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Hunde reagieren unterschiedlich auf menschliche Angst

trauriges Kind wird von Hund angeguckt
Woran liegt es, dass Hunde bemerken, wenn wir Angst haben? Eine Studie liefert Erkenntnisse. Foto: Getty Images
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Werkstudentin

26. September 2025, 15:07 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Hunde sind nicht umsonst bekanntlich „der beste Freund des Menschen“. Oft haben Hundehalter das Gefühl, ihre Hunde verstehen sie blind. Besonders in Angstsituationen scheinen einige Hunde besonders auf ihren Menschen zu achten, wie eine Studie zeigt. Sie reagieren sogar unterschiedlich auf menschliche Angst. PETBOOK berichtet, was dahintersteckt.

Hunde reagieren auf Angstgeruch unterschiedlich

Hunde gelten als feinfühlige Begleiter – sie spüren, wenn es uns schlecht geht. Besonders intensiv zeigt sich das bei Angst: Ein Gefühl, das nicht nur uns lähmen kann – sondern auch Hunde beeinflusst. Doch wie genau nehmen Hunde menschliche Angst wahr und wie reagieren sie?

Frühere Studien zeigten bereits, dass Hunde auf Angst bei ihren Menschen reagieren. Dabei suchten sie vermehrt Nähe und Schutz bei ihren Haltern. Darüber hinaus wurden auch erhöhte Herzfrequenzen festgestellt. Die Studie weist allerdings eine Lücke auf: Ob die Hunde auf den Geruch des Angstschweißes reagierten oder auf die Mimik und Gestiken ihres Menschen, wurde nicht entschlüsselt.

An diesem Punkt knüpft die Studie des Instituts für Ethologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien an. Die Forscherinnen Svenja Capitain, Friederike Range und Sarah Marshall-Pescini zielten darauf ab, erstmals auszuschließen, dass Hunde nicht auf die Körpersprache der Menschen oder deren unbewusste Reaktion reagieren, sondern ausschließlich auf den Geruch selbst. Die Ergebnisse sind erstaunlich und verändern die Sicht auf die emotionale Wahrnehmung der Hunde. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Frontiers“ veröffentlicht.1

61 Hunde schnüffelten

Untersucht wurde, wie Hunde auf Angst-Chemosignale im menschlichen Schweiß reagieren – also auf bestimmte Duftstoffe, die der Mensch selbst nicht bewusst wahrnimmt. Die Forschergruppe legte dafür 61 Hunden zwei verschiedene Geruchsproben vor. Die Hunde wurden vorher in eine Kontrollgruppe und eine Versuchsgruppe aufgeteilt: Eine bekam zwei neutrale Proben, während die zweite Gruppe eine Neutral- und Angstgeruchproben bekam.

Die Proben kamen von zwei fremden Frauen und wurden unter kontrollierten Bedingungen durch das Tragen von Achselkompressen während Filmvorführungen gewonnen. Für die neutralen Geruchsproben wurde ein Naturfilm gezeigt, wobei für die Angstproben Horrorszenen gezeigt wurden.

Die Hunde waren darauf trainiert, sich auf Kommando einem Zielobjekt zu nähern. Der Test lief im Freien ab (Clever Dog Lab, Hundeschule oder Zuhause), um Störeinflüsse zu minimieren.

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Wie Hunde auf Angst reagieren

Die Versuchsgruppen der Hunde zeigten deutliche Verhaltensunterschiede zur Kontrollgruppe. Sie hielten sich öfter in der Nähe der Versuchspersonen auf, hatten vermehrt eine niedrige Schwanzhaltung und benötigten meistens länger, sich dem Geruchsziel zu nähern.

In der Kontrollgruppe war die Wahl der Gerüche gleich. Bei der Versuchsgruppe sah das ganz anders aus. Einige Hunde näherten sich dem Angstgeruch recht schnell, andere wiederum zögerten eher. Die Anzahl der benötigten Kommandos und die Reaktionszeiten unterschied sich deutlich zwischen den einzelnen Hunden. Dabei hatten Alter und Geschlecht darauf keinen Einfluss. Bemerkenswert: Zehn Hunde in der Versuchsgruppe brachen den Test vollständig ab – in der Kontrollgruppe war es nur einer.

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Sind Hunde empathisch?

Die Studie weist damit nach, dass Hunde direkt auf den menschlichen Angstgeruch reagieren. – unabhängig von Mimik oder Körpersprache. Diese Erkenntnis könnte eine Handreiche für die Annahme sein, dass Hunde Emotionen über Gerüche erkennen und darauf unbewusst reagieren.

Aus den individuellen Unterschieden der Reaktionen leiteten die Forscher ab, dass manche Hunde eher dazu tendieren, Angst zu meiden, andere zieht es eher an. Diese Beobachtung hinterfragt damit die Hypothese, Hunde würden genetisch dazu veranlagt sein, Angstgeruch zu meiden. Die Forscher gehen davon aus, dass Lebenserfahrung, Erziehung, Training oder Rassenzugehörigkeit Einfluss auf die jeweilige Reaktion haben könnten.

Eine Einschränkung der Studie ist allerdings, dass die Mimik und Gesten des Hundes nicht analysiert worden sind.

Fazit

Das feine Gespür unserer Vierbeiner sollte nicht unterschätzt werden. Wer ihre Reaktionen richtig einordnet, kann gezielter auf ihr Verhalten eingehen – etwa im Training, in der Verhaltenstherapie oder bei der Auswahl von Therapie- und Assistenzhunden.

Quellen

  1. Capitain S, Range F, Marshall-Pescini S (2025): Not just avoidance: dogs show subtle individual differences in reacting to human fear chemosignals. Frontiers in Veterinary Science, 12:1679991. doi: 10.3389/fvets.2025.1679991. ↩︎

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