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Sollte man Wildvögel das ganze Jahr über füttern?

Nahrung für Meise, Amsel...

Sollte man Wildvögel das ganze Jahr über füttern?

Wildvögel das ganze Jahr füttern: Blaumeisen am Meisenknödel
Blaumeisen lieben Meisenknödel – doch sollte man solches Futter das ganze Jahr über anbieten? Foto: Getty Images

Meist nach dem ersten Frost stehen sie in zahlreichen Vorgärten und auf Balkonen: Futterhäuschen für Wildvögel. Doch sollte man die Tiere tatsächlich nur während der kalten Jahreszeit füttern oder geht das auch das ganze Jahr über? Was spricht dafür, was dagegen und worauf sollte man achten, wenn man Wildvögel im Sommer füttern möchte? PETBOOK hat einen Experten gefragt.

Darf man Wildvögel überhaupt füttern?

Auch wenn sich Experten uneins sind, ob das Füttern von Wildvögeln nötig ist: Verboten ist es nicht. Zwar haben zahlreiche Städte und Gemeinden das Füttern von Tauben untersagt, für Meisen, Amseln, Rotkehlchen und andere Gartenbewohner gilt das Verbot aber nicht. Während einige Fachleute empfehlen, Wildvögel nur im Winter zu füttern, mehren sich inzwischen die Stimmen, die dazu raten, ihnen ganzjährig etwas anzubieten. Einer der Gründe: Immer weniger Insekten, die sonst als Nahrungsquelle dienen.

Was spricht für eine ganzjährige Fütterung?

Unter anderem verbesserten sich die Überlebenschancen junger Vögel, die gerade erst ihr Nest verlassen haben, sagt Vogel-Experte Martin Rümmler vom NABU auf PETBOOK-Nachfrage. Zudem erleichtere ein zusätzliches Futterangebot Altvögeln, die mit der kräftezehrenden Versorgung ihres Nachwuchses beschäftigt sind, die eigene Nahrungsaufnahme. Knappe Insektenbeute könne man dann an die Jungvögel im Nest verfüttern, die auf solche Kost angewiesen sind. Das Beobachten der Tiere am heimischen Futterhäuschen und das damit verbundene Naturerlebnis seien zudem ein wichtiger Effekt für die Umweltbildung, hebt Rümmler hervor. Denn: „Im Sommer finden sich oft sogar mehr Vögel an Futterstellen als im Winter.“ Gründe seien unter anderem der erhöhte Nahrungsbedarf durch die Brut und eine höhere Anzahl von Tieren wegen flügge gewordener Jungvögel.

Was spricht dagegen, Wildvögel auch im Sommer zu füttern?

„Studien zeigen einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit durch fettreiches Futter“, so Martin Rümmler zu PETBOOK. Zudem werde das meist in Vogelhäuschen angebotene Körner- und Fettfutter dann auch an Jungtiere verfüttert, obwohl diese für ihre Entwicklung auf proteinreiche Insektennahrung angewiesen sind. „An Sommerfutterstellen besteht außerdem eine erhöhte Gefahr der Ausbreitung von Vogelkrankheiten.“ Hohe Temperaturen und eine größere Anzahl von Vögeln begünstigten die Vermehrung und Verteilung der Erreger.

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Sollte man im Sommer anderes Futter anbieten als im Winter?

Besser ist das, sagt Vogelexperte Martin Rümmler vom NABU. Da die Tiere im Winter andere Bedürfnisse hinsichtlich ihrer Nahrung haben als im Winter, ist es ratsam, auch das Angebot anzupassen. Im Handel erhältliches Winterfutter für Wildvögel enthalte oft ausschließlich Fettnahrung und Sämereien, tatsächlich jedoch gibt es hierzulande nur wenige Vögel wie etwa Gimpel und Tauben, die auch ihre Jungen mit Sämereien füttern. „Im Sommer sind Kleinsaaten und vor allem proteinreiche Insektennahrung für die Aufzucht der Jungen besser.“

Geeignet seien etwa lebende, frischtote oder aufgetaute Insekten. Auch Regenwürmer oder Maden für den Anglerbedarf können angeboten werden. Viele dieser Insekten sind im Fachhandel erhältlich. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Insekten in Futterschalen schnell vertrocknen oder davonkriechen, so Rümmler. Grillen und Schaben, die auch an Terrarientiere verfüttert werden, seien jedoch oft zu fetthaltig und entsprächen nicht „der natürlichen Insektenspeisekarte“. Am besten sei es, wenn Garten, Balkon oder Umgebung naturnah gestaltet sei, sodass sich möglichst viele Insekten, Spinnen und andere Lebewesen von selbst ansiedelten.

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Welches Futter ist nicht für Wildvögel geeignet?

Brot, Backwaren und gewürzte Speisen haben im Vogelhäuschen nichts zu suchen – egal zu welcher Jahreszeit. Generell sollte man beim Kauf von fertigem Futter darauf achten, dass in der Mischung keine Samen und Bestandteile fremder, möglicherweise invasiver Pflanzenarten wie etwa der Ambrosia enthalten sind. „Idealerweise besteht das Futter für Wildvögel aus Saaten heimischer Arten und stammt aus biologischem Anbau“, rät Martin Rümmler. Erhältlich ist es im Fachhandel oft als „Waldvogelfutter“.

Tipp: Im Fachhandel und im Internet gibt es Informationen darüber, was welches Tier am liebsten frisst. So lässt sich das Futter für die fliegenden Besucher individuell zusammenstellen.

Was muss man beim Futterplatz beachten?

Ob Sommer oder Winter: Die Futterstelle sollte man so aufstellen, dass jagende Tiere nicht leicht herankommen können. Theoretisch kann das Futter auch in der Sonne stehen, vor Regen jedoch sollte es geschützt sein, damit es nicht durch Feuchtigkeit verdirbt, sagt Martin Rümmler zu PETBOOK. Sogenannte Futtersilos und ähnliche Vorrichtungen sind meist besser regengeschützt als klassische Futterhäuschen, bei denen die Tiere außerdem oft im Futter stehen. Dabei können sie über die Füße leicht Krankheitserreger in die Nahrung tragen. Nachteil: Manche Vögel sammeln ihr Futter lieber vom Boden auf und fliegen die Silos deswegen nicht an.

Rotkehlchen an einem Futterspender
Der NABU rät bei der Fütterung von Wildvögeln zu Futtersilos wie diesem, an dem gerade ein Rotkehlchen sitztFoto: Getty Images

Generell muss an der Futterstelle auf Hygiene geachtet werden: Altes Futter, Fett- und Kotspuren sollten regelmäßig entfernt und nur frische Nahrung verwendet werden. Bei Schimmelspuren muss das gesamte Futter entsorgt werden. Das gilt für Sommer und Winter. Und man muss regelmäßig füttern, damit die Tiere nicht „umsonst“ kommen und dann hungrig suchen müssen.

Da Vögel Frühaufsteher sind, sollte das Futter ab den Morgenstunden bereitstehen. Finden sich um die Futterstelle vermehrt tote oder kranke Vögel, muss man das Füttern zunächst einstellen, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern.

Brauchen Wildvögel auch Wasser?

Wenn es heiß und trocken ist, auf jeden Fall, sagt NABU-Vogelexperte Martin Rümmler. „Geeignet als Wasserstelle sind flache, große Schalen, damit die Vögel nicht ertrinken.“ Spezielle Vogelbäder, aber auch saubere Untersetzer für Blumenkübel erfüllen ihren Zweck. Einzelne Steine in der Schale dienen als Sitzgelegenheit auch für Insekten, die dann ebenfalls trinken können.

Wie auch die Futterstelle sollte man die Tränke so aufstellen, dass die Vögel jagende Tiere früh genug wahrnehmen können. Achtung: Auch an der Wasserstelle ist auf Sauberkeit zu achten! „Schale und Steine müssen ebenfalls regelmäßig gereinigt werden“, so Rümmler zu PETBOOK. Dafür sollten jedoch keine Desinfektionsmittel verwendet werden. Neutralreiniger oder Spülmittel reichen aus. Unbedingt beachten: „Tauchen rund um die Wasserstelle vermehrt kranke oder tote Vögel auf, sollte das Angebot – wie auch beim Futter – für ein paar Wochen eingestellt werden, damit es zu keiner Ausbreitung von Krankheiten kommt“, rät Rümmler.

Fazit: Wildvögel darf man auch im Sommer in Maßen füttern. Vor allem bei Hitze und Trockenheit sollte man zudem auf das Bereitstellen von Wasser achten. Am besten für die Tiere ist jedoch eine naturnahe Umgebung, in der Vögel selbst genug Nahrung finden. Und egal, ob Sommer oder Winter: Im Bereich der Futter- und Wasserstellen sollte man unbedingt auf Hygiene achten.

Quellen

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