29. Januar 2026, 11:38 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Viele Hundehalter kennen die Situation: Der Hund setzt sich auf den Fuß oder lehnt sich eng an – und sofort kommt die Frage auf, ob dahinter Dominanz oder Kontrollverhalten steckt. Gerade in sozialen Netzwerken kursieren dazu viele Mythen. PETBOOK sprach mit Hundetrainerin Katharina Marioth darüber, wann Hunde Nähe suchen, warum das oft ein Zeichen von Sicherheit ist – und in welchen Fällen Halter genauer hinschauen sollten.
Viele Hunde haben eine „seitliche Orientierung“
Ein Hund, der sich auf die Füße seines Menschen setzt? Vor allem in sozialen Netzwerken wird dieses Verhalten häufig als sogenannte „T-Stellung“ interpretiert. Hundetrainerin Katharina Marioth rät jedoch dringend dazu, genauer hinzuschauen. „Wenn es so einfach wäre, wäre alles total schön – ist es aber nicht“, sagt sie. Denn das Verhalten könne ganz unterschiedliche Ursachen haben.
Ein möglicher Grund liege im Training. Hunde, die viel im Sport oder im formellen „Bei Fuß“ gearbeitet haben, seien häufig stark auf die linke Körperseite ihres Menschen konditioniert. „Sie orientieren sich am linken Bein oder Fuß und legen manchmal ganz unauffällig eine Pfote an, um genau den richtigen Moment zum Loslaufen zu haben“, erklärt Marioth. In diesem Fall handle es sich um eine erlernte Hilfestellung – eine sogenannte seitliche Orientierung – und keinesfalls um ein Kontrollverhalten.
Der Mensch als sicherer Hafen
Doch auch außerhalb des Trainings gibt es harmlose Erklärungen. Manche Hunde setzen sich schlicht aus Bequemlichkeit oder wegen der Kälte auf die Füße ihres Menschen. Besonders kurzhaarige Rassen nutzen die warmen Fußspitzen gern.
Häufig steckt dahinter aber auch ein Bedürfnis nach Nähe und Sicherheit. Im Idealfall empfindet der Hund seinen Menschen als sicheren Hafen und sucht bewusst Körperkontakt. Das sehe man besonders häufig bei unsicheren Hunden oder bei Tierschutzhunden, so Marioth. Sie drehen sich sanft ein, lehnen sich an oder legen eine Pfote auf den Fuß – körpersprachlich klar zu unterscheiden von dem, was oft als klassische T-Stellung bezeichnet wird.
Ist es wirklich Kontrolle? Auf Körpersprache achten
Diese werde laut Marioth im Alltag deutlich seltener gezeigt, als Social Media vermuten lässt. „Pauschal davon auszugehen, dass der Hund kontrollieren möchte, nur weil er Nähe sucht oder eine Pfote auf dem Fuß landet, ist einfach nicht richtig“, betont sie.
Entscheidend sei die Körpersprache. Bei einer echten T-Stellung zeige der Hund eine ganz andere Körperspannung: eine aufgerichtete Brust, eine ruhige, sehr präsente Haltung und mitunter sogar eine Drohfixierung aus dem sogenannten Side-Eye. „Das ist eine ganz klare, beeindruckende Präsenz im Hund“, erklärt die Trainerin.
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Ganz anders sehe es bei einer Anlehnung aus. Hier seien die Ohransätze weich nach hinten gerichtet, bei Schlappohren locker hängend und keinesfalls streng angelegt. Der Gesichtsausdruck wirke entspannt, oft mit leicht geöffnetem Fang. Auch die Bewegung des Schwanzes sei ruhig und unaufgeregt.
Je nach Rasse falle dieses Näheverhalten unterschiedlich aus: Schäferhundartige Hunde, Doggen oder große Schweizer rücken oft sehr dicht heran und schmiegen sich regelrecht an. Kleinere Hunde wie Bolonkas hingegen kringeln sich eher ein oder setzen sich direkt auf die Füße – weil es angenehm ist oder weil der Mensch von Anfang an als sicherer Ort erlebt wurde.
Sollte ich es unterbinden, wenn der Hund auf meinem Fuß sitzt?
Grundsätzlich sei es völlig in Ordnung, wenn Hunde diese Nähe suchen. „Bestärken heißt für mich: Ich sehe die Situation, der Hund sucht Nähe, und ich akzeptiere das“, sagt Marioth. Ruhiges, seitliches Streicheln werde von vielen Hunden als angenehm empfunden. Problematisch werde es jedoch, wenn Menschen Unsicherheit unbewusst verstärken – etwa durch übertriebenes Bedauern nach dem Motto: „Mein armes Mäuschen, es ist doch gar nichts los.“
Klarer Handlungsbedarf bestehe dann, wenn der Hund aus dieser Nähe heraus anfängt zu verteidigen – sei es den Menschen, einen Futterbeutel oder sogar den Raum. In solchen Momenten empfiehlt Marioth, ruhig aus der Situation herauszugehen und Abstand zu schaffen. „Der Hund darf mir folgen, aber ich vermeide es, das Fehlverhalten aus Versehen zu bestärken“, erklärt sie.
Ihr Fazit: Nähe, Anlehnung und das Bedürfnis nach Sicherheit sind völlig normal und dürfen zugelassen werden. Sobald daraus jedoch ein verteidigendes oder aggressives Verhalten entsteht, braucht es eine klare, ruhige Reaktion – und vor allem ein genaues Lesen der Körpersprache des Hundes.
Das gesamte Interview mit Hundetrainerin Katharina Marioth sehen Sie im Video.
Zur Autorin
Katharina Marioth ist Gründerin der Marke Stadthundetraining und des KEML-Prinzips. Sie ist IHK- und behördlich-zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensgutachterin für gefährliche Hunde des Landes Berlin. In ihrem Daily Business arbeitet sie eng mit Veterinären, Wissenschaftlern und anderen Spezialisten zum Thema Hund zusammen. Mit Ihrem Wissen und Können konnte sie sich in der Sat.1-Sendung „Der Hundetrainer-Champion“ den Titel der Hundetrainerin des Jahres 2023 sichern.