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Gibt es unter Hunden eine Rangfolge? Expertin klärt auf

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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

21. November 2025, 6:31 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wenn in einem Haushalt mehr als ein Hund lebt, stellt sich schnell die Frage: Gibt es automatisch eine Rangfolge unter den Hunden oder einen, der das Sagen hat – den sogenannten „Alpha-Hund“? Hundetrainerin Katharina Marioth erklärt im Gespräch mit PETBOOK, dass dieses Bild längst überholt ist.

Status ist kein Machtverhältnis

„Früher dachte man, es gebe in jeder Gruppe von Hunden eine feste Rangfolge mit einem Alphatier an der Spitze“, sagt Katharina Marioth. Heute wisse man jedoch, dass Führungsrollen bei Hunden sehr dynamisch seien. „Wir sprechen im modernen Hundetraining nicht mehr von Rang oder Dominanz, sondern von Status – und der verändert sich ständig.“

Der Status eines Hundes hänge nicht mit Macht oder Unterordnung zusammen, betont Marioth. Häufig gebe es einen älteren Ersthund und einen jüngeren Hund oder Welpen, der neu hinzukommt. „Allein durch den Altersunterschied ergibt sich ein natürlicher Status“, erklärt sie. „Der Welpe ist in vielerlei Hinsicht noch ein Neutrum – charakterlich wie auch sexuell.“ Der erwachsene Hund übernehme in dieser Konstellation oft eine Art Mentorrolle.

Das zeige sich zum Beispiel im Spiel: „Der sozialreife Hund schmeißt sich vor dem Welpen auf den Rücken, macht sich klein – und das ist keine Unterwerfung, sondern Kommunikation“, sagt Marioth. Der Ältere bringe dem Jüngeren so spielerisch bei, wie Beißhemmung, Sozialverhalten oder auch der Umgang mit Erregung funktioniere. Solche Interaktionen hätten nichts mit Dominanz zu tun, sondern mit Lernen und sozialem Miteinander.

Hunde müssen zueinander passen

Wichtig sei zudem, dass die Hunde zueinanderpassen – und zwar nicht nur äußerlich, sondern auch vom Charakter. „Das können wir Menschen von außen oft gar nicht so tief beurteilen“, so Marioth. Sie rät, künftige Rudelmitglieder vor dem Einzug miteinander bekanntzumachen, um zu sehen, ob sie überhaupt miteinander kommunizieren wollen. „Schon in den ersten Minuten erkennt man, ob sich Bindungsverhalten zeigt – etwa, wenn die Hunde nebeneinanderlaufen oder gemeinsam schnüffeln.“

Besonders heikel werde es, wenn ein sehr souveräner Ersthund auf einen extrem unsicheren Hund treffe. „Dann brauche ich einen Ersthund, der wirklich stabil ist und sich von der Angst des anderen nicht anstecken lässt“, erklärt sie. Sei der Ersthund selbst eher labil, könne die Situation kippen – und Trainingsfortschritte gingen verloren. Deshalb sei es wichtig, schon im Vorfeld genau auf die Dynamik zu achten.

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Der Ersthund darf anfangs Priorität haben – aber nicht auf Dauer

Auch im Alltag sollte man die Beziehung der Hunde zueinander bewusst gestalten. „Am Anfang darf der Ersthund ruhig etwas bevorzugt werden – etwa indem er zuerst begrüßt oder gefüttert wird“, sagt Marioth. Das helfe, bestehende Strukturen zu stabilisieren. Gleichzeitig warnt sie davor, starr an dieser Reihenfolge festzuhalten: „Wenn sich herausstellt, dass der Neuankömmling der souveränere Hund ist und die Gruppe das akzeptiert, sollten wir Menschen das respektieren.“ Hunde hätten ein viel besseres Gespür für Status und Dynamik als wir – wer dagegen arbeite, riskiere Konflikte.

Den Status zu erkennen, braucht Erfahrung

Wer selbst wenig Erfahrung mit Mehrhundehaltung hat, sollte sich Unterstützung holen, empfiehlt Marioth. „Menschen, die seit Jahrzehnten mit großen Hundegruppen arbeiten – etwa im Tierschutz, als Dogwalker oder Züchter – entwickeln ein gutes Gespür dafür“, sagt sie.

Für alle anderen lohne es sich, einen Profi bei der Auswahl eines neuen Hundes einzubeziehen. Viele würden sich nach Sympathie oder Aussehen entscheiden, doch das könne trügen. „Da hilft eine objektive Einschätzung: Passt der neue Hund wirklich zur Gruppe, vom Charakter und Energielevel her – und auch zum Rest des Haushalts?“

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Führung bedeutet Souveränität, nicht Kontrolle

Und welche Rolle spielt der Mensch in diesem Gefüge? Viele Halter glauben, sie müssten die Gruppe führen – doch Führung bedeute nicht Kontrolle, betont Marioth. „Führung heißt im Idealfall nicht, dass ich ständig sage, wo’s langgeht, sondern dass ich souverän manage.“ Ein guter Chef – ob im Büro oder im Rudel – stärke die anderen, gleiche Defizite aus und bleibe ruhig.

Je gelassener ein Mensch sei, desto höher sei sein Status in den Augen der Hunde. „Wenn es wirklich ernst wird, wird es leise – das ist auch unter Hunden so“, sagt sie. Lautes, dominantes Auftreten oder körperlicher Druck seien hingegen Zeichen von Unsicherheit.

Videos, in denen Menschen demonstrativ vor ihren Hunden herlaufen, hält Marioth daher für irreführend. „Ob ich oder mein Hund zuerst durch die Tür gehe, hat nichts mit Status zu tun“, stellt sie klar. Entscheidend sei vielmehr, dass der Mensch eine ruhige, verlässliche Führungsperson sei. „Hunde wollen keine Herrschaft – sie wollen Bindung und Sicherheit.“

Fazit

In einer Mehrhundehaltung geht es nicht um Hierarchien, sondern um Beziehung und Dynamik. Status entsteht aus Erfahrung, Charakter und gegenseitigem Vertrauen – nicht aus Dominanz. Wer seine Hunde mit Ruhe und Souveränität führt und auf ihr Zusammenspiel achtet, schafft die besten Voraussetzungen für ein harmonisches Rudel.

Das gesamte Interview mit Hundetrainerin Katharina Marioth sehen Sie im Video.

Zur Expertin

Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.

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