19. März 2026, 14:48 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Viele Menschen – mit oder ohne eigenen Hund – kennen das Gefühl: Ein großer, vermeintlich „gefährlich“ aussehender, Hund kommt ihnen entgegen und sofort entsteht Unsicherheit. Wie man sich am besten verhält, wenn man einem Hund begegnet, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth im Gespräch mit PETBOOK.
Der Mensch als „Sozialpuffer“
Grundsätzlich, so Marioth, ließen sich viele unangenehme Begegnungen vermeiden – vor allem durch rücksichtsvolles Verhalten der Hundehalter. Idealerweise werde der Hund auf die abgewandte Seite genommen, sodass der Mensch als „Sozialpuffer“ dazwischensteht und signalisiert: Die Situation wird wahrgenommen. Für Menschen ohne Hund bleibe dennoch oft eine Herausforderung – insbesondere dann, wenn Angst im Spiel ist.
Blick möglichst abwenden
Ein häufiger Fehler sei, den Hund anzustarren. Für Marioth erstmal verständlich: „Das ist wie mit einer Spinne an der Wand, die man nicht aus den Augen lassen will.“ Für den Hund bedeute dieser Blickkontakt jedoch bereits eine Form der Ansprache: „Du guckst mich an – wollen wir uns beschäftigen?“
Gerade junge Hunde könnten daraufhin aktiv auf den Menschen zugehen. Ihr wichtigster Rat lautet daher, den Blick möglichst abzuwenden. Auch wenn das zunächst ungewohnt sei, könne man so dem Hund signalisieren, dass kein Interesse an Kontakt besteht.
Abwenden oder leichten Bogen laufen
Wird der Weg enger, empfiehlt die Hundetrainerin, sich bewusst ein Stück aus der Situation herauszunehmen. Man könne dem Hund die Seite oder sogar den Rücken zuwenden. „Dann müsste es schon ein sehr übergriffiger Hund und ein sehr unempathischer Halter sein“, damit es dennoch zu einer Annäherung komme, sagt Marioth.
Auch beim Joggen oder Radfahren lohnt sich ein angepasstes Verhalten. Wer frontal auf einen Hund zuläuft, sollte einen leichten Bogen andeuten. „Das müssen keine zwei Meter sein“, betont sie, „sondern wirklich nur eine kleine Einbiegung.“ Für den Hund wirke das wie eine freundliche Annäherung und schaffe gleichzeitig etwas Abstand.
Kommt man von hinten, sei es sinnvoll, auf der Seite des Halters vorbeizugehen und nicht auf der Seite des Hundes. Kurz das Tempo zu reduzieren und dann zügig zu passieren, könne ebenfalls helfen. Vom Rufen oder plötzlichen Ansprechen rät Marioth eher ab: In hektischen Situationen könne das sowohl Hund als auch Halter erschrecken.
Wer Angst hat, sollte keinen Kontakt zum Hund aufnehmen
Besonders aufmerksam sollte man sein, wenn ein Hund ohne Leine unterwegs ist. In solchen Fällen könne es helfen, stehen zu bleiben, die Hand zu heben und klar zu signalisieren, dass man keinen Kontakt wünsche. Reagiere der Halter nicht, sei es sinnvoll, sich aus der Situation zu entfernen und Abstand herzustellen. Entscheidend bleibe jedoch auch hier: „Das Allerwichtigste ist tatsächlich: kein Blickkontakt zum Hund.“
Grundsätzlich gelte: Wer Angst hat, sollte keinen Kontakt zum Hund aufnehmen. „Das ist ja nicht förderlich“, so Marioth. Gleichzeitig betont sie, dass sich Ängste oft gut abbauen lassen. Häufig fehle schlicht das Wissen über die Körpersprache von Hunden – etwas, das sich gezielt trainieren lasse.
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Einen Meter Abstand halten
Auch beim Joggen im Park, wenn ein Hund frei läuft und man sich von hinten nähert, komme es auf ein angemessenes Maß an Abstand an. Ein gewisser persönlicher Raum sei ohnehin angenehm: „Wenn man so 80 Zentimeter bis einen Meter Abstand hält, ist das für die meisten Hunde im städtischen Umfeld völlig okay“, sagt Marioth. Andernfalls gäbe es deutlich mehr Zwischenfälle.
Wenn Unsicherheit besteht, dürfe man Hundehalter jederzeit ansprechen. Wichtig sei ein ruhiger, freundlicher Ton. Bitten wie „Könnten Sie Ihren Hund bitte kurz rannehmen?“ oder der Hinweis „Ich habe Angst“ seien völlig legitim. Dabei solle der Fokus auf dem Halter liegen, nicht auf dem Hund.
Klare Grenzen setzen
Kommt es dennoch dazu, dass ein Hund auf einen zurennt, rät Marioth zu einer klaren Reaktion: stehen bleiben, sich umdrehen und deutlich „Hey!“ sagen – begleitet von einer entsprechenden Körpersprache nach vorn. Körperkontakt mit dem Hund sollte man dabei vermeiden. Anschließend sei es sinnvoll, sich wieder leicht aus der Situation herauszunehmen und abzuwarten. So setze man eine klare Grenze – und mache zugleich auch den Halter auf die Situation aufmerksam.
Das gesamte Interview mit Hundetrainerin Katharina Marioth zu dem Thema sehen Sie im Video.
Zur Expertin
Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.