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Können uns Hunde um Hilfe bitten? Das sagt eine Hundetrainerin

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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

24. April 2026, 6:13 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Viele Hundehalter kennen solche Situationen: Der Ball liegt unter dem Sofa, das Leckerli ist außer Reichweite – und plötzlich schaut der Hund sein Frauchen oder Herrchen erwartungsvoll an. Doch können Hunde wirklich gezielt um Hilfe bitten? Und woran erkennt man, ob sie Unterstützung brauchen oder einfach nur Aufmerksamkeit wollen? PETBOOK sprach mit Hundetrainerin Katharina Marioth darüber, wie Hunde Hilfe einfordern – im Training, im Alltag und sogar bei Schmerzen.

Hunde fordern bereits im Training Hilfe ein

Für Hundetrainerin Katharina Marioth steht ganz klar fest: Ja, Hunde können um Hilfe bitten. Besonders gut lasse sich dieses Verhalten im Training beobachten, etwa beim Dummy-Training oder in der Nasenarbeit. Hier könne man leicht testen, wie hartnäckig ein Hund an einer Aufgabe dranbleibt – und wann er den Punkt erreicht, an dem er Hilfe einfordert.

Spannend werde es laut Marioth vor allem dann, wenn man die Übung in die „dritte Dimension“ verlagert. Während Suchobjekte meist am Boden versteckt werden, könne man sie auch einmal erhöht platzieren, etwa in einer Astgabel, sodass der Hund selbst nicht mehr herankommt.

Woran Sie erkennen, dass Ihr Hund um Hilfe bittet

Viele Hunde versuchten zunächst, das Problem eigenständig zu lösen, indem sie hochsprangen oder am Baum kratzten. Doch irgendwann zeigten sie deutlich, dass sie Unterstützung bräuchten. Einige Tiere entwickeln dabei ein sogenanntes Anzeigeverhalten: Sie setzen sich hin, schauen ihren Menschen an, bellen oder wenden sich bewusst zu ihm. Das signalisiere klar: „Ich habe das Ziel gefunden, komme aber nicht dran – hilf mir.“ Andere Hunde wiederum verharren einfach vor dem Objekt, legen sich hin und beobachten es – oft mit einem erwartungsvollen Blick in Richtung ihres Menschen.

Solche Situationen kennt man auch aus dem Alltag. Rutscht etwa ein Spielzeug unter den Schrank, versuchen viele Hunde zunächst, es selbst hervorzuholen. Gelingt das nicht, warten sie ab und richten ihren Blick auf den Menschen – in der Erwartung, dass dieser eingreift. Auch in sozialen Kontexten bitten Hunde um Unterstützung, erklärt Marioth.

Manche kommen aktiv auf ihre Bezugsperson zu, stupsen sie an oder führen sie sogar zu einer Stelle, an der „etwas los ist“, etwa wenn es Konflikte mit anderen Hunden oder Unruhe im Haushalt gibt. In stressigen Situationen, beispielsweise bei unangenehmen Hundebegegnungen, suchen viele Hunde gezielt die Nähe ihres Menschen, setzen sich neben ihn oder stellen sich zwischen seine Beine – ein klares Signal dafür, dass sie sich Unterstützung wünschen.

In diesen Situationen bitten Hunde um Hilfe

Doch nicht nur bei Aufgaben oder sozialen Herausforderungen zeigen Hunde Hilfebedarf. Auch bei körperlichen Beschwerden machen sie oft auf sich aufmerksam. Bei Verletzungen an der Pfote komme es laut Marioth häufig vor, dass Hunde aktiv ihre Pfote präsentieren, quasi nach dem Motto: „Schau mal hier.“ Gerade nach Streusalz oder Split auf den Straßen sei dieses Verhalten häufig zu beobachten.

Auch andere Schmerzen können Hunde anzeigen, indem sie ihrem Menschen gezielt bestimmte Körperstellen zuwenden. Manche drehen beispielsweise die Hüfte hin, um zu signalisieren, dass dort etwas zwickt. Bei Bauchschmerzen wiederum legen sich einige Hunde bewusst auf die Seite, weil sie gelernt haben, dass ihnen sanfte Berührungen dort guttun.

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Achtung! Hunde sind Meister der Manipulation

Solche Signale zu erkennen und ernst zu nehmen, ist entscheidend. Gleichzeitig gibt es jedoch auch eine Kehrseite: Hunde sind sehr lernfähig und können schnell verstehen, wie sie Aufmerksamkeit bekommen. Marioth berichtet von einem Hund, der gelernt hatte, dass er bei einer vermeintlichen Pfotenverletzung besonders viel Zuwendung erhielt. Der Vierbeiner begann schließlich, ohne tatsächlichen Befund zu humpeln – einfach, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Deshalb sei es wichtig, bei auffälligem Verhalten zunächst immer auszuschließen, dass tatsächlich Schmerzen oder Verletzungen vorliegen. Gerade bei Pfoten sollte man genauer hinschauen, etwa auf mögliche Fremdkörper wie Grannen, die schnell Probleme verursachen können.

Was ist, wenn Hunde nie um Hilfe bitten?

Neben diesem „Vortäuschen“ von Hilfebedarf gibt es laut Marioth aber auch das Gegenteil: Hunde, die gelernt haben, dass ihr Mensch jede Herausforderung für sie löst, entwickeln mitunter eine Art erlernte Hilflosigkeit. Sie bieten dann gar keine eigenen Lösungsansätze mehr an, weil sie sich darauf verlassen, dass der Mensch ohnehin eingreift.

Umso wichtiger ist es, eine gesunde Balance zu finden. Hunde sollten Unterstützung bekommen, wenn sie sie wirklich brauchen – etwa wenn sie an ein Objekt nicht herankommen oder sich in einer Situation überfordert fühlen.

Gleichzeitig sei es sinnvoll, ihnen im Training auch Zeit zu geben, selbst nach Lösungen zu suchen, anstatt sofort einzugreifen. Letztlich gehe es darum, genau hinzuschauen und abzuwägen: Handelt es sich um ein echtes Hilfesignal oder hat der Hund gelernt, dass er sich Aufgaben ersparen kann? Der gesunde Menschenverstand spiele dabei eine entscheidende Rolle, so Marioth.

Das gesamte Interview mit Hundetrainerin Katharina Marioth zu dem Thema sehen Sie im Video.

Zur Expertin

Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.

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