16. April 2026, 13:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Eine unscheinbare Spinne sorgt für Aufmerksamkeit in der Forschung. Wissenschaftler aus mehreren südamerikanischen Institutionen haben eine neue Art beschrieben, die sowohl musikalische Anspielungen als auch spannende biologische Eigenschaften vereint. PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider erklärt, was diese winzige Spinne so besonders macht.
Spinne nach Pink Floyd benannt
Die neu beschriebene Art trägt den Namen Pikelinia floydmuraria – und der ist kein Zufall. Die Forschenden verbinden damit gleich zwei Dinge: eine musikalische Verbeugung und einen Hinweis auf den Lebensraum der Tiere.
„‚Muraria‘, abgeleitet vom lateinischen Wort für ‚Mauer‘, spiegelt die Tendenz der Art wider, in Wänden von Gebäuden zu leben – verweist aber zugleich auf das ikonische Pink-Floyd-Album ‚The Wall‘“, erklären die Autoren der Studie.1
Tatsächlich fühlt sich die Spinne besonders in Mauerspalten und Gebäudestrukturen wohl. Damit gehört sie zu den sogenannten synanthropen Arten. Das sind Tiere, die sich an das Leben in unmittelbarer Nähe des Menschen angepasst haben. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Zoosystematics and Evolution“.
Winzig, aber erstaunlich effektiv
Auf den ersten Blick wirkt die nach Pink Floyd benannte Spinne eher unscheinbar: Die Tiere werden gerade einmal drei bis vier Millimeter groß. Doch was ihnen an Größe fehlt, machen sie durch ihre Jagdfähigkeiten mehr als wett.
Untersuchungen zeigen, dass die Spinnen vor allem Ameisen, Fliegen, Mücken und Käfer fressen. Besonders beeindruckend: Sie überwältigen Beute, die ein Vielfaches ihrer eigenen Größe erreicht. So konnten Forschende beobachten, dass sie Ameisen erbeuten, die bis zu sechsmal größer sind als ihr Vorderkörper.
Nützliche Mitbewohner im Haushalt?
Spannend für uns Menschen: Die kleinen Achtbeiner könnten sogar nützlich sein. Denn sie jagen gezielt typische „Nervensägen“ des Alltags – darunter Stechmücken und Stubenfliegen.
Ein cleverer Trick hilft ihnen dabei. Die Spinnen bauen ihre Netze bevorzugt in der Nähe von künstlichen Lichtquellen. Dort sammeln sich bekanntermaßen viele Insekten – ein gefundenes Fressen für die Mini-Jäger. So könnten sie ganz nebenbei helfen, Schädlingspopulationen in Städten zu reduzieren.
Allerdings wurde die Art bisher ausschließlich in einer Region in Kolumbien entdeckt. Ob sie weiter verbreitet ist, ist noch unklar.
Rätsel um Verwandte auf den Galápagos-Inseln
Die Studie liefert noch eine weitere spannende Erkenntnis. Es gibt offenbar eine enge Verwandtschaft zwischen der neuen Art aus Kolumbien und einer Spinne von den Galápagos-Inseln.
Bei Pikelinia fasciata, die bereits 1902 entdeckt wurde, untersuchten Forschende erstmals detailliert die inneren Geschlechtsstrukturen der Weibchen. Dabei zeigten sich, etwa bei den männlichen Fortpflanzungsorganen, erstaunliche Ähnlichkeiten zur neuen Art.
Wie es zu dieser Nähe trotz der großen geografischen Distanz kommt, ist bislang unklar. Möglich sind sowohl gemeinsame Vorfahren als auch parallele Anpassungen an ähnliche Lebensräume.
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Weitere Forschung geplant
Bislang ist Pikelinia floydmuraria erst die zweite bekannte Art dieser Gattung in Kolumbien. Um ihre genaue Herkunft zu klären, planen die Forschenden weitere Untersuchungen, insbesondere genetische Analysen.
Dabei geht es nicht nur um Evolution, sondern auch um eine praktische Frage: Wie groß ist das Potenzial dieser Spinne als natürlicher Schädlingsbekämpfer in unseren Städten?
Fazit: Kleine Spinne, große Bühne
Ob die Spinne wohl auch ein Fan von „Another Brick in the Wall“ wäre? Sicher ist: Pikelinia floydmuraria zeigt, dass selbst unscheinbare Tiere großes wissenschaftliches und ökologisches Potenzial haben.
Und vielleicht gilt hier ganz im Sinne von Pink Floyd: „We don’t need no pesticides“ – wenn solche Mini-Jäger an unseren Wänden leben.