16. September 2026, 9:28 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Hunde werden meist schon als Welpen von ihrer Mutter und ihren Geschwistern getrennt. Manche begegnen sich später bei einem Wurftreffen wieder, andere sehen sich jahrelang oder sogar nie wieder. Doch würden sie einander nach so langer Zeit noch erkennen? Hundeexpertin Katharina Marioth erklärt im Gespräch mit PETBOOK, woran Hunde ihre Familie erkennen können und was die Wissenschaft über ihr Erinnerungsvermögen weiß.
Erkennen Hunde ihre Mütter auch nach Jahren der Trennung wieder?
Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns zuerst den Geruchssinn der Hunde ansehen. Dieser gilt nämlich als Schlüssel zur Wiedererkennung. So besitzen Hunde zwischen 200 und 300 Millionen Geruchsrezeptoren, während der Mensch lediglich etwa fünf Millionen aufweist. Diese enorme Differenz erklärt, warum Hunde theoretisch in der Lage sind, individuelle Gerüche über Jahre hinweg zu speichern und wiederzuerkennen. 1
„Es gibt ein sogenanntes Geruchsgedächtnis – das ist wissenschaftlich gesichert“, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth im Gespräch mit PETBOOK. „Hunde erkennen Tiere wieder, die sie früher kannten, aber nicht unbedingt mit der emotionalen Tiefe, wie wir Menschen das erwarten würden.“
Eine Studie von Dr. Peter G. Hepper an der Queen’s University Belfast aus dem Jahr 1994 untersuchte, ob Hunde ihre Mutter und Geschwister zwei Jahre nach der Trennung wiedererkennen können. Die Ergebnisse zeigten, dass einige Hunde ihre Mutter anhand des Geruchs wiedererkennen konnten. Optik und Akustik spielen hingegen kaum eine Rolle. Während das Wiedererkennen der Muttertiere für viele ein leichtes war, fiel die Erkennung der Wurfgeschwister weniger zuverlässig aus. 2
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„Eine Trennung vor der achten Woche ist eine Katastrophe“
Eine weitere Untersuchung ergab, dass Hunde, die mindestens fünf Wochen mit ihren Geschwistern zusammenlebten, eine höhere Wahrscheinlichkeit hatten, sie auch nach Jahren wiederzuerkennen. Allerdings sei es mehr als problematisch, Welpen vor der achten Woche von ihrer Mutter zu trennen, mahnt Marioth.
„Eine Trennung vor der achten Woche ist eine Katastrophe – das sollte unbedingt vermieden werden. Danach geht es um Stabilität: Ein sicherer Schlafplatz, regelmäßiges Futter, Ruhe, Schutz, Kontakt zu Menschen – das sind die Grundbedürfnisse eines Welpen.“
Doch nicht nur das: Die Dauer, die Welpen mit ihrer Mutter und den Geschwistern verbringen, beeinflusst die Stärke der olfaktorischen Prägung. Welpen, die mindestens acht Wochen bei ihrer Mutter bleiben, entwickeln eine stärkere Bindung und allgemein ein nachhaltigeres Geruchsgedächtnis. Allerdings verblasst die Erinnerung an Geschwister schneller, insbesondere wenn die Trennung früh erfolgt und kein weiterer Kontakt besteht.
So beschreibt eine Hundetrainerin Wiederbegegnungen von Wurfgeschwistern
Doch wie Beobachtungen zeigen, gibt es durchaus Hinweise darauf, dass einige Hunde auch Jahre später ihre Angehörigen wiedererkennen. Denn bei Wiederbegegnungen zeigen einige Hunde spezifische Verhaltensweisen, die auf eine Wiedererkennung hindeuten könnten. Dazu gehören intensives Beschnüffeln, Schwanzwedeln und ein insgesamt aufgeregtes Verhalten. Doch so ganz konnte die Ausgangsfrage nach dem Wiedererkennen bisher nicht beantwortet werden.
„Die meisten Hunde reagieren recht neutral“, beschreibt Hundetrainerin Katharina Marioth ihre Beobachtungen von späteren Begegnungen von Hunden mit ihren Müttern und Geschwistern. „Eine Mutter wird manchmal kurz begrüßt und beschwichtigt. Geschwister hingegen nur dann beachtet, wenn es eine besondere frühere Bindung gab. Hunde leben im Hier und Jetzt – sie sind stark auf uns Menschen ausgerichtet, nicht auf ihre Artgenossen.“