23. August 2025, 15:51 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten
Wer mit der Aquaristik beginnen möchte, muss sich entscheiden, ob es ein Süß- oder Salzwasseraquarium werden soll – und welche Bewohner einziehen sollen. PETBOOK erklärt die Unterschiede zwischen den verschiedenen Aquarienarten und worauf man achten sollte.
Überblick
- Welche verschiedenen Formen von Aquarien gibt es?
- Unterschiede bei Wasserwerten, Aufbau und Temperatur
- Sind Salzwasseraquarien teurer als Süßwasseraquarien?
- Was braucht man für die Grundausstattung der verschiedenen Aquarien?
- Kann man ein Aquarium von Süß- auf Salzwasser umstellen?
- Dauert es länger, ein Salzwasseraquarium einzurichten als ein Süßwasseraquarium?
- Süß- oder Salzwasseraquarium: Welches ist für Anfänger geeignet?
- Quellen
Welche verschiedenen Formen von Aquarien gibt es?
Manche lieben seine bunten Farben, manche die Ruhe, die es ausstrahlt. Keine Frage – ein Aquarium verleiht einer Wohnung oft das gewisse Etwas. Doch bis es die eigenen vier Wände ziert, sind einige Überlegungen im Vorfeld nötig. Die wichtigste: Welches darf es denn sein?
Zur Wahl stehen Süß- und Salzwasseraquarien (auch als Meerwasseraquarien bekannt) mit jeweils unterschiedlichen Kosten und Besonderheiten bei Ausstattung und Pflege. Doch hier enden die Unterschiede nicht. Denn auch bei Süßwasser gibt es noch Besonderheiten. Und was ist eigentlich Brackwasser? Die verschiedenen Möglichkeiten im klaren Überblick.
Süßwasseraquarien
Süßwasseraquarien sind wohl ohne Zweifel die beliebtesten Varianten mit bekannten Bewohnern wie Guppy, Platy oder Molly. Hier wird aber auch zwischen tropischen und Kaltwasser-Varianten unterschieden. Letztere zählen ebenfalls zu den am häufigsten vorkommenden Aquarien, u. a. weil diese beliebte Arten wie Goldfische beherbergen und mit weniger Technik auskommen. Viele heimische Kaltwasserfische wie Bitterlinge, Sitchlinge oder Moderlieschen kann man darüber hinaus auch in einem Gartenteich halten.
Salzwasseraquarien
Salzwasseraquarien werden auch als Meerwasser- oder Riffaquarien bezeichnet, da sie dem natürlichen Lebensraum der Meeresbewohner nachempfunden sind. Diese sind häufig besonders farbenprächtig und beheimaten Doktorfische, Clownfische und Korallen. Die meisten Meerwasseraquarien sind tropische Becken, da die meisten Riffbewohner hohe Temperaturen benötigen. Allerdings gibt es auch Kaltwasser-Varianten, in denen Seepferdchen, Garnelen, sowie Fische aus Nord- und Ostsee gehalten werden. Beide Varianten benötigen einiges an Technik und Wissen.
Brackwasseraquarien
Bei dieser Variante handelt es sich um eine Mischform aus Süß- und Salzwasserbecken, an die sich in erster Linie besonders erfahrene Aquarianer herantrauen. Das Wasser ist hier meist weniger salzhaltig als beim klassischen Meerwasser, um Lebensräume der Mangroven, Flussdeltas und anderen Mündungen nachzubilden. Zumeist handelt es sich hierbei um tropische Aquarien, in denen sich Kugelfische, Schützenfische oder Kärpflinge wohlfühlen.
Gesellschafts-, Art- und Biotopaquarien
In der Aquaristik begegnet man noch vielen weiteren Begriffen, die bei der Entscheidung für Süß- oder Salzwasser ziemlich verwirren können. Generell unterscheidet man zwischen Aquarien, in denen verschiedene Fischarten in Gesellschaft gehalten werden, und solchen, in denen man sich auf eine Art spezialisiert. Das Art-Aquarium ist tatsächlich eher ein Phänomen bei Süßwasserbecken, Meerwasserbecken sind eher nach dem Vorbild eines Riffs mit einem komplexen Zusammenspiel zwischen verschiedenen Arten aufgebaut.
Ferner gibt es auch das Biotop-Aquarium, in dem sich nur Pflanzen und Fische finden, die auch in der Natur denselben Lebensraum nutzen würden – was vor allem bei naturnahen Kaltwasserbecken mit heimischen Süßwasserfischen ein Trend ist.
Ein weiterer Aquarientrend ist das Nanoaquarium, das ebenfalls meist Süßwasserbewohner beheimatet oder als Salzwasser-Aquagarten genutzt wird. Allerdings eignet sich dieses Mikrobecken in der Regel nicht für Fischbesatz, sondern eher für bunte Garnelen aus Süß- oder Salzwasser. 1
Unterschiede bei Wasserwerten, Aufbau und Temperatur
Süß- und Salzwasseraquarien unterscheiden sich darüber hinaus noch in drei Punkten: dem pH-Wert, der Temperatur und dem Aufbau.
pH-Wert
Wer eine bestimmte Fischart halten möchte, muss für diese die entsprechende Lebensumgebung schaffen. In Aquarien wird diese auch am pH-Wert, also saurem oder basischem Milieu, festgemacht.
Im Meerwasseraquarium bewegt sich der pH-Wert im leicht basischen Bereich – meist zwischen 7,8 und 8,4 pH. Größere Schwankungen dieses Wertes bekommen den Bewohnern nicht. Allerdings kann man bei stabilen Wasserwerten fast jeden Riffbewohner in das Becken einsetzen.
Einige Süßwasserfische dagegen haben eine höhere Toleranz gegenüber Schwankungen im pH-Wert, daher können die Werte im entsprechenden Aquarium zwischen 5 und 9 pH liegen. Allerdings gibt es auch viele Süßwasserfische, die Schwankungen im pH-Wert nicht verkraften und konstant gute Wasserqualität benötigen. Süßwasser ist also nicht gleich Süßwasser und man muss sich immer informieren, welche Arten gute Beckennachbarn sein könnten. 2
Temperatur
Wie schon besprochen, kommt es immer auch auf die Temperatur im Becken an. Die meisten Süß- sowie Salzwasserbecken benötigen eine höhere Temperatur als Raumtemperatur. Als Faustregel kann man sich ca. 24 bis 26 Grad Wassertemperatur merken.
Bei Kaltwasseraquarien darf es deutlich kühler sein. Bei Süßwasser etwa 18 bis 22 Grad, bei kaltem Meerwasser etwa 10 bis 18 Grad. Wichtig: Generell sollte man Kaltwasserfische nicht mit tropischen Fischen zusammenhalten, da sie die höhere Wassertemperatur nicht besonders gut vertragen.
Aufbau
Auch im Aufbau der verschiedenen Becken zeigen sich zentrale Unterschiede. In Süßwasserbecken spielen Pflanzen eine zentrale Rolle. Sie produzieren Sauerstoff, bieten Verstecke und schaffen ein natürliches Gleichgewicht. Dies orientiert sich auch immer am jeweiligen Fischbesatz, z. B. dichter Pflanzenwuchs für Salmler oder offener Schwimmraum für Skalare.
Häufig wird als Bodengrund Sand oder feiner Kies verwendet, in dem Pflanzen gut anwurzeln können. Als Dekoration dienen Wurzeln, Steine oder Kokosnussschalen. Diese dienen nicht nur der Optik, sondern auch als Verstecke und Reviermarkierungen für die Fische. Man unterscheidet hier drei Wasserzonen, die mit Fischen besetzt werden können: Boden-, Mittel- und Oberflächenschwimmer.
In Meerwasseraquarien dient fast immer Riffgestein als Basis. Dieses „Lebendgestein“ besteht aus porösen Gesteinsstücken, die mit Mikroorganismen besiedelt sind. Sie wirken als biologische Filter und sind Grundlage für den gesamten Kreislauf. Korallen bilden im tropischen Meerwasseraquarium oft den Mittelpunkt. Auch sie sind nicht nur Dekoration, sondern empfindliche Lebewesen, die stabile Wasserwerte benötigen.
Ferner ist das Becken so strukturiert, dass es verschiedene Bereiche gibt, genügend Strömung entsteht und die Tiere Licht sowie Platz zur Entwicklung haben. Hier sollte man beim Besatz auf Oberflächenschwimmer, Riffkanten- und Riffbodenbewohner achten. Der Bodengrund selbst besteht meist aus feinem Korallensand oder Aragonitsand, der ebenfalls das biologische Gleichgewicht unterstützt. Schnecken, Garnelen oder Seeigel helfen, das Aquarium sauber zu halten, und sind ein wichtiger Teil des Systems.
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Sind Salzwasseraquarien teurer als Süßwasseraquarien?
In der Anschaffung sind Salzwasseraquarien in der Regel teurer als Süßwasseraquarien. Das liegt schlicht daran, dass man für ein Meerwasseraquarium mehr Zubehör benötigt. Salzwasseraquarien sind auch um einiges größer und die Fische in der Anschaffung kostspieliger.
Die Pflege der verschiedenen Aquarien unterscheidet sich nicht groß voneinander, obwohl auch hier für das Meerwasseraquarium höhere Kosten auflaufen. Das Becken muss regelmäßig gereinigt, das Wasser ausgetauscht werden. In der Ausstattung und Wartung des Zubehörs für Süß- und Salzwasseraquarien gibt es ebenfalls Unterschiede.
Was braucht man für die Grundausstattung der verschiedenen Aquarien?
Für jedes Aquarium benötigt man einen geeigneten, nicht allzu sonnigen, Standort und eine stabile Unterkonstruktion. In dieser kann man auch das Fischfutter und anderes Zubehör verstauen. Des Weiteren benötigt man verschiedene weitere Utensilien für die verschiedenen Aquarienarten. Das sind:
Grundausstattung Süßwasseraquarium
- Wasserfilter
- Heizung
- Thermometer
- Beleuchtung (Achtung: Lichtbedürfnisse der jeweiligen Bewohner unterscheiden sich ggf. voneinander)
Grundausstattung Salzwasseraquarium
- Heizung
- Thermometer
- Beleuchtung (an jeweilige Bewohner anpassen)
- Eiweißabschäumer
- Strömungspumpe
- pH-Wert-Messgerät
- Dichtemesser
- Osmoseanlage
- Lebendgestein
- Salz
Kann man ein Aquarium von Süß- auf Salzwasser umstellen?
Hat man sich für eine Art von Aquarium entschieden und möchte doch einmal von Süß- auf Salzwasserbewohner umstellen, ist dies unter Umständen möglich. Dies erfordert jedoch ein wenig Planung und einen Umbau der Anlage. Man sollte beachten, dass Süßwasseraquarien meist etwas kleiner als Salzwasseraquarien sind, denn sie benötigen viel weniger Technik, die noch zum Becken dazugeplant werden muss. Ob der Platz für ein Salzwasseraquarium reicht, muss man dann im Einzelfall sehen.
In einem Salzwasseraquarium dagegen ist üblicherweise ein separates Becken nur für die Technik integriert. Außerdem hat es viele Bohrlöcher und Rohre für das Equipment. Dieses spezielle Becken wäre bei einem Wechsel von Meereswasser auf Süßwasser überflüssig und zudem schwer zu reinigen.
Auch das Wasser kann nicht einfach von salzig auf süß oder umgekehrt getauscht werden. Besser ist daher, ein neues, besser geeignetes Becken einzufahren.
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Dauert es länger, ein Salzwasseraquarium einzurichten als ein Süßwasseraquarium?
Es gibt keine allgemeine Faustregel dafür, wann ein Aquarium „fertig“ ist. Verschiedene Faktoren, etwa die Größe des Beckens und die Stabilität des Ökosystems, sind dafür entscheidend. Die Wasserart des Aquariums spielt keine besondere Rolle.
Die sogenannte Einlaufphase oder auch Einfahrzeit ist bei jedem Aquarium unterschiedlich lang. Es kann bei allen Arten von Aquarien sechs Wochen oder länger dauern, bis das Becken voll besetzt werden kann.
Mit dem Einsetzen der Fische sollte – egal, ob es sich um ein Süß- oder Salzwasseraquarium handelt – behutsam vorgegangen werden. Der Prozess sollte außerdem durch Wassertests begleitet werden. In den ersten Tagen nach dem Befüllen steigen die Ammonium- und Nitratwerte, und das Aquarium ist biologisch gesehen noch eine lebensfeindliche Wüste. Daher kann man nur durch Tests sicher feststellen, wann es für seine Bewohner bezugsfertig ist.
Süß- oder Salzwasseraquarium: Welches ist für Anfänger geeignet?
Viele berichten, dass Salzwasseraquarien als schwieriger gelten und eher weniger für Anfänger in der Aquaristik geeignet sind – allerdings muss das gar nicht sein. Wer sich umfassend darüber informiert, kann auch direkt mit einem Meerwasser-Projekt in die Aquaristik einsteigen.
Häufig heißt es auch, ein tropisches Süßwasseraquarium verzeihe kleinere Haltungsfehler meist leichter als empfindliche Korallen in einem Meerwasseraquarium. Allerdings kann natürlich auch beim Süßwasserbecken vieles schiefgehen, besonders, wenn man mit einem kleineren Becken startet, weil es vermeintlich einfacher ist. Das Gegenteil ist der Fall! Je größer das Becken, umso stabiler die Wasserwerte und das Ökosystem. Für Anfänger gilt also: Lieber gleich ein größeres Aquarium zulegen und penibel auf Wasserwerte achten.
Abschließend lässt sich also nicht pauschal sagen, welche Aquarienform besser für Anfänger geeignet ist, da man sich bei allen Arten – und vor allem bei jedem einzelnen Bewohner – umfassend informieren sollte, bevor man zur Anschaffung übergeht.
