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Warum Faultiere für den Toilettengang ihr Leben riskieren

Faultier auf dem Boden beim Toilettengang
Der wöchentliche Toilettengang wird bei Faultieren nicht nur zur Geduldsprobe, sondern ist äußerst riskant Foto: Getty Images / iStockphoto
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10. Februar 2026, 6:14 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Faultiere tragen scheinbar stets ein entspanntes Lächeln auf den Lippen und wirken dadurch sympathisch und niedlich. Die natürliche Heimat dieser geruhsamen Baumbewohner sind die tropischen Regenwälder Mittel- und Südamerikas, wo sie ein entspanntes Leben verbringen. Das allerdings nur, bis es an den wöchentlichen Kraftakt des Toilettengangs geht – denn bei diesem können Faultiere tatsächlich sterben. Warum sie ihn dennoch auf sich nehmen und er sich sogar lohnt, erklärt PETBOOK im Folgenden.

Warum kann ein Faultier beim Toilettengang sterben?

Faultiere haben einen der langsamsten Stoffwechsel im gesamten Tierreich. Das liegt an ihrer kargen Nahrung: Die Tiere fressen nämlich hauptsächlich energiearme Blätter. Diese wachsen den Tieren hoch oben in den Baumkronen direkt vor die Nase – viel Bewegung ist also nicht nötig. Nur etwa einmal pro Woche verlassen einige Faultiere dennoch ihren sicheren Platz im Geäst. Und genau dabei geraten sie in große Gefahr.

Forscher gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil der dokumentierten Todesfälle bei Dreifinger-Faultieren während dieser riskanten Bodenbesuche geschieht. Genaue Zahlen sind allerdings schwer zu ermitteln, da Faultiere extrem verborgen leben und viele Todesursachen im Regenwald unbeobachtet bleiben. Am Boden sind die Tiere nahezu schutzlos. Um eine Strecke von nur 100 Metern zurückzulegen, benötigen Faultiere bis zu 30 Minuten. Gegen Raubtiere wie Jaguare, Ozelots oder große Schlangen haben sie kaum eine Chance.

Besonders fatal ist dabei, dass der gesamte Körperbau der Faultiere auf ein Leben kopfüber in den Bäumen ausgelegt ist. Ihre langen Gliedmaßen, Greifklauen und Muskeln sind perfekt an das Hängen angepasst – nicht aber an schnelle Fluchtbewegungen am Boden. Was in den Baumkronen ein evolutionärer Vorteil ist, wird unten zur tödlichen Schwäche. Doch warum nehmen Faultiere dieses Risiko überhaupt auf sich? 1

Zweifinger oder Dreifinger – ein entscheidender Unterschied

Um diese Frage zu beantworten, muss man zwischen zwei Gattungen unterscheiden: den Zwei- und den Dreifinger-Faultieren. Sie lassen sich tatsächlich anhand der Anzahl ihrer Hakenklauen an den Vorderpfoten unterscheiden.

Zweifinger-Faultiere sind insgesamt beweglicher. Sie verrichten ihr Geschäft häufig direkt aus der Baumkrone und lassen ihre Ausscheidungen einfach zu Boden fallen. Dreifinger-Faultiere hingegen steigen in der Regel etwa einmal pro Woche vollständig vom Baum herab, suchen sich eine kleine Mulde und setzen ihren Kot gezielt am Waldboden ab. Dieses ungewöhnliche und gefährliche Verhalten betrifft fast ausschließlich Dreifinger-Faultiere – und ist alles andere als ein evolutionärer Fehler. 2

Grüne Algen im Faultierpelz

Das Fell von Faultieren ist nicht zufällig grünlich gefärbt. In den häufigen Regenfällen der Tropen siedeln sich auf den drahtigen Haaren Algen an, die den Tieren eine hervorragende Tarnung im Blätterdach des Regenwaldes bieten. Zusätzlich leben im Fell der Faultiere Motten, Käfer, Bakterien und Pilze – ein kleines Ökosystem direkt am Körper.

Forscher konnten zeigen, dass Dreifinger-Faultiere deutlich mehr Motten im Fell tragen als ihre zweifingrigen Verwandten – im Durchschnitt etwa 15 statt nur rund 4,5 Tiere. Gleichzeitig wiesen sie bei Dreifinger-Faultieren eine erheblich größere Algenbiomasse nach: etwa 125 Gramm, was rund 2,6 Prozent der Körpermasse entspricht.

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Eine riskante, aber lohnende Symbiose

Diese Beobachtungen führten zu einer überraschenden Erkenntnis: Der gefährliche Toilettengang ist Teil einer komplexen Symbiose zwischen Faultier, Motte und Alge. Die Motten legen ihre Eier bevorzugt im Kot der Faultiere ab.

Indem Dreifinger-Faultiere ihren Dung gezielt am Boden platzieren, ermöglichen sie die Fortpflanzung der Insekten. Die geschlüpften Motten kehren später ins Fell zurück und liefern dort über ihre Ausscheidungen oder ihren Zerfall wichtige Nährstoffe, die das Algenwachstum zusätzlich fördern.

Die Algen wiederum sind für die Faultiere mehr als nur Tarnung: Sie enthalten rund 45 Prozent mehr Fett als die Blätter, von denen sich die Tiere hauptsächlich ernähren. Damit stellen sie eine zusätzliche, leicht verfügbare Energiequelle dar – ein entscheidender Vorteil bei extrem langsamem Stoffwechsel. Zusätzlich erlaubt dieses „Algen-Kimchi“ den dreifingrigen Faultieren auch, um einiges größer und schwerer zu werden als ihre zweifingrigen Verwandten. 3

Lohnende Dreiecksbeziehung zwischen Faultier, Motte und Alge

Entdeckt haben dieses faszinierende Zusammenspiel Forscher der Universität Wisconsin-Madison im Regenwald von Costa Rica. Bis dahin hatte man angenommen, das Dreifinger-Faultier würde durch den Kotabsatz am Waldboden „seinen“ Baum düngen. Nun ist klar: Der Grund für den lebensgefährlichen Toilettengang mit dem Risiko, aus Versehen zu sterben, ist um einiges komplexer.

Quellen

  1. WWF, „Faszination Faultier: Ruhepol in Gefahr“ (aufgerufen am 10.2.2026) ↩︎
  2. Spektrum.de“, „Das Faultier, die Motte und die Alge“ (aufgerufen am 10.2.2026) ↩︎
  3. Pauli, J. N., Mendoza, J. E., Steffan, S. A., Carey, C. C., Weimer, P. J., & Peery, M. Z. (2014). A syndrome of mutualism reinforces the lifestyle of a sloth. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 281(1778), 20133006. ↩︎

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