12. Februar 2026, 8:48 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Spatzen gehören zu unserem Alltag – oder besser gesagt: gehörten. Denn sie werden immer weniger, vor allem in Städten. Viele wollen die heimischen Vögel daher unterstützen. Doch was fressen Spatzen eigentlich das Jahr über? Und ist es wirklich sinnvoll, zu Füttern? PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider erklärt, warum den kleinen Vögeln heute weniger der Hunger als die Wohnungsnot zu schaffen macht – und wie wir ihnen mit einfachen Mitteln helfen können.
Was fressen Spatzen das Jahr über?
Spatzen gelten als anpassungsfähig, und das zeigt sich besonders bei ihrer Ernährung. Erwachsene Haussperlinge ernähren sich überwiegend von pflanzlicher Kost. Körner, Samen und Getreide bilden das ganze Jahr über die Basis ihres Speiseplans.
In einer vielfältigen Landschaft finden sie diese Nahrung auf Feldern, an Wegesrändern oder in Gärten mit Wildpflanzen und Gräsern. In Städten ist das Angebot deutlich eingeschränkter. Dort greifen Spatzen notgedrungen auf das zurück, was sie finden – von heruntergefallenen Krümeln bis zu Essensresten.
Diese Flexibilität hilft ihnen kurzfristig, ist aber kein idealer Ersatz für natürliche Nahrung. Besonders kritisch wird es in der Brutzeit. Denn während erwachsene Spatzen mit Körnern auskommen, brauchen ihre Jungen tierisches Eiweiß. Jungspatzen werden fast ausschließlich mit Insekten gefüttert. Fehlen diese, etwa durch versiegelte Flächen, sterile Gärten oder den Einsatz von Pestiziden, scheitert die Aufzucht vieler Küken – selbst dann, wenn die Altvögel scheinbar genug zu fressen haben.1
Was fressen Spatzen im Winter?
Auch im Winter bleiben Spatzen in unserer Nähe, denn als Standvögel ziehen sie nicht in wärmere Regionen. Ihre Nahrung besteht dann vorwiegend aus Körnern und Samen. In einer naturnahen Umgebung finden sie diese an Samenständen von Gräsern, auf abgeernteten Feldern oder an Wegrändern.
In Städten ist das Angebot jedoch stark eingeschränkt, sodass Spatzen dort besonders auf Futterstellen angewiesen sind. Sie nehmen im Winter gern Getreidekörner, Hirse, Sonnenblumenkerne oder andere unbehandelte Samen an. Da Insekten zu dieser Jahreszeit kaum verfügbar sind, spielen sie im Winter für erwachsene Spatzen keine Rolle.
Entscheidend ist jedoch, dass die Vögel ausreichend energiereiche Nahrung finden, um die kalten Nächte zu überstehen. Der Winter macht damit deutlich, wie wichtig strukturreiche Gärten und ein verantwortungsvoll gestaltetes Futterangebot für das Überleben der Spatzen sind.2
Sollte man Spatzen füttern?
Die Frage, ob man Spatzen füttern sollte, lässt sich nicht pauschal beantworten. In Städten kann eine gezielte, saubere Fütterung durchaus helfen, insbesondere wenn natürliche Nahrungsquellen fehlen. Körnerfutter aus unbehandelten Samen wird von Spatzen gut angenommen. Bewährt haben sich Futtersäulen, da sie hygienischer sind und das Risiko von Krankheitsübertragungen reduzieren.
Entscheidend ist jedoch, die Fütterung als Unterstützung zu verstehen, nicht als Lösung aller Probleme. Vogelfutter kann fehlende Insekten nicht ersetzen. Gerade für die Jungenaufzucht bleibt ein insektenreicher Lebensraum unverzichtbar. Wer Spatzen füttert, sollte daher immer auch daran denken, die Umgebung spatzenfreundlich zu gestalten.3
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Wie kann man Spatzen sonst unterstützen?
Das größte Problem der Spatzen ist heute nicht der Mangel an Futter, sondern der Verlust von Nistplätzen. Moderne, sanierte Gebäude mit glatten und gedämmten Fassaden lassen kaum noch Spalten oder Hohlräume zu. Für Spatzen ist das dramatisch, denn sie brüten in der Stadt fast ausschließlich an Gebäuden.
Mit speziellen Spatzen-Nistkästen, die direkt an der Hausfassade angebracht werden, lässt sich diese Wohnungsnot gezielt lindern. Da Spatzen sehr gesellig sind, werden mehrere Nistmöglichkeiten in unmittelbarer Nachbarschaft besonders gut angenommen. Auch bei Neubauten kann man vorsorgen, indem Niststeine direkt ins Mauerwerk integriert werden. Ergänzend hilft alles, was den Lebensraum vielfältiger macht – vor allem ein naturnaher Garten oder Balkon.4
Tipps, wie wir Spatzen ein Zuhause bieten können
Spatzen fühlen sich dort wohl, wo es ein wenig lebendig und nicht perfekt ist. Gärten mit heimischen Pflanzen bieten nicht nur Samen für erwachsene Vögel, sondern auch Lebensraum für Insekten, die für die Aufzucht der Jungtiere unverzichtbar sind. Dichte Hecken dienen als Rückzugsorte und Schlafplätze.
Wasser spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, denn Spatzen trinken nicht nur gern, sondern baden leidenschaftlich. Neben Wasser nutzen sie auch Staubbäder zur Gefiederpflege – daher der Spitzname „Dreckspatz“. Schon eine kleine Sandschale oder eine flache Mulde im Garten reicht dafür aus.
Spatzen begleiten den Menschen seit rund 10.000 Jahren. Ob wir ihr Tschilpen auch künftig noch hören, hängt maßgeblich davon ab, wie viel Raum wir ihnen in unserer unmittelbaren Umgebung lassen.