Marioth betont: „Ich integriere Hunde mit Aggressionsverhalten gerne in Gruppen – aber nicht sofort. Ich will mir vorher ein klares Bild vom Hund und seinem Menschen machen.“ Wichtig sei vor allem, dass der Halter bereit ist, die Trainingsanleitungen auch umzusetzen. „Wenn ich sehe, dass da wirklich gearbeitet wird, kann man vieles gemeinsam erreichen.“
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„Das sind für mich klare Fälle fürs Einzeltraining“
Voraussetzung sei jedoch eine passende Gruppenzusammensetzung. Denn wenn alle Hunde in einer Gruppe aggressive Tendenzen zeigen, sei der Lerneffekt gering. „Die Hunde sollen auch an sogenannten ‚guten‘ Hunden lernen, dass Aufregung nicht automatisch eine Reaktion nach sich zieht.“ Als besonders hilfreich hat sich in ihrer Praxis das Mantrailing erwiesen: „Diese Arbeit an der Leine zwingt die Hunde, sich zu fokussieren und die Umwelt auszublenden. Dadurch verringern sich Unsicherheiten und Aggressionen oft deutlich.“
Ein klares Nein gibt es von ihr bei bestimmten Fällen: „Hund-Mensch-Aggression, echte Beißabsicht oder ein Haushalt mit Kindern – das sind für mich klare Fälle fürs Einzeltraining.“ Auch wenn ein Baby erwartet wird, gehöre das Vorbereitungstraining ausschließlich ins Einzelsetting. Bei Welpen empfiehlt sie, lieber gleich in den ersten Monaten in eine solide Einzelbetreuung zu investieren: „Die meisten Menschen geben 3000 Euro oder mehr für einen Welpen aus. Dann sollte man auch bereit sein, in seine Erziehung zu investieren.“
„So etwas toleriere ich nicht“
Doch was passiert, wenn sich jemand nicht an Regeln hält? Auch hier ist Marioth deutlich. „Die Hunde nehme ich fast nie aus der Gruppe – sie zeigen nur, was sie gelernt haben. Aber bei Menschen kann das anders sein.“ Wenn jemand sich nicht in die Gruppe einfügen kann, die Aufmerksamkeit der Trainerin dauerhaft an sich reißt oder sogar andere gefährdet, zieht sie klare Grenzen: „Dann war das der erste und letzte Besuch.“
Ein Erlebnis hat sich ihr dabei besonders eingeprägt: Ein Mann wollte mit einem jungen Weimaraner in ihre Gruppe. Laut E-Mail war das Ziel lediglich, den Hund zu sozialisieren. Bei der Anmeldung schien alles in Ordnung – bis Marioth einen genaueren Blick auf das Halsband warf. „Ich bat ihn, es umzudrehen – und es war ein Stachelhalsband. So etwas toleriere ich nicht. Ich habe ihn sofort rausgeschmissen und Anzeige erstattet.“
Ihr Fazit: Gruppentraining ist wertvoll – aber nicht für jeden Hund und nicht in jeder Situation. Wer frühzeitig gezielt investiert, profitiert langfristig. Und: „Nicht jeder Hund gehört in die Gruppe. Und auch nicht jeder Mensch.“
Das gesamte Interview mit Katharina Marioth sehen Sie im Video.
Zur Expertin
Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.
