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NABU gibt Antworten

Warum Waldbrände für viele Wildtiere tödlich enden

Ein Reh vor einem brennenden Hintergrund
Aktuell wüten wieder verheerende Waldbrände. Darunter leiden nicht nur wir Menschen, sondern vor allem die Wildtiere, deren Heimat die Wälder sind Foto: Getty Imgaes/VOLODYMYR BURDYAK
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Jasmin Reddmann
Autorenfoto
Berlin, 3.6.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Redakteurin

20. August 2026, 16:51 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Lodernde Flammen, meterhohe Rauchwolken und verkohlte Landschaften – Waldbrände richten nicht nur enorme Schäden an der Natur an, sondern bedrohen auch zahlreiche Wildtiere. Doch können Rehe, Igel, Schlangen und andere Bewohner unserer Wälder den Flammen überhaupt entkommen? Und was passiert mit den Tieren, die einen Brand überleben? PETBOOK hat bei dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) nachgefragt.

Welche Tiere besonders gefährdet sind

Silvia Teich vom NABU erklärt: „Kleine und wenig mobile Arten werden häufiger Opfer der Flammen und Hitze als größere und sehr mobile Arten. Demnach ist die Überlebenschance flugunfähiger Insekten, Schnecken, Igeln, Mäusen, Amphibien und Reptilien deutlich geringer als die von Vögeln und großen Säugetieren, wie Wildschweinen oder Wölfen.“

Beobachtungen aus aktuellen Brandgebieten in Belgien, Frankreich und Spanien bestätigen dieses Bild. Während größere Säugetiere oft rechtzeitig fliehen können, geraten insbesondere Tiere in Gefahr, die am Boden leben oder sich nur langsam fortbewegen. Sie werden entweder direkt Opfer der Flammen oder verlieren ihren Lebensraum.1

Haben Wildtiere überhaupt eine Chance zu fliehen?

„Viele Tiere wittern und spüren die herannahende Feuergefahr eindeutig und früh und haben dann ein artspezifisches Überlebensprogramm (Flucht oder Eingraben). Da spult sich ein uraltes Notfallprogramm ab. Es hängt natürlich auch immer davon ab, wie schnell und vollständig und wie großflächig es brennt“, heißt es von dem NABU.

Tatsächlich berichten Experten immer wieder, dass viele Tiere noch vor dem eigentlichen Feuergebiet fliehen. Doch je schneller sich ein Brand ausbreitet, desto schwieriger wird die Flucht. Vor allem bei großflächigen Wald- und Vegetationsbränden können Tiere eingeschlossen werden oder keinen sicheren Rückzugsort mehr finden.

Die Gefahr endet oft nicht mit dem Feuer

Dass ein Tier die Flammen überlebt, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass es gerettet ist. Nach großen Bränden fehlen oft Nahrung, Schutz und Rückzugsorte. Experten berichten aus aktuellen europäischen Brandgebieten von orientierungslosen Tieren, die auf der Suche nach Nahrung bis in Siedlungen und Städte vordringen. Dort steigt unter anderem die Gefahr durch den Straßenverkehr.

„Es kommt auf die Art des Feuers an. War es ein schnelles und wenig intensives Bodenfeuer, reicht die Hitze oft nicht tief in den Boden und neue Vegetation sprießt schnell wieder. Dann haben kleine im Boden, Felsspalten oder Tümpeln versteckte Tiere oft noch eine Chance“, erklärt Teich. Anders sehe es bei intensiven Bodenfeuern aus. Diese vergiften und vernichten einen Großteil des Lebens bis in tiefere Bodenschichten. Dadurch verhungern überlebende Tiere schlichtweg, so die Pressesprecherin.

Sie ergänzt: „Aus der Sicht der Ökologie wiegt der langfristige Verlust von Lebensraum und ökosystemaren Funktionen dabei sogar schwerer als das Schicksal einzelner Tiere, die in den Flammen grausam umkommen. Denn solange Lebensraum und Ökosysteme vital und vernetzt sind, können Arten überleben und ist feuerbedingte Störungen Teil der Natur.“

Rauch ist für Tiere ebenfalls gefährlich

Nicht nur die Flammen selbst stellen für Wildtiere eine Gefahr dar. Auch Rauch kann ihnen schwer zusetzen. Vom NABU heißt es: „Rauch ist giftig – für alle Tiere (und auch Menschen). Wenn Tiere nicht rechtzeitig flüchten können, können sie an einer Rauchgasvergiftung sterben.“
Beim aktuellen Großbrand im Hohen Venn war Brandgeruch zeitweise noch mehr als 100 Kilometer entfernt wahrnehmbar. Vor allem Tiere, die sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen können oder bereits geschwächt sind, leiden unter den Rauchgasen. Hinzu kommt, dass die Sicht eingeschränkt wird und viele Tiere die Orientierung verlieren. Selbst außerhalb der eigentlichen Brandfläche können Waldbrände deshalb erhebliche Folgen für die Tierwelt haben.2

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Was tun, wenn man ein verletztes Wildtier findet?

Besonders nach größeren Waldbränden werden immer wieder geschwächte und verletzte Wildtiere entdeckt. Fachleute empfehlen deshalb, möglichst schnell professionelle Hilfe einzuschalten, anstatt selbst Versorgungsversuche zu unternehmen: „Verletzte Tiere – egal, durch was sie verletzt wurden – sollten in eine Wildtierauffangstation oder zum Tierarzt gebracht werden.“

Auch wenn man die Folgen eines Waldbrands nicht rückgängig machen kann, lässt sich Wildtieren im Sommer auf einfache Weise helfen. Vögel, Insekten und andere Tiere freuen sich über flache Wasserschalen im Garten oder auf dem Balkon. Wichtig ist, das Wasser regelmäßig zu wechseln und die Behälter sauber zu halten.3

Gibt es auch Gewinner eines Waldbrands?

Von Teich gibt es auf die Frage eine deutliche Antwort: „Profitieren wird eher kein Tier.“

Zwar kann sich die Vegetation nach Regenfällen teilweise erstaunlich schnell erholen. Gräser, Büsche und junge Pflanzen kehren oft schon nach wenigen Monaten zurück. Für viele Tiere ist damit aber noch lange nicht alles wie zuvor. Nahrung, Verstecke und Brutplätze fehlen häufig über Jahre hinweg. Zudem sind viele überlebende Tiere geschwächt oder müssen sich neue Reviere suchen. Bis sich ganze Ökosysteme und Tierbestände von einem schweren Waldbrand erholt haben, können deshalb Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen.

Quellen

  1. National Geographic, „Europas Waldbrände: Warum die Feuer für Wildtiere lange nicht vorbei sind“, (aufgerufen am 20.08.2026) ↩︎
  2. ZDF heute, „Brand in Belgien eingekreist - Monschau hebt Evakuierung auf“, (aufgerufen am 20.08.2026) ↩︎
  3. WWF, „So überstehen Tiere, Umwelt und Menschen die Hitze“, (aufgerufen am 20.08.2026) ↩︎

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