5. Oktober 2026, 17:52 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Mit zwei Köpfen und gerade einmal 5,2 Gramm Gewicht ist diese junge Diamantschildkröte eine echte Seltenheit. Der ungewöhnliche Schlüpfling wurde in den USA entdeckt und gibt Forschern noch viele Rätsel auf. PETBOOK erklärt, was hinter dem seltenen Phänomen steckt.
Seltene Diamantschildkröte mit zwei Köpfen sorgt für Aufsehen
Die junge Diamantschildkröte (Malaclemys terrapin) wurde an einem geschützten Nistplatz auf Cape Cod, einer Halbinsel südöstlich im US-Bundesstaat Massachusetts, entdeckt. Kurz nach dem Fund kam sie in das New England Wildlife Center, wo sie nun rund um die Uhr beobachtet wird.
Besonders bemerkenswert: Das Tier wiegt derzeit lediglich 5,2 Gramm. Ausgewachsene Diamantschildkröten bringen dagegen je nach Geschlecht mehrere Hundert Gramm bis zu rund ein Kilogramm auf die Waage. Ob es sich bei dem Schlüpfling um ein Männchen oder Weibchen handelt, können die Tierärzte bisher allerdings noch nicht sagen.1
Trotz seiner ungewöhnlichen Anatomie scheint der Schlüpfling bislang einen guten Start ins Leben zu haben. Nach Angaben der Tierpfleger frisst und schwimmt die Schildkröte normal. Auch ihr Verhalten unterscheide sich bisher kaum von dem anderer Jungtiere. Lediglich ein kleiner Charakterunterschied soll bereits erkennbar sein: Der linke Kopf gilt unter den Betreuern offenbar als etwas durchsetzungsfähiger.2
Warum manche Tiere mit zwei Köpfen geboren werden
Das Phänomen, dass manche Tiere zwei Köpfe haben, hat sogar einen Namen: Bizephalie. Zak Mertz, Geschäftsführer des New England Wildlife Center, erklärt, sie entsteht, wenn sich ein Embryo ähnlich wie bei eineiigen Zwillingen zu teilen beginnt, dieser Prozess jedoch nicht vollständig abgeschlossen wird. Wie stark die beiden Köpfe und die darunterliegenden Körperstrukturen miteinander verbunden sind, kann dabei von Fall zu Fall unterschiedlich sein.
Der neuentdeckte Schlüpfling ist zudem nicht der erste seiner Art. Nach Angaben des Wildtierzentrums handelt es sich bereits um die dritte zweiköpfige Diamantschildkröte, die dort innerhalb von sechs Jahren betreut wird.
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Vieles an der Schildkröte bleibt noch ein Rätsel
Ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt, können die Tierärzte allerdings noch nicht sagen. Dafür ist der Schlüpfling noch zu jung. Er scheint sich derzeit also gut zu entwickeln. Dennoch bleibt offen, wie seine Anatomie genau aufgebaut ist, ob beide Köpfe den Körper gemeinsam steuern und welche Zukunft die ungewöhnliche Schildkröte erwartet. Für die Forschenden macht gerade das den Fall so spannend.
Denn noch können die Tierärzte nicht unter den Panzer blicken. Für Röntgenaufnahmen oder CT-Untersuchungen ist die Schildkröte noch zu klein. Zunächst geht es deshalb vor allem darum, ihre Entwicklung genau zu beobachten.
„Wir achten darauf, dass beide Köpfe aufmerksam und aktiv sind, ihre Umgebung wahrnehmen und versuchen zu fressen“, erklärte Mertz gegenüber dem Wissenschaftsmagazin „Popular Science“. Genau daran orientiere sich das Team, um einzuschätzen, wie gut es dem Tier geht. Bislang gebe es dabei gute Nachrichten: Beide Köpfe reagieren, schauen sich um und zeigen Interesse am Futter.
Zweiköpfige Schildkröten sind selten, aber nicht einzigartig
Ein bekanntes Beispiel ist die griechische Landschildkröte Janus aus dem Naturhistorischen Museum in Genf. Das Tier wurde 1997 mit zwei Köpfen geboren und entwickelte sich zu einer kleinen Berühmtheit. 2022 feierte Janus bereits seinen 25. Geburtstag, wie PETBOOK berichtete. Möglich wurde das vor allem durch die intensive Betreuung im Museum. In freier Natur hätte ein Tier mit einer solchen Anatomie vermutlich deutlich schlechtere Überlebenschancen.
Ob die winzige Schildkröte von Cape Cod ebenfalls ein so langes Leben vor sich hat, kann noch niemand sagen. Im Moment konzentrieren sich die Tierpfleger daher auf das Wichtigste: fressen, wachsen und gesund bleiben. Für einen Schlüpfling, der kaum mehr als fünf Gramm auf die Waage bringt, ist das schon Herausforderung genug.