20. Oktober 2025, 16:48 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Seit über 15 Jahren engagiert sich ZDF-Moderatorin Dunja Hayali als Schirmherrin für VITA Assistenzhunde e. V., einen Verein, der Menschen mit Beeinträchtigung durch speziell ausgebildete Hunde neue Lebenswege eröffnet. Auf dem Charity-Dinner zum 25. Jubiläum erzählte Hayali im Gespräch mit PETBOOK, warum diese Verbindung „mit nichts zu bezahlen“ ist und was wir Menschen von unseren vierbeinigen Gefährten lernen können.
PETBOOK: Frau Hayali, Sie unterstützen VITA Assistenzhunde e. V. schon seit vielen Jahren. Erinnern Sie sich an einen besonderen Moment, der Ihnen gezeigt hat, wie tief die Verbindung zwischen Mensch und Assistenzhund sein kann?
Dunja Hayali: „Es gibt viele solcher Momente. Eine Erfahrung und Veränderung steht aber stellvertretend für fast alle Vita-Teams. Fast alle haben die Erfahrung gemacht, nicht Teil der Gesellschaft zu sein, ausgegrenzt zu werden – aufgrund der physischen oder psychischen Einschränkungen. Diese Barriere löst sich oftmals durch den Begleithund auf. Die Scham, die Barriere im Kopf, das ‚durch einen Menschen hindurchgucken‘, fällt weg, weil der Hund die Brücke baut.
Wer also glaubt, die Hunde öffnen nur wortwörtlich Türen, täuscht sich und unterschätzt den unbezahlbaren Mehrwert der Gefährten. Das Leben ist für viele hier, insbesondere ja Kinder, wieder lebenswert. Und wenn man dann sieht, wie jemand durch den Hund plötzlich aufblüht, ist das einfach unglaublich. Unglaublich schön. Frida beispielsweise, die als Kind schwer spastisch war, kaum reden konnte, und jetzt hier sitzt und Reden hält. Das ist fast unfassbar.“
„Golden Retriever sind einfach mein Typ Hund“
Wenn man sich die Hund-Mensch-Teams von Vita e. V. ansieht, fällt auf, dass viele der Hunde Golden Retriever sind. Auch Sie haben einen – ganz bewusst?
„Irgendwie haben mich diese Hunde von klein auf immer wieder durchs Leben begleitet. Als Kind habe ich etwa den Golden Retriever der Nachbarn ausgeführt und mir ein bisschen Geld dazu verdient. Damals wusste ich natürlich nicht, dass ein Golden Retriever ein Rassehund ist. Als ich mich dann entschieden hatte, dass mich einer dauerhaft begleiten soll, war klar, was es für einer werden soll. Ich bin einfach keine Retterin, leider. Ich feiere jeden, der das macht.
Aber ich wäre damit aus vielen Gründen überfordert. Zu ungeduldig, manchmal auch zu jähzornig. Ich würde dem Hund nicht gerecht werden. Und dann wäre keiner glücklich – weder der Hund noch ich. Man sollte sich wirklich gut überlegen, wer zu einem passt und was man wirklich leisten kann. Ich versuche mein, sagen wir, etwas schlechtes Gewissen damit auszugleichen, dass ich für den Tierschutz spende und mich für Vita als Schirmherrin engagiere. So kann ich auf meine Weise helfen.“
„Hunde sind kein Spielzeug, das man in die Ecke werfen kann“
Sie haben einen sehr fordernden Beruf. Wie schaffen Sie es, Beruf und Hundehaltung unter einen Hut zu bringen – und was raten Sie anderen, die sich trotz vollem Kalender einen Hund wünschen?
„Wenn man sich entscheidet, sein Leben mit einem Hund zu teilen, muss einem klar sein: Der zieht nicht aus. Der macht keine Ausbildung, der studiert nicht, der bleibt. Du bist verantwortlich – immer. Liebe ist wichtig, klar. Aber sie reicht nicht. Du brauchst Zeit, du brauchst Geld. Der Hund kostet in der Anschaffung, beim Tierarzt, beim Futter – und wenn du, so wie ich, beruflich viel unterwegs bist, brauchst du auch jemanden, der sich kümmert, wenn du weg bist.
Klar habe ich auch Freunde, die das ab und an gerne machen, aber ich brauche zudem eine verlässliche und vertrauensvolle Stelle, wo Wilma immer hin kann. Und die habe ich glücklicherweise. Und auch die kostet. Ich lasse Wilma natürlich auch mal ein paar Stunden allein, aber das war es dann auch. Wer sich einen Begleiter ins Haus holt, sollte ihn auch so sehen – und nicht zu oft oder zu lang alleinlassen. Hunde sind kein Spielzeug, das man in die Ecke werfen kann und immer dann herausholt, wenn es einem gerade passt.“
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„Wilma ist einfach alles“
Was bedeutet Ihnen Ihr jetziger Hund Wilma – und wie unterscheidet sie sich von Ihrer früheren Hündin Emma?
„Wilma ist irgendwie alles. Gefährtin, Spaßvogel, Seelentrösterin. Sie ist sehr sensibel und feinfühlig. Wenn’s mir mal nicht so gut geht, merkt sie das sofort – manchmal, bevor ich’s selbst merke. Dann kommt sie, legt den Kopf auf meinen Schoß. Dann atme ich meist tief durch und das hilft schon mal ein bisschen. Und obwohl sie ein Friedensprojekt ist, weiß ich, dass sie mich gegen alles und alle verteidigen würde. Das Schönste ist allerdings, dass sie mich nicht oberflächlich bewertet. Ein Hund sieht dich, wie du bist. Hinzu kommt noch die bedingungslose Liebe, insbesondere weil sie weiß, dass ich der Schlüssel zum Kühlschrank bin (lacht).“
„Weniger Ego, mehr Liebe“
Was könnten wir als Gesellschaft von Hunden lernen?
„Ganz klar: weniger Ego, mehr Empathie, mehr Liebe, Anstand und manchmal auch Abstand. Hunde urteilen nicht, sie nehmen dich so, wie du bist. Wenn wir Menschen nur ein bisschen davon übernehmen würden, dann wäre vieles einfacher – und schöner.“
