16. April 2026, 6:14 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
In Deutschland wurden im Jahr 2024 rund 752 Millionen Euro für Hundesnacks ausgegeben. Auch wenn „Liebe durch den Magen“ geht, gelten in Deutschland inzwischen leider mehr als die Hälfte aller Hunde als übergewichtig. Warum viele Leckerli Hunden eher schaden, welche kalorienarmen Alternativen es gibt und wie man das richtige Verhältnis zwischen Futter und Snacks wieder herstellt, erklärt PETBOOK-Autorin und Ernährungsberaterin für Hunde, Philine Ebert.
Leckerli als gesundheitliches Risiko
Unter Hundesnacks fallen nicht nur Leckerlis, sondern alle Arten von Kauartikeln, Kauknochen, Hundekekse, Hundekuchen oder Spezialsnacks, wie Welpensticks oder Zahnpflegesticks.
Oft werden diese zusätzlichen Snacks unterschätzt. Die wenigsten berechnen sie in den eigentlichen, täglichen Bedarf des Hundes mit ein. Doch eine zu hohe Kalorienzufuhr stellt auf Dauer ein gesundheitliches Risiko dar. Nicht nur Übergewicht, sondern auch daraus resultierende Beschwerden oder Krankheiten können die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes massiv einschränken.
Die Alltagsfalle – wenn Snacks zur Routine werden
Herkömmliche Snacks und Leckerlis sind oft nicht nur ungesund, sondern wahre Kalorienbomben. Diese industriell hoch verarbeiteten Snacks haben die meisten Kalorien, enthalten kaum Nährstoffe, dafür oft Zucker und unnötige Zusatzstoffe.
Werden Leckerlis und Snacks nicht nur zur Belohnung eingesetzt, zum Beispiel im Training, bei Such- und Versteckspielen, zur Beschäftigung oder Ablenkung, sondern einfach nur so zwischendurch und ohne Grund gegeben, schleicht sich irgendwann unbemerkt Routine ein.
Warum Leckerli dem Hund schaden können
Die normale Ration Hauptfutter soll den Hauptanteil an Energie liefern den der Hundeorganismus benötigt. Wenn unzählige Snacks und Leckerlis mit zusätzlichen, teilweise satten Kalorien über den ganzen Tag verteilt hinzukommen, sprengt das in Summe schnell den Tagesbedarf.
Die Kalorien der Leckerlis und zusätzlichen Snacks sollten zwar immer berücksichtigt, in den Tagesbedarf mit eingerechnet und von der Hauptfutterration abgezogen werden, doch leider bedenken das viele Halter nicht. Der hohe Konsum zusätzlicher Leckereien macht sich dann langfristig unweigerlich auf der Waage bemerkbar.
Das passiert, wenn Hunde dauerhaft zu viele Leckerli bekommen
Wenn die Kalorienzufuhr im Gegensatz zum Verbrauch zu hoch ist, merkt man das an Gewichtszunahme, Aktivitätsabfall und einer veränderten Silhouette des Tieres.
Der Bauch wirkt rund, hängt und Fettansammlungen sind deutlich erkennbar. Ein normal gewichtiger Hund hat eine seiner Rasse entsprechende athletische Figur. Der Brustkorb wird nach hinten schmäler. Die Rippen sollten zwar nicht sichtbar, aber gut zu ertasten sein. Im seitlichen Profil zieht sich die Bauchlinie deutlich von vorne nach oben.
Durch eine stetige Gewichtszunahme verändert sich nicht nur das optische Erscheinungsbild. Das Aktivitätslevel sinkt. Das Tier ist nicht mehr so belastbar, wirkt träge oder sogar unsportlich. Dazu verändert sich das Gangbild. Stoffwechselprobleme, Gelenkbeschwerden, Zahnprobleme, Atem- und Herzkreislaufprobleme können langfristig die Folge sein.
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Wie viele Snacks oder Leckerli sind gesund und erlaubt?
Im Allgemeinen sollten Snacks und Leckerli nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Gesamtkalorienzufuhr des Hundes ausmachen. Die restlichen 90 Prozent der Kalorien sollten aus der Hauptmahlzeit, also einem ausgewogenen und gesunden Futter bestehen.
Beispiel: Verhältnis Futter zu Snack:
- Ein erwachsener Hund mit 15 kg Körpergewicht benötigt bei normaler Aktivität durchschnittlich ca. 900 Kalorien täglich.
- Dieser Bedarf sollte zu 90 % durch Futter abgedeckt werden.
- Wenn der Anteil an Snacks nur 10 % betragen soll, sind das gerade mal 90 Kalorien.
Dies ist auch immer abhängig von Konstitution, Größe, Alter, Aktivität, Gesundheitszustand und Rasse des Hundes.
Der genaue Kalorienbedarf eines Hundes kann individuell berechnet werden. Dazu sollte man sich fachkundige Unterstützung suchen. Der Tierarzt oder ein zertifizierter Ernährungsberater für Hunde können einen Futterplan erstellen und die richtige Mengenverteilung von Futter und Snacks berechnen.
Wie kommen Hund und Halter aus der Snackfalle wieder heraus?
Zunächst kann man sich als Halter an den Angaben auf der Verpackung von Hundesnacks orientieren. Hier gibt der Hersteller immer eine Fütterungsempfehlung an, die sich nach Größe oder Gewicht des Hundes richtet. Die empfohlene, tägliche Verzehrmenge sollte nicht überschritten werden.
Ein Snack-Tagebuch über ein oder zwei Wochen hinweg zu führen, gibt schnell Aufschluss darüber, wann welcher Snack zu viel oder überflüssig ist. Ziel ist es, wieder bewusst darauf zu achten, in welchen Situationen oder wann der Hund etwas zusätzlich bekommt. Leckerlis sollten grundsätzlich nur noch zum Training oder zur Belohnung eingesetzt werden, dann wenn auch etwas geleistet wurde.
Auf kalorienarme Alternativen setzen
Die Tagesration an Belohnungen lässt sich dauerhaft reduzieren und herkömmliche Leckerlis können entweder durch kalorienarme Alternativen oder auch durch einen Teil der Futterration Trockenfutter ersetzt werden. Größere Snacks zur Beschäftigung sollte der Hund bestenfalls mit einem besonderen Ereignis oder einer positiven Situation verbinden, etwa als Beschäftigung im Restaurant.
Es muss auch nicht immer ein ganzer Snack oder eine ganze Kaustange sein. Viele Kauartikel lassen sich auch einfach teilen.
Gesunde Tiere mit guten Zähnen sind noch länger beschäftigt, wenn man ihnen harte Kauprodukte wie Schweineohren oder Ochsenziemer gibt. Längeren Spaß und Beschäftigung erreicht man auch durch den Einsatz von Schleckmatten, gefüllte Beschäftigungsspielzeuge, gefrorene Obststücke, Eiswürfel mit Joghurt oder Obst und verstecktes Futter in Schnüffelteppichen oder Snackspielzeugen.
Kauhölzer, Kauwurzeln und Kaugeweihe sind eine kalorienfreie Beschäftigung, gut für die Zahnpflege. Sie garantieren ein langes Kauvergnügen.
Gesunde Alternativen zu herkömmlichen Leckerli und Snacks
Viele Lebensmittel eignen sich hervorragend als Ersatz für herkömmliche, gekaufte Snack-Produkte oder Leckerlis. Sie haben nicht nur
wesentlich weniger Kalorien, sondern sind auch wahre Superfoods und damit eine gesunde Bereicherung zum normalen Futter.
Beispiele:
- Gemüsestücke z.B. Karotten, Gurke, Kürbis
- Obst z.B. Beeren, Apfelstücke, Banane, Blaubeeren, Erdbeeren
- Gedörrtes, getrocknetes oder gefriergetrocknetes reines Fleisch, ohne Zusätze
- getrocknete Kaninchen-, Schweine- oder Rinderohren, Kopfhaut oder andere harte Kausnacks, die lange beschäftigen
- selbst gebackene Leckerli oder Kekse aus natürlichen, kalorienarmen Zutaten
Kaloriengehalt gängiger Snacks (Achtung, teilweise hoher Fettanteil):
- Rinderhautknochen: 190 g = ca. 700 kcal
- getrocknete Rinderlunge: 300-400 kcal/100 g
- getrocknete Rinderohren: ca.300 kcal
- Ochsenziemer: 65 g ca. 280 kcal
- Cheddar Käsewürfel: 60 g = ca. 250 kcal
- Schweineohr 1 Stück: ca. 65g = ca. 200-300 kcal
- getrockneter Pansen: 25 g = ca. 200 kcal
- Kaurolle mit Hühnchen umwickelt: 375 kcal/100g
- Luftgetrocknete Hähnchenfiletstreifen: 300 kcal/100 g
Kausnacks für Hunde – natürlich ist nicht immer besser
Welche Leckerlis sind für den Hund gesund?
Snacks und Leckereien mit weniger Kalorien (Fruchtzuckergehalt beachten!):
Obst und Gemüse eignet sich optimal als ganzes Stück (ganze Möhre zum Knabbern), frisch, getrocknet oder gefroren (im Sommer), als Leckerli in kleinen Würfeln oder Stückchen für unterwegs. Auch wenn es sich um sehr gesunde Snacks mit wenig Kalorien handelt, sollte man die Menge langsam steigern, um Magen-Darm-Problemen vorzubeugen. Wenn ein Hund diese Lebensmittel nicht gewohnt ist, braucht es etwas Zeit, bis sich der Organismus daran gewöhnt hat.
- Apfel: ca. 55 kcal
- Möhren: 40 kcal
- Blaubeeren: 40-60 kcal
- Wassermelone: 30-40 kcal
- Kürbis: ca. 25 kcal
- Gurke: 15 kcal
Mein Fazit: Weniger ist mehr!
Snacks oder Belohnungen werden mit der Zeit schnell selbstverständlich. Irgendwann verliert man die Kontrolle und den Überblick. Meine Empfehlung lautet daher: Weniger ist mehr!
Stecken Sie schon mitten in der Alltags-Snack-Falle, reduzieren und ersetzen Sie die gewohnten Leckereien durch kalorienarme Alternativen, die neu und somit wahnsinnig interessant sind. Lassen Sie größere Snacks wie Kaustangen wieder zu etwas Besonderen werden. Etwa als gezielte Belohnung für eine außergewöhnliche Leistung. Mit ein bisschen Konsequenz und Kreativität lernt Ihr Hund zusätzliche Snacks schnell wieder zu schätzen. Und mit ausreichend Bewegung purzeln die Pfunde dann auch wieder von ganz alleine.