4. Februar 2026, 13:40 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ist mein Hund nur kräftig gebaut – oder bereits übergewichtig? Diese Frage stellen sich viele Halter, oft ohne eine klare Antwort zu finden. Denn das tatsächliche Gewicht sagt wenig über den Gesundheitszustand eines Hundes aus. Ein einfacher Tasttest kann hier deutlich mehr verraten als jede Waage. Wie der sogenannte Knöcheltest funktioniert und warum er ein hilfreiches Werkzeug für Hundehalter ist, erklärt PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider.
Warum viele das Übergewicht beim Hund nicht sehen
„Der ist halt ein bisschen kräftiger gebaut.“ Solche Sätze fallen schnell, wenn es um das Gewicht des eigenen Hundes geht. Tatsächlich haben viele Halter Schwierigkeiten einzuschätzen, ob ihr Tier zu dick ist. Fachleute sprechen von einer Art „Gewichtsblindheit“. Der Grund: Übergewicht bei Hunden ist heute so verbreitet, dass es für viele zum neuen Normal geworden ist. Ein schlanker Hund wirkt plötzlich „zu dünn“, während ein rundlicher Körper als gesund wahrgenommen wird.1
Hinzu kommt ein emotionaler Faktor. Futter ist für uns Menschen ein Ausdruck von Zuneigung. Leckerli bedeuten Aufmerksamkeit, Nähe und Belohnung. Dass diese gut gemeinte Fürsorge langfristig gesundheitliche Folgen haben kann, ist den meisten nicht bewusst.
Warum Gewicht allein nichts aussagt
Ob ein Hund übergewichtig ist, lässt sich nicht zuverlässig an der Zahl auf der Waage erkennen. Größe, Knochenbau und Muskelmasse unterscheiden sich stark zwischen den Hunderassen. Ein muskulöser Hund kann bei gleichem Gewicht deutlich gesünder sein als ein weniger aktiver Artgenosse.
Deshalb arbeiten Tierärzte mit dem sogenannten Body Condition Score (BCS). Dabei wird nicht nur geschaut, sondern vor allem gefühlt: Wie gut sind Rippen, Wirbelsäule und Becken tastbar? Wie sieht die Körperform von oben und von der Seite aus? Genau hier setzt auch ein einfacher Test an, den Hundehalter selbst zu Hause durchführen können.2
Einfacher Test verrät, ob Ihr Hund zu dick ist
Der sogenannte Knöcheltest ist eine leicht verständliche Methode, um das Körperfett eines Hundes grob einzuschätzen. Alles, was Sie dafür brauchen, sind Ihre Hände.
So gehen Sie vor:
- Streichen Sie mit leichtem Druck über den Brustkorb Ihres Hundes. Die Rippen sollten gut tastbar sein.
- Machen Sie eine Faust und fahren Sie mit der anderen Hand über Ihre Knöchel.
Fühlen sich die Rippen Ihres Hundes ähnlich hart und deutlich an, ist er eher zu dünn. - Öffnen Sie die Hand und tasten Sie die Knöchel auf der Oberseite der flach liegenden Hand. Entspricht dieses Gefühl den Rippen Ihres Hundes, hat er in der Regel Idealgewicht.
- Drehen Sie die Hand um und streichen Sie über die Handballen.
Fühlen sich die Rippen Ihres Hundes genauso weich und gepolstert an, deutet das auf Übergewicht hin.
Kurz gesagt: Rippen sollten fühlbar sein – aber nicht hervorstehen und nicht unter einer dicken Fettschicht verschwinden.
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Sonstige Anzeichen für Übergewicht bei Hunden
Neben dem Tasttest gibt es weitere Hinweise, die ernst genommen werden sollten:
- Von oben betrachtet fehlt die typische Taille hinter dem Rippenbogen.
- Von der Seite wirkt der Bauch eher hängend als nach oben gezogen.
- Der Hund ist schneller außer Atem oder zeigt weniger Bewegungsfreude.
- Aufstehen, Springen oder Treppensteigen fallen zunehmend schwer.
- Fettpolster sind an Hals, Rücken oder am Rutenansatz tastbar.
Übergewicht ist dabei kein rein „mechanisches“ Problem. Fettgewebe ist hormonell aktiv und fördert chronische Entzündungen im Körper. Diese erhöhen unter anderem das Risiko für Gelenkerkrankungen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Probleme – und können die Lebenserwartung deutlich verkürzen.
Was tun bei Übergewicht?
Der wichtigste Schritt ist, das Problem zu erkennen – ohne Schuldzuweisungen. Übergewicht entsteht meist schleichend und lässt sich ebenso schrittweise wieder reduzieren.
Sinnvoll ist es, gemeinsam mit dem Tierarzt einen realistischen Plan zu erstellen. Dazu gehören angepasste Futterportionen, eine hochwertige Zusammensetzung des Futters und regelmäßige Bewegung. Auch Leckerlis sollten dabei mitgerechnet werden. Hilfreiche Tipps zur Gewichtsreduktion beim Hund haben wir in diesem PETBOOK-Artikel für Sie zusammengestellt.
Hilfreich ist es, Gewicht und Körperzustand regelmäßig zu überprüfen – zum Beispiel mit dem Knöcheltest. Studien zeigen, dass Hunde mit einem schlanken Körperzustand länger leben und seltener chronische Erkrankungen entwickeln.
Übergewicht anzusprechen bedeutet nicht, seinem Hund etwas wegzunehmen. Im Gegenteil: Es ist eine Form von Fürsorge – für mehr Lebensqualität, Beweglichkeit und gemeinsame Zeit.