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Schon gewusst?

Spitzmäuse verbeißen sich ineinander, um sich nicht zu verlieren

Spitzmaus lebende Kette
Was aussieht wie ein tierischer Gänsemarsch, ist für Spitzmäuse überlebenswichtig. Foto: picture alliance / blickwinkel/H. Goethel | H. Goethel
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Werkstudentin

22. Januar 2026, 11:51 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Spitzmäuse wirken oft hektisch, winzig und unscheinbar. Doch manche ihrer Verhaltensweisen sind erstaunlich – etwa wenn eine Mutter mit ihrem Nachwuchs eine lebende Kette bildet. Was wie eine skurrile Polonaise aussieht, ist in Wahrheit eine wichtige Überlebensstrategie. PETBOOK erklärt, warum Spitzmäuse dieses ungewöhnliche Verhalten zeigen und was sie sonst noch so besonders macht.

Warum bilden Spitzmäuse lebende Ketten?

Wenn Spitzmäuse Polonaisen bilden, dann hat das wenig mit Spiel, Spaß und Spannung zu tun, sondern ist eher eine Überlebensstrategie. Tatsächlich zeigen ausschließlich Spitzmausmütter dieses Verhalten. Sie können bis zu viermal im Jahr werfen – pro Wurf bekommen sie meist zwischen vier und zehn Junge. In einem gut versteckten Nest ziehen sie diese groß.

Merken Spitzmäuse aber, dass ein Fressfeind ihr Nest entdeckt hat, ziehen sie kurzerhand um und suchen sich ein neues Versteck. Und damit keiner verloren geht, bilden Spitzmäuse lebende Ketten. Dabei ist ganz vorn das Muttertier, das an einem seiner Jungen beißt und den Weg vorgibt. Die restlichen Jungtiere beißen am jeweils Hinterteil des Vorgängers fest.

In dieser Formation geht es dann über Stock und Stein. Die Kette der Spitzmäuse ist erstaunlich stabil. Das hat den Vorteil, dass auch nicht so klettertalentierten Spitzmäuse von ihren Geschwistern problemlos mit heraufgezogen werden. Diese Stabilität kann aber auch ein Nachteil sein – denn, wenn eine Maus beim Klettern fällt, fallen alle. 1, 2

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„Indenschwanzbeißungsgänsemarsch”

Wie würden Sie dieses Naturphänomen der lebenden Kette bildenden Spitzmäuse nennen? Wem Spitzmaus Polonaise etwas zu plump ist, dem könnte vielleicht Spitzmaus Karawane eher zusagen – oder doch lieber mausiger Gänsemarsch 2.0? Der Naturwissenschaftler Hermann Landois wählte eine andere Bezeichnung für dieses Phänomen. Nachdem er dieses Verhalten zum ersten Mal beobachtet hatte, fiel ihm scherzhaft das leicht umständliche Wort „Indenschwanzbeißungsgänsemarsch” ein. Zum Glück (oder leider?) setzte sich diese Bezeichnung nicht durch.

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Warum ist die Spitzmaus biologisch gesehen keine Maus?

Auch wenn ihr Name es nahelegt, gehört die Spitzmaus (Soricidae) biologisch nicht zu den Mäusen. Echte Mäuse sind Nagetiere, Spitzmäuse hingegen zählen zur Ordnung der Insektenfresser (Eulipotyphla). Dieser Unterschied zeigt sich vor allem im Gebiss: Während Nagetiere charakteristische, lebenslang wachsende Schneidezähne zum Nagen besitzen, verfügen Spitzmäuse über viele kleine, spitze Zähne, die auf das Zerkleinern von Insekten und anderen Wirbellosen spezialisiert sind.

Auch ihr Stoffwechsel unterscheidet sich deutlich von dem der Mäuse: Spitzmäuse haben einen extrem hohen Energiebedarf und müssen nahezu ununterbrochen Nahrung aufnehmen. Ihr Körperbau mit der langgestreckten Schnauze und ihre sensorische Orientierung über Geruch und Tastsinn unterstreichen ebenfalls, dass Spitzmäuse evolutionsgeschichtlich näher mit Igeln und Maulwürfen verwandt sind als mit echten Mäusen.3

Warum riechen Spitzmäuse nach Moschus?

Spitzmäuse verströmen einen intensiven, moschusartigen Geruch, der eine wichtige Schutzfunktion erfüllt. Verantwortlich dafür sind spezielle Hautdrüsen, die ein stark riechendes Sekret produzieren. Dieser Geruch dient vor allem der Abschreckung von Fressfeinden: Viele Räuber wie Marder oder Wiesel meiden Spitzmäuse, weil sie unangenehm riechen und als wenig schmackhaft gelten. Zwar sind nicht alle Feinde davon beeindruckt – Greifvögel wie Eulen fressen Spitzmäuse dennoch –, doch für zahlreiche bodennahe Jäger ist der Moschusduft ein wirksames Warnsignal.

Der starke Eigengeruch passt zum energieintensiven Lebensstil der Spitzmäuse: Aufgrund ihres extrem hohen Stoffwechsels müssen sie ständig auf Nahrungssuche sein und sind dabei besonders gefährdet. Da sie schlecht sehen, aber hervorragend riechen können, wird der Moschusgeruch zu einer chemischen Verteidigung, die ihre Überlebenschancen deutlich erhöht.

Quellen

  1. bund-hessen.de, „Die kleinsten Säugetiere der Welt: Spitzmäuse“ (aufgerufen am 21.01.26) ↩︎
  2. tierchenwelt.de, „Spitzmaus“ (21.01.26) ↩︎
  3. kaernten.orf.at, „Spitzmaus: Die Maus, die keine ist“ (aufgerufen am 21.01.26) ↩︎

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