26. August 2026, 17:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Viele Menschen denken bei Kängurus zuerst an ihre gewaltigen Sprünge oder an die niedlichen Jungtiere, die aus dem Beutel ihrer Mutter schauen. Doch die australischen Beuteltiere haben noch weit mehr zu bieten. Sie boxen tatsächlich miteinander, nutzen ihren Schwanz wie ein „fünftes Bein“ und nicht alle von ihnen hüpfen auch. PETBOOK stellt überraschende Fakten über Kängurus vor, die viele Tierfreunde bestimmt noch nicht kennen.
Übersicht
1. Känguru-Weibchen haben drei Vaginen und zwei Gebärmütter
Känguru-Weibchen besitzen tatsächlich zwei Gebärmütter und drei Vaginen. Die beiden seitlichen Vaginen dienen der Fortpflanzung: Über sie gelangen die Spermien zu den Gebärmüttern. Die mittlere Vagina dient dagegen als Geburtskanal und entwickelt sich bei der Fortpflanzung so, dass das Jungtier später hindurchgeboren werden kann.1 2
Die zwei Gebärmütter ermöglichen es Känguru-Weibchen, mehrere Jungtiere in unterschiedlichen Entwicklungsstadien gleichzeitig zu haben. Während sich beispielsweise ein Jungtier im Beutel befindet, kann sich bereits ein weiterer Embryo entwickeln. Bei günstigen Bedingungen kann die Entwicklung dieses Embryos jedoch vorübergehend angehalten werden. Diese sogenannte embryonale Diapause ermöglicht es dem Weibchen, die Geburt des nächsten Jungtiers an die äußeren Bedingungen anzupassen.
2. Bei der Geburt sehen sie aus wie kleine Würmer
Kängurubabys kommen nicht als niedliche Mini-Beuteltiere auf die Welt, die wie kleinere Versionen ihrer Eltern aussehen. Stattdessen werden sie in einem sehr frühen Entwicklungsstadium geboren und sehen aus wie winzige Würmer.
Nach der Befruchtung entwickelt sich der Embryo nur wenige Wochen im Mutterleib. Das winzige Jungtier muss anschließend aus eigener Kraft in den Beutel der Mutter gelangen. Mithilfe seiner bereits entwickelten Vordergliedmaßen kriecht es durch das Fell nach oben und findet dort eine Zitze, an der es sich festhält. Im geschützten Beutel wächst das sogenannte Joey über viele Monate weiter. Je nach Art verlässt es den Beutel schließlich für erste Ausflüge, kehrt anfangs aber immer wieder dorthin zurück.
3. Kängurus haben genau genommen keine Arme
Kängurus gehören zur Gruppe der Tetrapoden. Dazu zählen alle Wirbeltiere, die ursprünglich vier Gliedmaßen besitzen – unter anderem Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere. Auch wenn Kängurus ihre Vordergliedmaßen anders einsetzen als wir unsere Arme, handelt es sich anatomisch um Beine beziehungsweise Vordergliedmaßen.
Die Vorderbeine sind deutlich kürzer als die kräftigen Hinterbeine und werden unter anderem zum Greifen und bei der langsamen Fortbewegung eingesetzt. Bei dieser bewegen sich Kängurus nicht ausschließlich auf ihren Hinterbeinen: Sie können ihre Vorderbeine und den Schwanz gemeinsam mit den Hinterbeinen einsetzen. Anatomisch bleiben die Vordergliedmaßen trotzdem Beine und werden nicht zu „Armen“.
4. Schwanz als „fünftes Bein“
Während viele Säugetiere ihren Schwanz zur Kommunikation mit Artgenossen einsetzen, nutzen Kängurus ihren wie ein „fünftes Bein“. Das haben Forscher der Simon Fraser University in Kanada herausgefunden. Laut Forschungsergebnissen verleiht dieser beim Gehen und Hüpfen Balance und Schwung. Übrigens ist der Schwanz so stark, dass er dabei so viel Kraft wie alle anderen Beine zusammen ausübt.3
Der Schwanz kommt auch bei anderen Bewegungen zum Einsatz. Wenn sich Kängurus aufrichten, können sie ihn als Stütze verwenden. Bei Auseinandersetzungen mit Artgenossen dient er ebenfalls dazu, den Körper abzustützen, während die Tiere mit ihren Hinterbeinen treten.
5. Kängurus boxen tatsächlich
Das Bild des „boxenden Kängurus“ haben wohl viele im Kopf, wenn sie an die als kampflustig geltenden Beuteltiere denken. Vielleicht trägt es in Ihren Gedanken sogar die charakteristischen roten Boxhandschuhe? Kein Wunder. Denn schließlich wurde das boxende oder Boxhandschuh tragende Känguru auf vielen Postern und auch in Hollywood-Produktionen gezeigt – wie in der Komödie „Kangaroo Jack“ aus dem Jahr 2003.
Kängurus tragen tatsächlich Auseinandersetzungen mit ihren Artgenossen aus. Dabei setzen sie ihre Vorderpfoten ein, um den Gegner zu greifen, zu stoßen oder zu schlagen. Häufig versuchen die Tiere, das Gegenüber aus dem Gleichgewicht zu bringen. Solche Kämpfe können unter anderem dazu dienen, Rangordnungen zu klären oder Konkurrenten auf Abstand zu halten.
Auch wenn Kängurus kräftige Tiere sind, gehen sie Konflikten mit Menschen normalerweise aus dem Weg. Angriffe sind selten und können vor allem dann vorkommen, wenn sich ein Tier bedroht oder bedrängt fühlt. Dann können Kängurus mit den Vorderpfoten schlagen oder sich auf dem Schwanz abstützen und mit den kräftigen Hinterbeinen treten.
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6. Dieses Känguru hüpft nicht
Hüpfen ist das Markenzeichen des australischen Wappentiers. Aber eine Känguruart macht da nicht mit. Das Moschusrattenkänguru, ein seltener Waldbewohner Nordaustraliens, bewegt sich auch bei hohem Tempo auf allen vieren fort. Gerade das macht die Art für Forscher so interessant: Sie könnte Hinweise darauf liefern, wie sich das typische Känguru-Hüpfen überhaupt entwickelt hat.
Beobachtet wurde bei den Tieren meist ein sogenannter „Bound“ oder „Half-Bound“. Dabei setzen sie ihre Hinterbeine gleichzeitig nach vorn und ziehen anschließend die Vorderbeine nach. Die Bewegung erinnert bereits an das Hüpfen, bleibt aber ein vierbeiniger Gang. Selbst bei schneller Fortbewegung wechselt das Moschusrattenkänguru nie zum typischen Springen auf den Hinterbeinen.
Ein solches Bewegungsmuster wurde in dieser Form bei keinem anderen vierbeinigen Beuteltier dokumentiert. Die Beobachtungen stützen deshalb die Theorie, dass sich das Hüpfen der Kängurus schrittweise entwickelt hat – vom vierbeinigen Vorwärtsspringen bis zum heutigen Hüpfen auf zwei Beinen.4
7. Kängurus können tagelang ohne Wasser überleben
Kängurus leben auch in trockenen Regionen Australiens, in denen Wasser zeitweise knapp sein kann. Dabei sind die Tiere erstaunlich sparsam mit der Ressource: Sie nehmen Wasser nicht nur durch Trinken, sondern auch über ihre Nahrung auf. Enthält das Futter viel Wasser, können Kängurus laut Beobachtungen mehrere Tage ohne direktes Trinken auskommen.
Besonders gut an trockene Bedingungen angepasst sind Rote Riesenkängurus. Sie trinken laut der Quelle häufig nur alle drei bis fünf Tage. Unter extremen Bedingungen können sie sogar noch länger auskommen, ohne eine bekannte Wasserstelle aufzusuchen. Wie lange ein Känguru ohne direktes Trinken auskommt, hängt allerdings unter anderem von der Außentemperatur und dem Wassergehalt der Nahrung ab.5

