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Stromstöße bis zu 860 Volt

Wie gefährlich ist der Zitteraal wirklich?

Electric Eel, Electrophorus electricus
Sie sehen unschuldig aus, haben es aber faustdick hinter den nicht unsichtbaren Ohren! Zitteraale können Stromschläge von bis zu 860 Volt erzeugen Foto: Getty Images
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Jasmin Reddmann
Autorenfoto
Berlin, 3.6.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Redakteurin

18. August 2026, 17:04 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Ein Fisch, der Stromstöße abgibt, klingt fast wie ein Tier aus einem Actionfilm. Doch den gibt es wirklich: den Zitteraal. Forscher haben sogar gemessen, was passiert, wenn ein Zitteraal aus dem Wasser springt und einen Menschen direkt berührt. PETBOOK erklärt, wie gefährlich der elektrische Jäger wirklich ist und warum die 860 Volt allein noch nicht die ganze Geschichte erzählen.

Warum der Zitteraal eigentlich gar kein Aal ist

Obwohl er so heißt und auch aalartig aussieht, gehört der Zitteraal nicht zu den echten Aalen. Er zählt zur Ordnung der Neuwelt-Messerfische. Seinen Namen verdankt er vor allem seinem langen, schlanken Körper und seiner Fähigkeit, Stromstöße abzugeben.

Die Fische können bis zu 2,5 Meter lang werden. Ein Großteil ihres Körpers besteht aus speziellen elektrischen Organen, die aus Tausenden sogenannter Elektrozyten aufgebaut sind. Diese umgebildeten Muskelzellen funktionieren ähnlich wie kleine Batterien: Jede einzelne erzeugt nur eine geringe Spannung. Werden jedoch bis zu 6.000 Elektrozyten gleichzeitig aktiviert, addieren sich ihre Spannungen. So kann ein Zitteraal Stromstöße von mehr als 600 Volt erzeugen. Der positive Pol liegt dabei am Kopf, der negative am hinteren Körperende, sodass der Strom durch ein Zielobjekt fließen kann.1

Dreimal so viel Power wie eine Steckdose

Der Zitteraal gehört zu den ungewöhnlichsten Tieren Südamerikas. Er kann elektrische Impulse erzeugen, mit denen er sich orientiert, Beute aufspürt, Fische betäubt und mögliche Angreifer abschreckt.

Lange ging man davon aus, dass Zitteraale Stromstöße von etwa 550 bis 650 Volt erzeugen können. Besonders beeindruckend ist die Zitteraal-Art Electrophorus voltai. Bei ihr wurde eine Spannung von bis zu 860 Volt gemessen. Zum Vergleich: Aus einer handelsüblichen Steckdose in Deutschland kommen 230 Volt.2

Wozu braucht der Zitteraal Strom?

Der Zitteraal nutzt Strom nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zur Orientierung und Jagd. Schwache elektrische Signale helfen ihm, seine Umgebung wahrzunehmen und sich in trübem Wasser zurechtzufinden. Stärkere Stromstöße setzt er ein, um Beutefische zu beeinflussen, zu lähmen oder aus ihren Verstecken zu treiben.3

Für den Zitteraal ist das besonders praktisch, weil er häufig in Gewässern lebt, in denen die Sicht stark eingeschränkt ist. So kann er seine Beute auch dann aufspüren und kontrollieren, wenn er sie kaum sehen kann.

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Ist der Stromschlag des Zitteraals für Menschen tödlich?

Bei Strom kommt es nicht nur auf die Spannung an, sondern auch auf Stromstärke, Dauer, Kontaktfläche und darauf, wo der Strom durch den Körper fließt. Eine Studie des US-Neurobiologen Kenneth C. Catania aus dem Jahr 2017 zeigt allerdings, dass man den Fisch auf keinen Fall unterschätzen sollte. Denn ein Zitteraal kann für Menschen durchaus gefährlich werden.4

Catania untersuchte dies in einem Selbstversuch, bei dem er sich von einem Zitteraal elektrisch entladen ließ, während dieser aus dem Wasser sprang und ihn direkt berührte. Schon bei einem vergleichsweise kleinen, nur 40 Zentimeter langen Zitteraal erreichte der Strom, der durch seinen Arm floss, Spitzenwerte von 40 bis 50 Milliampere. Diese Werte lagen laut Studie deutlich über den Schwellen, bei denen Schmerzrezeptoren und Rückzugsreflexe aktiviert werden. Schon ein kleiner Zitteraal kann also einen sehr unangenehmen und schmerzhaften Stromstoß abgeben.

Der Stromschlag selbst endet zwar nach aktuellem Kenntnisstand nur selten direkt tödlich, kann aber starke Schmerzen und Muskelzuckungen auslösen. Besonders gefährlich ist eine Begegnung im Wasser: Wer durch einen Stromstoß die Kontrolle über seine Muskeln verliert oder in Panik gerät, könnte im schlimmsten Fall ertrinken.

Können Zitteraale wirklich aus dem Wasser springen?

Fühlt sich ein Zitteraal bedroht, kann er teilweise aus dem Wasser springen und seinen Kopf direkt gegen einen Angreifer drücken. So gelangt ein größerer Teil der elektrischen Entladung in dessen Körper, statt sich im Wasser zu verteilen. Der Aal springt also nicht zufällig aus dem Wasser, sondern nutzt dieses Verhalten gezielt, um seine Stromstöße noch wirkungsvoller zu machen. Vermutlich dient ihm diese Strategie dazu, Fressfeinde mit einem besonders starken Schock auf Abstand zu halten.

Quellen

  1. WWF, „Zitteraal - der elektrische Jäger“, (aufgerufen am 18.08.2026) ↩︎
  2. WDR, „Wie kommt die Elektrizität in den Aal?“, (aufgerufen am 18.08.2026) ↩︎
  3. tierchenwelt.de, „Zitteraal“, (aufgerufen am 18.08.2026) ↩︎
  4. Catania, K. C. (2017). Power transfer to a human during an electric eel's shocking leap. Current Biology, 27(18), 2887–2891.e2. https://doi.org/10.1016/j.cub.2017.08.034 ↩︎

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