20. März 2026, 16:46 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Sie gelten als familienfreundlich, leicht erziehbar und ideal für Einsteiger – sogenannte „Designerhunde“ wie Cockapoo oder Labradoodle erleben seit Jahren einen Boom. Doch halten diese beliebten Kreuzungen wirklich, was ihr Ruf verspricht? Eine große britische Studie stellt genau das infrage – und zeigt, dass viele dieser Hunde häufiger problematisches Verhalten zeigen als ihre reinrassigen Vorfahren. PETBOOK sprach auch mit Hundetrainerin Katharina Marioth darüber, was sie dazu aus ihrem Arbeitsalltag berichten kann.
Doodles und Poos – doch nicht so toll, wie alle dachten?
Designerhunde – gezielte Kreuzungen aus zwei oder mehr Rassehunden – sind in den letzten Jahren stark in Mode gekommen. Besonders Pudel-Mischlinge, die dann entsprechende Namensneuschöpfungen wie Labradoodle oder Cockerpoo erhalten, gelten als „Allrounder“: freundlich, intelligent, kinderlieb und leicht trainierbar. Diese Annahmen beeinflussen die Kaufentscheidung vieler Halter maßgeblich. Gleichzeitig gibt es bislang nur wenige wissenschaftliche Daten, die diese Erwartungen tatsächlich belegen.
Gina T. Bryson und Kollegen am Royal Veterinary College (Großbritannien) wollten daher klären, ob diese beliebten Kreuzungen tatsächlich die erhofften positiven Eigenschaften vereinen – oder ob es deutliche Unterschiede zu den Ausgangsrassen gibt. Dabei standen auch mögliche Risiken im Fokus, etwa für das Zusammenleben mit Kindern oder die langfristige Bindung zwischen Mensch und Hund. Sie wurde am 19. März 2026 in der Fachzeitschrift „PLOS One“ veröffentlicht.
Ziel war es, typische Verhaltensprobleme bei drei beliebten Pudel-Mischlingen – Cockapoo, Labradoodle und Cavapoo – systematisch mit denen ihrer Ursprungsrassen zu vergleichen. Grundlage bildeten Daten von 9402 Hunden aus einer umfangreichen Online-Befragung britischer Halter. Erfasst wurden Verhaltensmerkmale mithilfe eines standardisierten wissenschaftlichen Fragebogens (C-BARQ), der verschiedene Aspekte wie Angst, Aggression, Trennungsprobleme, Erregbarkeit oder Trainierbarkeit bewertet.
Was die Daten ergeben
Eingeschlossen wurden Hunde, die maximal fünf Jahre alt waren und bereits als Welpen (mit höchstens 16 Wochen) ins neue Zuhause kamen. Insgesamt wurden Daten von 9402 Hunden ausgewertet, darunter:
- 3424 Designer-Kreuzungen (Cockapoo, Labradoodle, Cavapoo)
- 5978 reinrassige Vergleichshunde (z. B. Labrador Retriever, Cocker Spaniel, Pudel)
Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Erfahrung der Halter oder Gesundheitsprobleme wurden berücksichtigt. Die Studie wurde ethisch geprüft und von den Teilnehmern freiwillig ausgefüllt.
Die Ergebnisse fallen deutlich aus: Designerhunde zeigten insgesamt häufiger unerwünschtes Verhalten als ihre Ursprungsrassen. Über alle Vergleiche hinweg zeigte sich:
- In 44,4 Prozent der Fälle zeigten Designerhunde mehr problematisches Verhalten als Rassehunde
- In nur 9,7 Prozent weniger
- In 45,8 Prozent gab es keine Unterschiede
Dazu zählten unter anderem stärkere Angst vor Umweltreizen (Geräuschen oder neuen Situationen), mehr Trennungsprobleme (Jaulen oder Zerstörungsdrang bei Alleinsein) sowie eine höhere Erregbarkeit (übermäßige Aufregung bei Besuch oder Spaziergängen). Besonders auffällig:
- Cockapoos schnitten am schlechtesten ab: In 16 von 24 Vergleichen zeigten sie mehr unerwünschtes Verhalten – in allen Fällen schlechter als beide Elternrassen.
- Cavapoos waren in elf von zwölf relevanten Vergleichen auffälliger als ihre Ursprungsrassen.
- Labradoodles zeigten ein gemischtes Bild: In fünf Bereichen problematischer, in sechs Bereichen jedoch unauffälliger als die Elternrassen.
Auch aggressives Verhalten gegenüber Menschen oder anderen Hunden trat bei bestimmten Kreuzungen häufiger auf, insbesondere beim Cockapoo.
Das „Beste“ zweier Rassen?
Frühere Untersuchungen zu Mischlingen allgemein deuteten bereits darauf hin, dass Designerhunde teils häufiger unerwünschte Verhaltensweisen zeigen als Rassehunde. Gleichzeitig wird aber noch immer oft vermutet, dass Kreuzungen ein „Mittel“ zwischen den Elternrassen darstellen – also weder besonders problematisch noch besonders unauffällig sind.
Die Studie stellt diese verbreitete Annahme über Designerhunde weiter infrage. Statt eines „besten aus beiden Welten“ zeigen viele dieser Kreuzungen häufiger Verhaltensprobleme. Insbesondere in Bereichen, die für den Alltag entscheidend sind.
Hundetrainerin bestätigt Studienergebnisse
Ähnliches berichtet PETBOOK auch Hundetrainerin Katharina Marioth: „Gerade bei sogenannten Designer Dogs wie Cockapoos, Cavapoos oder Labradoodles sehe ich überdurchschnittlich häufig Themen wie erhöhte Erregbarkeit, damit einhergehendes Aggressionsverhalten, Unsicherheiten, geringe Frustrationstoleranz oder Probleme im Alleinbleiben“, sagt sie.
Spannend ist für Marioth auch, dass die Studie das sehr konkret untermauert: „Cockapoos zeigen beispielsweise häufiger unerwünschtes Verhalten wie Halter- und fremdgerichtete Aggression, stärkere Rivalität mit anderen Hunden, Ängste gegenüber Umweltreizen wie Verkehr oder neuen Objekten sowie Trennungsstress und eine erhöhte Reizbarkeit. Genau diese Themen sind auch die klassischen Baustellen, mit denen Halter dann im Training bei uns landen.“
Optik und Nachfrage gehen bei Designer Dogs vor
Auf die Frage, warum sich dieses Bild bei Doodles und Poos zeigt, sagt Marioth PETBOOK weiter: „Ein wesentlicher Faktor ist die fehlende oder zumindest sehr uneinheitliche Zuchtkontrolle. Während es bei vielen etablierten Rassezuchten klare Standards, Gesundheitsprüfungen und – ganz entscheidend – eine gezielte Selektion nach Wesen gibt, fehlt genau das bei Designer Dogs häufig.“
Verpaart werde oft nach Optik und Nachfrage, nicht nach charakterlicher Stabilität oder Passung der Elterntiere. Gleichzeitig würden diese Hunde zu sehr hohen Preisen verkauft – was bei vielen Haltern eine gewisse Sorglos-Erwartung erzeuge, so Marioth weiter.
„Hinzu kommt die genetische Komplexität: Wenn man beispielsweise zwei arbeitsfreudige und teils jagdlich motivierte Rassen wie Cocker Spaniel und Pudel kombiniert, addieren sich Eigenschaften wie Sensibilität, Erregbarkeit und Aktivitätsniveau häufig eher, als dass sie sich ausgleichen. Beim Cocker Spaniel kommen zudem bekannte Linien mit erhöhter nervlicher Sensibilität oder genetischen Vorbelastungen hinzu.“
Ähnliches gelte für Kombinationen wie Pudel und Labrador Retriever: Beide seien hochintelligent, arbeitsfreudig und menschenbezogen – aber eben auch anspruchsvoll in Haltung und Auslastung. Ohne klare Führung und passende Förderung kippe das schnell in Überforderung, Frust oder unerwünschtes Verhalten, weiß Marioth zu berichten.
„Teuer ist nicht gleich gut gezüchtet“
Und genau hier liegt laut der Hundetrainerin ein zentraler Punkt: „Teuer ist nicht gleich gut gezüchtet. Ein hoher Preis ersetzt keine sorgfältige Auswahl der Elterntiere, keine fundierte Zuchtstrategie und vor allem keine Selektion auf stabile, alltagstaugliche Charaktere.“
Wenn diese Faktoren fehlten, steige die Wahrscheinlichkeit für genau die Verhaltensprobleme, die sie aktuell so häufig beobachte. Es sei jedoch wichtig, dass wie immer gelte: „Jeder Hund ist anders und trotz Rasse individuell zu betrachten – und egal was der Züchter oder Verkäufer verspricht: Jeder Hund braucht individuelles Training und Betrachtung.“
Thema muss weiter erforscht werden
Für die Forschung bedeutet die Studie: Designerhunde können nicht pauschal bewertet werden. Jede Kreuzung hat offenbar ein eigenes Verhaltensprofil, die oft angenommene „Mittelwert-Theorie“ (Verhalten liegt zwischen den Eltern) konnte hier nicht bestätigt werden.
Zudem weisen die Ergebnisse auf mögliche Tierschutz- und Sicherheitsaspekte hin. Verhaltensprobleme wie Angst oder Aggression können das Wohlbefinden der Tiere beeinträchtigen und das Risiko für Zwischenfälle erhöhen, etwa Hundebisse.
Auch für das Mensch-Hund-Verhältnis sind die Ergebnisse relevant: Wenn Erwartungen an einen „pflegeleichten Familienhund“ nicht erfüllt werden, kann dies zu Frustration, Überforderung und im schlimmsten Fall zur Abgabe des Tieres führen.
Vor- und Nachteile von Designer Dogs
Diese Hunderassen neigen laut Studie mehr zu Durchfallerkrankungen
Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen
Die Studie überzeugt durch ihre große Stichprobe (9402 Hunde) und die Nutzung eines etablierten Verhaltensfragebogens. Dennoch gibt es Einschränkungen. Die Daten basieren ausschließlich auf Angaben der Halter. Diese können subjektiv sein und von Erfahrung, Wissen oder Erwartungen beeinflusst werden. Zwar wurden statistische Korrekturen vorgenommen, doch Verzerrungen lassen sich nicht vollständig ausschließen.
Auch die Rekrutierung über Online-Plattformen und soziale Medien könnte zu einer nicht vollständig repräsentativen Stichprobe geführt haben. Beispielsweise könnten besonders engagierte oder problemgeplagte Halter eher teilgenommen haben. Ein weiterer Aspekt ist der Einfluss von Umweltfaktoren: Designerhunde wurden häufiger von Erstbesitzern gehalten und lebten öfter in Haushalten mit Kindern. Solche Faktoren können Verhalten ebenfalls beeinflussen.
Schließlich wurden auch alle Pudeltypen (Toy, Miniatur, Standard) zusammengefasst, obwohl sie sich möglicherweise im Verhalten unterscheiden. Zudem beziehen sich die Ergebnisse nur auf Pudel-Kreuzungen und sind nicht automatisch auf andere Designerhunde übertragbar.
Fazit
Die Studie zeigt klar: Beliebte Designerhunde wie Cockapoo oder Cavapoo sind nicht automatisch unkomplizierter oder „besser“ im Verhalten als ihre reinrassigen Vorfahren. Im Gegenteil – viele zeigen häufiger Angst, Erregbarkeit oder andere problematische Verhaltensweisen. Für zukünftige Halter bedeutet das: Eine fundierte Recherche vor dem Kauf ist entscheidend – und sollte mit realistischen Erwartungen verknüpft sein. Auch Kreuzungen benötigen konsequente Erziehung und Beschäftigung. 1