22. Januar 2026, 7:07 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Amseln gehören zu den bekanntesten heimischen Singvögeln. Im Sommer sieht man die Vögel oft mit Würmern im Schnabel über die Weise hüpfen. Doch was fressen die Tiere, wenn die Böden gefroren sind und es keine Insekten gibt? PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider verrät, was Amseln im Winter fressen und warum die Vögel unsere Unterstützung brauchen.
Was fressen Amseln das Jahr über?
Die Amsel (Turdus merula), auch Schwarzdrossel genannt, ist ein echter Allesfresser mit klaren Vorlieben. Im Frühjahr und Sommer stehen tierische Eiweißquellen ganz oben auf dem Speiseplan: Regenwürmer, Insekten, Larven und Schnecken liefern die Energie, die vor allem während der Brutzeit dringend gebraucht wird. Wer eine Amsel beobachtet, wie sie hüpfend über den Rasen läuft und plötzlich innehält, sieht meist einen Vogel bei der Wurmsuche.
Im Spätsommer und Herbst verändert sich das Nahrungsangebot – und damit auch die Ernährung der Amsel. Nun gewinnen Beeren und Früchte zunehmend an Bedeutung. Holunder, Vogelbeeren, Hagebutten oder Fallobst werden ausdauernd geplündert. Diese pflanzliche Nahrung ist nicht nur leicht verfügbar, sondern auch reich an Zucker und damit ein wichtiger Energiespeicher für die kalte Jahreszeit.1
Was fressen Amseln im Winter?
Im Winter wird das Leben für Amseln deutlich schwieriger. Gefrorene Böden machen es fast unmöglich, an Regenwürmer oder Insekten zu gelangen. Jetzt sind Amseln vor allem auf Beeren, Früchte und andere weiche Nahrung angewiesen. Besonders wichtig sind heimische, fruchttragende Gehölze wie Eberesche (Vogelbeere), Weißdorn, Wildrose (Hagebutte) oder Pfaffenhütchen. Diese Pflanzen sind wahre Lebensretter und werden nicht nur von Amseln, sondern auch von anderen Drosselarten und Wintergästen aus dem Norden geschätzt.
Auch liegen gelassenes Fallobst ist im Winter eine wertvolle Nahrungsquelle. In Gärten und Parks sieht man Amseln daher häufig am Boden nach angefaulten Äpfeln oder Birnen suchen.
An Futterstellen nehmen Amseln als typische Weichfutterfresser gern Rosinen, Haferflocken oder Obst an. Fettgetränkte Haferflocken liefern bei Frost zusätzliche Energie. Da Amseln ihr Futter bevorzugt am Boden aufnehmen, profitieren sie besonders von speziellen Bodenfutterstellen – klassische Vogelhäuschen fliegen sie eher selten direkt an.2
Muss man Amseln füttern?
Amseln sind in Deutschland noch nicht gefährdet, und grundsätzlich kommen sie auch ohne menschliche Hilfe durch normale Winter. Dennoch kann eine gezielte und sachgerechte Fütterung in Zeiten von starkem Frost, geschlossener Schneedecke oder generell knapper Nahrung sinnvoll sein – vor allem in Städten, wo naturnahe Flächen fehlen.3
Wichtig ist: Füttern ist kein Ersatz für natürliche Lebensräume. Amseln werden nicht „abhängig“ von Futterstellen, und es gibt keine Belege dafür, dass richtiges Füttern ihnen schadet. Entscheidend ist die Qualität des Futters: Brot, Speisereste, gesalzene oder gewürzte Lebensmittel sind tabu. Geeignet sind dagegen Haferflocken, Rosinen, Obst und spezielles Weichfutter.4
Ebenso wichtig ist Hygiene. Wo viele Vögel zusammenkommen, können sich Krankheiten leicht verbreiten. Futterstellen sollten daher regelmäßig gereinigt, Futterreste entfernt und nasses oder verschimmeltes Futter konsequent entsorgt werden.
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Wie hilft man Amseln im Winter?
Am nachhaltigsten hilft man Amseln – und allen Gartenvögeln – mit einem naturnahen Garten. Heimische Sträucher und Bäume mit Früchten sind echte Schlüsselstrukturen für das Überleben im Winter. Eine „Naschhecke“ aus Eberesche, Weißdorn oder Wildrose bietet Nahrung, Schutz und später sogar Brutplätze.5
Zusätzlich können Sie unterstützen, indem Sie:
- Fallobst im Garten liegen lassen
- Bodenfutterstellen an übersichtlichen, katzensicheren Plätzen einrichten
- Futterstellen täglich reinigen und regelmäßig versetzen
- Eine saubere Trink- und Badestelle anbieten (auch im Winter!)
- Auf Pestizide und chemische Dünger verzichten
Fazit: Amseln im Winter zu unterstützen, lohnt sich
Amseln sind anpassungsfähige, neugierige und wunderschöne Vögel, die unsere Gärten mit ihrem melodischen Gesang bereichern. Wer ihnen im Winter ein wenig hilft, bekommt im Frühjahr vielleicht schon das schönste Dankeschön zurück: ein Amselmännchen, das im Morgengrauen von der Dachspitze singt und den neuen Tag begrüßt.