14. Mai 2026, 12:07 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Viele werdende Mütter fragen sich: Merkt mein Hund eigentlich, dass ich schwanger bin – vielleicht sogar vor mir selbst? Tatsächlich zeigen viele Vierbeiner schon früh Veränderungen im Verhalten. Woran das liegt, wie Hunde eine Schwangerschaft wahrnehmen und wann Halter aufmerksam werden sollten, erklärt Hundetrainerin Katharina Marioth im Gespräch mit PETBOOK.
Hunde hören den „zweiten“ Herzschlag
Viele Hunde zeigen bereits Anzeichen, noch bevor die Frau überhaupt weiß, dass sie schwanger ist, so Hundetrainerin Katharina Marioth. Der Grund dafür liegt vor allem in den körperlichen Veränderungen. Hunde nehmen feinste Unterschiede wahr, insbesondere im Hormonhaushalt.
Hinzu kommt, dass mit der Entwicklung des Embryos ein weiterer Herzschlag entsteht. Für die sensiblen Tiere ist das deutlich spürbar. Laut Marioth handelt es sich dabei um ein Zusammenspiel aus Geruch, hormonellen Veränderungen und körperlichen Signalen wie dem Herzschlag.
Ob ein Hund diese Veränderungen früh erkennt, hängt allerdings weniger vom Geschlecht ab als vielmehr von seinen individuellen Fähigkeiten. Eine besonders gut ausgeprägte Nase kann dazu führen, dass ein Hund früher reagiert, während kurzschnäuzige Rassen Veränderungen mitunter später wahrnehmen.
Von Nestbau bis Kuschelmonster – so reagieren Hunde auf Schwangerschaft
Wie Hunde auf eine Schwangerschaft reagieren, ist sehr unterschiedlich. Manche Tiere werden auffallend anhänglich und suchen verstärkt die Nähe ihrer Halterin. „Es gibt Hunde, die kommen auf einmal an und legen den Kopf in den Schoß – genau so, wie man es sich im Bilderbuch vorstellt“, beschreibt Marioth.
Andere Hunde wirken eher verunsichert: Sie werden nervöser oder unruhiger, weil sie die Veränderungen nicht einordnen können. Besonders sensible Rassen reagieren laut Marioth häufig stärker auf solche hormonellen Veränderungen. Es kann aber auch vorkommen, dass Hündinnen beginnen, ein Nest zu bauen, während Rüden mitunter einen stärkeren Beschützerinstinkt entwickeln und gegenüber Fremden skeptischer werden.
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Hund wusste es vor der Halterin
Dass Hunde sogar Hinweise auf eine Schwangerschaft geben können, bevor diese medizinisch bestätigt ist, zeigt ein Fall aus Marioths Praxis. Eine Halterin kam mit ihrem Boxermischling ins Training, weil sich dessen Verhalten plötzlich stark verändert hatte. Der Hund war ungewöhnlich anhänglich, wich seiner Besitzerin nicht mehr von der Seite und legte ständig den Kopf in ihren Schoß. „Das Verhalten kam so plötzlich, dass wir irgendwann gefragt haben, ob sie vielleicht schwanger sein könnte“, erinnert sich Marioth. Die Vermutung bestätigte sich wenig später.
Im weiteren Verlauf entschieden sich Trainerin und Halterin zunächst fürs Abwarten. Sie wollten beobachten, ob sich das Verhalten verstärkt oder wieder legt. Hintergrund war die Überlegung, dass eine zunehmende Anhänglichkeit problematisch werden könnte, etwa wenn später Unterstützung durch andere Personen nötig wäre.
Nach einigen Wochen, etwa um die zwölfte Schwangerschaftswoche herum, normalisierte sich das Verhalten jedoch wieder. „Nach einer gewissen Eingewöhnung war der Hund wieder ganz der Alte“, so Marioth.
Dieses Verhalten wird in der Schwangerschaft zum Problem
Grundsätzlich gilt: Nicht jede Verhaltensänderung ist problematisch. Dennoch sollten Halterinnen aufmerksam bleiben. Besonders dann, wenn ein Hund beginnt, den Partner auf Distanz zu halten oder sich stark beschützend verhält, ist Vorsicht geboten. Auch anhaltende Unruhe, ausgeprägtes Hüteverhalten oder sogar Aggression sind Signale, die ernst genommen werden sollten. In solchen Fällen empfiehlt Marioth, frühzeitig Unterstützung zu holen.
Gleichzeitig sieht sie in der Schwangerschaft eine gute Gelegenheit, um gemeinsam mit dem Hund zu arbeiten und sich auf die Zeit mit Baby vorzubereiten. Oft seien keine langfristigen Trainingsmaßnahmen nötig, sondern gezielte Anpassungen im Alltag ausreichend. Entscheidend sei, sowohl die eigenen Veränderungen als auch die Bedürfnisse des Hundes im Blick zu behalten, um für beide ein möglichst stabiles Umfeld zu schaffen.
Das gesamte Interview mit Hundetrainerin Katharina Marioth sehen Sie im Video.
Zur Expertin
Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.