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Hund zieht an der Leine? Warum das im Herbst besonders gefährlich ist

Hund zieht an Leine
Hundetrainerin Katharina Marioth erklärt, warum es jetzt so wichtig ist, die Leinenführigkeit zu trainieren. Foto: Getty Images
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13. Oktober 2025, 6:53 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Der Herbst zeigt sich von seiner schönsten Seite: bunte Wälder, frische Luft, raschelnde Blätter. Doch so idyllisch es klingt – für Hundehalter birgt die Jahreszeit auch Gefahren – besonders dann, wenn der Hund an der Leine zieht. 

Im Sommer mag ein Ziehen an der Leine noch „nur“ lästig sein. Im Herbst und Winter wird es schnell brenzlig: glitschiges Laub, rutschige Bürgersteige, Dunkelheit und vereiste Wege machen jedes Losstürmen zur echten Unfallgefahr. Schon ein mittelgroßer Hund kann seinen Menschen so ins Stolpern oder sogar zu Fall bringen. 

Darum gilt jetzt: Leinenführigkeit ist keine Kür, sondern Pflicht. In diesem Artikel räumen wir mit den 10 verrücktesten Mythen rund um Leinenführigkeit auf, zeigen Ihnen, was wirklich hilft – und wie „Labrador Bernd“ vom Leinen-Chaoten zum entspannten Spaziergänger wurde. 

Die 10 verrücktesten Mythen über Leinenführigkeit 

Mythos 1: „Ein Hund muss nur müde genug sein, dann zieht er nicht.“ 

Ausgelastet heißt nicht erzogen. Selbst nach einem langen Spaziergang kann Ihr Hund ziehen, wenn er nie gelernt hat, wie man locker an der Leine läuft. 

Mythos 2: „Mit einem speziellen Halsband oder Geschirr geht das von allein.“ 

Würgehalsband, Stachelhalsband, Anti-Zug-Geschirre – viele Produkte versprechen schnelle Lösungen. Die Wahrheit: Kein Equipment ersetzt Training. Manche Methoden sind sogar tierschutzrelevant und äußerst schmerzhaft. 

Auch interessant: Hund beim Spiel erdrosselt – so schnell wird das Halsband zur Todesfalle 

Mythos 3: „Ignorieren reicht.“ 

Statt zu ziehen, einfach stehen bleiben? Klingt gut, reicht aber selten. Der Hund versteht nicht automatisch, was er stattdessen tun soll. 

Mythos 4: „Ein kräftiger Ruck zeigt dem Hund, wer der Chef ist.“ 

Leinenrucke sind nicht nur tierschutzwidrig, sie können auch Verletzungen verursachen – vom Schleudertrauma bis zu dauerhaften Nackenproblemen. Vertrauen baust du damit sicher nicht auf. Achte darauf, dass es manchmal heißt: Man setze lediglich einen „Impuls“ mit der Leine – das ist genau das gleiche und ebenso schlimm! 

Mythos 5: „Je kürzer die Leine, desto besser.“ 

Kurze Leinen verstärken den Druck und das Zerren häufig. Der Hund hat keinen Bewegungsfreiraum – und wird dadurch noch frustrierter. Je nach Charakter und Größe des Hundes müssen Halter die Leinenlänge etwas variieren.  

Mythos 6: „Wenn er vorn läuft, will er dominieren.“ 

Überholt – Hunde ziehen nicht, weil sie die Weltherrschaft wollen, sondern weil sie schneller ans Ziel möchten oder Gerüche spannend sind. 

Mythos 7: „Ohne Hunger klappt kein Training.“ 

Futter ist eine gute Belohnung, aber Training basiert nicht auf Mangel, sondern auf Motivation. Manche Hunde arbeiten lieber für Spiel oder ein Lob. 

Mythos 8: „Nur große Hunde ziehen.“ 

Auch kleine Hunde zerren an der Leine – nur merkt man es körperlich weniger. Trotzdem ist Training wichtig, damit der Alltag entspannt bleibt. 

Mythos 9: „Das verwächst sich mit dem Alter.“ 

Nein – im Gegenteil: Je länger der Hund Erfolg mit Ziehen hat, desto stärker verankert sich das Verhalten. 

Mythos 10: „Ziehen gehört halt dazu.“ 

Ziehen ist normal, ja. Aber Hunde können lernen, dass lockeres Gehen mit ihrem Menschen viel lohnender ist. 

Leinenführigkeit im Herbst trainieren

Leinenführigkeit ist keine Strafe, sondern Teamarbeit. Ziel ist nicht, den Hund zu bremsen, sondern Orientierung und Spaß in den gemeinsamen Spaziergang zu bringen. 

1. Orientierung am Menschen fördern 

Belohnen Sie jeden Blickkontakt und jeden Moment, in dem Ihr Hund freiwillig neben Ihnen läuft.

2. Ruhig starten 

Beginne in reizarmer Umgebung: im Wohnzimmer, im Garten, auf einem Feldweg. Erst wenn die Basis sitzt, geht es an spannendere Orte. 

3. Spielerische Elemente einbauen 

Leinenlaufen soll kein Drill sein. Bau kleine Spiele ein: Slalom um Parkpoller, Bäume oder Bänke. So achtet Ihr Hund automatisch mehr auf Sie – und empfindet das Training nicht als langweilig. 

4. Start- und Pausen-Signale einführen 

Viele Hunde ziehen, weil sie dringend schnüffeln wollen. Helfen Sie Ihrem Hund, indem Sie klare Signale etablieren: 

  • „Los geht’s“ für konzentriertes Gehen an Ihrer Seite. 
  • „Schnüffel“ für die Erkundungspause. 

So entsteht ein klarer Wechsel zwischen Arbeit und Freizeit. Ihr Hund muss nicht mehr selbst entscheiden – und das Ziehen verschwindet Schritt für Schritt. 

5. Belohnen, nicht nur bremsen

Viele Halter reagieren nur auf falsches Verhalten. Doch Hunde lernen fleißigsten, wenn richtiges Verhalten (lockere Leine, Aufmerksamkeit, ruhiges Gehen) sofort belohnt wird. 

6. Kurz und regelmäßig üben

Besser 5 Minuten konzentriertes Training mit Erfolgserlebnis als 60 Minuten Kampf an der Leine – bauen Sie lieber häufiger kleine Einheiten ein.

Fallbeispiel: Labrador Bernd 

„Bernd“ ist ein typischer junger Labrador. Stark, voller Energie – und berüchtigt für seine Zugkraft. Seine Halterin konnte kaum noch entspannt mit ihm hinausgehen, besonders nicht bei Herbstwetter. 

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Die Probleme waren vielfältig. Bernd zog sofort los, sobald er draußen war. Außerdem riss er seine Halterin fast zu Boden, wenn er eine Wiese oder andere Hunde sah. Dadurch wurden Spaziergänge zum Kraftakt und für beide nicht zur Freude.

Um dagegen zu arbeiten, erhielten die beiden folgenden Trainingsplan:

  1. Ausrüstung anpassen: Ein gut sitzendes Brustgeschirr, ausgestattet mit einem Brustring, damit die Leine beidseitig angebracht werden konnte, statt Halsband, um Druck vom Hals zu nehmen und eine bessere Führbarkeit für Bernds Frauchen zu erreichen. 
  1. Orientierung üben: Im Garten: Jeder Blickkontakt, jede freiwillige Annäherung an die Seite wurde belohnt. 
  1. Spiele einbauen: Slalom an Pollern, kleine Richtungswechsel – Bernd lernte: Frauchen macht Spaß, nicht nur der Weg nach vorn. 
  1. Signale etablieren: „Los geht’s“ für lockeres Gehen, „Schnüffel“ für Pausen. So hatte er Klarheit, wann es sich lohnt, sich zurückzunehmen. 
  1. Geduld und Konsequenz: Nach 3 Wochen erste Fortschritte, nach 2 Monaten konnte Bernd selbst an einer Hundewiese locker vorbeilaufen. 

Die Halterin von Bernd konnte danach folgendes Fazit ziehen: „Früher hatte ich blaue Flecken und Rückenschmerzen. Jetzt habe ich das Gefühl, Bernd und ich gehen wirklich zusammen spazieren – und nicht gegeneinander.“ 

Warum gerade jetzt trainieren? 

Feuchtes Laub, Frost und Schnee erhöhen die Rutschgefahr – jeder Ruck an der Leine kann gefährlich werden. In der Dunkelheit sind Hindernisse schwerer zu erkennen, und ein ziehender Hund kann leicht zum Stolpern führen.

Zudem lauern im Herbst und Winter mehr Ablenkungen wie Wildtiere, andere Hunde oder Jogger im Dunkeln. Jetzt zu trainieren, bedeutet Sicherheit – für den Hund und seinen Menschen.

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Was Halter im Herbst wirklich brauchen

Nicht nur Ihr Hund braucht das passende Equipment – auch Sie sollten vorbereitet sein, um sicher unterwegs zu sein. 

  • Rutschfeste Sohlen für Schuhe (z. B. Spikes zum Aufziehen): Verhindern Ausrutscher auf Laub, Eis oder Schnee. 
  • Stirnlampe oder Taschenlampe: Damit du im Dunkeln Hindernisse siehst – und andere dich sehen. 
  • Reflektierende Kleidung: Erhöht deine Sichtbarkeit für Autofahrer und Radfahrer. 
  • Handschuhe mit Grip: Schützen vor Kälte und geben besseren Halt an der Leine. 
  • Bauchtasche oder Leckerli-Beutel: Damit Belohnungen griffbereit sind und du nicht lange fummeln musst. 

Die richtige Ausrüstung für Hund und Mensch ist nicht Luxus, sondern notwendig, um das Training sicher durchzuführen. 

Ziehen ist kein Schicksal – jetzt ist der beste Zeitpunkt

Ein Hund, der an der Leine zieht, ist kein Problemhund. Die Mythen über Leinenführigkeit zeigen: Viele alte Methoden schaden mehr, als sie nutzen. 

Herbst und Winter machen das Ziehen jedoch nicht nur anstrengend, sondern richtig gefährlich. Wer jetzt mit Orientierung, klaren Signalen und Spaß beginnt, sorgt für sichere, entspannte Spaziergänge – selbst auf glatten Wegen und in dunklen Nächten. 

Warten Sie nicht, bis Sie den ersten Sturz hinter sich haben. Fangen Sie heute mit 5-Minuten-Training an – Ihr Hund und Ihre Gesundheit werden es Ihnen danken. 

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