6. Oktober 2026, 6:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Zieht der Hund beim Spaziergang an der Leine, kann der Herbstspaziergang auf nassem Laub schnell zur Rutschpartie werden. PETBOOK-Autorin und Hundetrainerin Katharina Marioth erklärt, warum gerade jetzt Leinentraining wichtig ist und welche einfachen Übungen helfen.
Warum Sie im Herbst besonders Leinenführigkeit trainieren sollten
Feuchtes Laub, Frost und Schnee erhöhen die Rutschgefahr – jeder Ruck an der Leine kann gefährlich werden. In der Dunkelheit sind Hindernisse schwerer zu erkennen, und ein ziehender Hund kann leicht zum Stolpern führen.
Zudem lauern im Herbst und Winter mehr Ablenkungen wie Wildtiere, andere Hunde oder Jogger im Dunkeln. Jetzt zu trainieren, bedeutet Sicherheit – für den Hund und seinen Menschen.
Was Halter im Herbst wirklich brauchen
Nicht nur Ihr Hund braucht das passende Equipment – auch Sie sollten vorbereitet sein, um sicher unterwegs zu sein.
- Rutschfeste Sohlen für Schuhe (z. B. Spikes zum Aufziehen): Verhindern Ausrutscher auf Laub, Eis oder Schnee.
- Stirnlampe oder Taschenlampe: Damit man im Dunkeln Hindernisse sieht – und andere einen sehen.
- Reflektierende Kleidung: Erhöht Ihre Sichtbarkeit für Autofahrer und Radfahrer.
- Handschuhe mit Grip: Schützen vor Kälte und geben besseren Halt an der Leine.
- Bauchtasche oder Leckerli-Beutel: Damit Belohnungen griffbereit sind und man nicht lange fummeln muss.
Die richtige Ausrüstung für Hund und Mensch ist kein Luxus, sondern notwendig, um das Hundetraining sicher durchzuführen.
Leinenführigkeit trainieren: 6 Tipps gegen Ziehen an der Leine
Leinenführigkeit ist keine Strafe, sondern Teamarbeit. Ziel ist nicht, den Hund zu bremsen, sondern Orientierung und Spaß in den gemeinsamen Spaziergang zu bringen.
1. Orientierung am Menschen fördern
Belohnen Sie jeden Blickkontakt und jeden Moment, in dem Ihr Hund freiwillig neben Ihnen läuft.
2. Ruhig starten
Beginnen Sie in reizarmer Umgebung: im Wohnzimmer, im Garten, auf einem Feldweg. Erst wenn die Basis sitzt, geht es an spannendere Orte.
3. Spielerische Elemente einbauen
Leinenlaufen soll kein Drill sein. Am besten macht man kleine Spiele ein: Slalom um Parkpoller, Bäume oder Bänke. So achtet Ihr Hund automatisch mehr auf Sie – und empfindet das Training nicht als langweilig.
4. Start- und Pausen-Signale einführen
Viele Hunde ziehen, weil sie dringend schnüffeln wollen. Helfen Sie Ihrem Hund, indem Sie klare Signale etablieren:
- „Los geht’s“ für konzentriertes Gehen an Ihrer Seite.
- „Schnüffel“ für die Erkundungspause.
So entsteht ein klarer Wechsel zwischen Arbeit und Freizeit. Ihr Hund muss nicht mehr selbst entscheiden – und das Ziehen verschwindet Schritt für Schritt.
5. Belohnen, nicht nur bremsen
Viele Halter reagieren nur auf falsches Verhalten. Doch Hunde lernen am fleißigsten, wenn richtiges Verhalten (lockere Leine, Aufmerksamkeit, ruhiges Gehen) sofort belohnt wird.
6. Kurz und regelmäßig üben
Besser 5 Minuten konzentriertes Training mit Erfolgserlebnis als 60 Minuten Kampf an der Leine – bauen Sie lieber häufiger kleine Einheiten ein.
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Fallbeispiel: Wie Labrador Bernd die Leinenführigkeit lernte
„Bernd“ ist ein typischer junger Labrador. Stark, voller Energie und berüchtigt für seine Zugkraft. Seine Halterin konnte kaum noch entspannt mit ihm hinausgehen, besonders nicht bei Herbstwetter.
Die Probleme waren vielfältig. Bernd zog sofort los, sobald er draußen war. Außerdem riss er seine Halterin fast zu Boden, wenn er eine Wiese oder andere Hunde sah. Dadurch wurden Spaziergänge zum Kraftakt und für beide nicht zur Freude.
Um dagegen zuarbeiten, erhielten die beiden folgenden Trainingsplan:
- Ausrüstung anpassen: ein gut sitzendes Brustgeschirr, ausgestattet mit einem Brustring, damit die Leine beidseitig angebracht werden konnte, statt Halsband, um Druck vom Hals zu nehmen und eine bessere Führbarkeit für Bernds Halterin zu erreichen.
- Orientierung üben: Im Garten: Jeder Blickkontakt, jede freiwillige Annäherung an die Seite wurde belohnt.
- Spiele einbauen: Slalom an Pollern, kleine Richtungswechsel
- Signale etablieren: „Los geht’s“ für lockeres Gehen, „Schnüffel“ für Pausen. So hatte er Klarheit, wann es sich lohnt, sich zurückzunehmen.
- Geduld und Konsequenz: Nach 3 Wochen erste Fortschritte, nach 2 Monaten konnte Bernd selbst an einer Hundewiese locker vorbeilaufen.
Die Halterin von Bernd konnte danach folgendes Fazit ziehen: „Früher hatte ich blaue Flecken und Rückenschmerzen. Jetzt habe ich das Gefühl, Bernd und ich gehen wirklich zusammen spazieren – und nicht gegeneinander.“
Warum sich Leinenführigkeit für Hund und Halter auszahlt
Ziehen an der Leine gehört zu den häufigsten Problemen im Alltag mit Hund. Vor allem in der kalten Jahreszeit kann daraus jedoch schnell eine echte Gefahr werden. Glatte Wege, schlechte Sicht und unerwartete Ablenkungen erhöhen das Risiko für Stürze und Verletzungen.
Wer jetzt mit Leinenführigkeit beginnt, investiert nicht nur in besseres Verhalten, sondern auch in mehr Sicherheit. Mit klaren Signalen, Geduld und regelmäßigen Übungseinheiten werden Spaziergänge für beide Seiten angenehmer und entspannter.