3. August 2025, 8:16 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
In Deutschland gibt es etwa 3.700 Schmetterlingsarten. Was wir meinen, wenn wir von Schmetterlingen sprechen, sind meist die sogenannten Tagfalter. Davon sind etwa 200 verschiedene Arten in Deutschlan d heimisch. Man kann sie vor allem im Sommer beobachten. Das hat den Grund, dass bei vielen heimischen Arten zu dieser Jahreszeit die fertig entwickelten Falter aus dem Kokon geschlüpft und nun auf der Suche nach Nahrung sind – und nach einem Partner. PETBOOK stellt die häufigsten Arten vor.
Diese Schmetterlinge fliegen im Sommer in Deutschland
Wer das Gefühl hat, früher gab es mehr Schmetterlinge, liegt nicht falsch. Wie zahlreiche andere Insekten auch leiden Schmetterlinge in Deutschland unter dem Schwund ihrer Lebensräume und dem Verlust von Futterpflanzen. Viele Falter oder deren Raupen sind an bestimmte Pflanzen wie Disteln oder Brennnesseln gebunden – und wenn diese verschwinden, verschwinden auch die Schmetterlinge. Wer im Garten eher selten Falter-Besuch hat, erfährt in diesem myHOMEBOOK-Artikel, mit welchen Pflanzen man die Insekten anlockt. Denn mehr als 50 Prozent aller Falterarten stehen auf der Roten Liste. Doch einige anpassungsfähige Arten lassen sich noch immer recht häufig beobachten. 1 2
1. Das Tagpfauenauge
An seinen auffälligen Augenflecken ist das Tagpfauenauge gut zu erkennen. Diese besitzt es, um Fressfeinde abwehren zu können. Nähert sich beispielsweise ein Vogel dem Tagpfauenauge, klappt es seine Flügel ruckartig auseinander, begleitet von einem zischenden Geräusch. Die augenförmigen Flecken auf den Flügeln gaukeln dem Vogel vor, dass es sich nicht um einen wehrlosen Falter, sondern um ein größeres, potenziell gefährliches Tier handelt – und er nimmt Reißaus.
2. Der Zitronenfalter
Der Zitronenfalter gehört zu den Schmetterlingen in Deutschland, die man am häufigsten sieht. Doch nur die Flügel der Männchen besitzen die namensgebende, intensive gelbe Farbe. Die Weibchen sind eher weiß bis hellgrün gefärbt. Unter allen heimischen Schmetterlingen besitzen Zitronenfalter die höchste Lebensdauer – sie können bis zu einem Jahr alt werden. Zitronenfalter überwintern nicht wie viele andere Arten als Ei oder Raupe, sondern als erwachsener Schmetterling. Möglich macht dies eine Art „Frostschutzmittel“ im Körper der Tiere, das sie vor dem Erfrieren schützt. 3
3. Das Taubenschwänzchen
Nanu, ist das etwa ein Kolibri? Das Taubenschwänzchen zeigt ein ähnlich wendiges, schnelles Flugverhalten wie die kleinen exotischen Vögel: Im Schwirrflug fliegt dieser heimische Falter an Futterpflanzen wie den Sommerflieder heran, um Nektar zu saugen. Die Wanderfalter können große Distanzen zurücklegen. Bis zu 3000 Kilometer in weniger als zwei Wochen zu bewältigen, ist für Taubenschwänzchen kein Problem.
4. Der Große Kohlweißling
Bei Gärtnern und Gemüsebauern ist der Kohlweißling nicht gerade beliebt. Denn der weiße Falter legt seine kegelförmigen Eier gerne auf den namensgebenden Kohlpflanzen ab. Sobald die Raupen geschlüpft sind, machen sie sich über das Gemüse her. Typisch für diese Art sind die großen Populationsschwankungen: In manchen Jahren gibt es sehr viele Kohlweißlinge, in anderen ist dieser heimische Schmetterling kaum zu sehen.
5. Das Schachbrett
Seiner schwarz-weißen Färbung verdankt das Schachbrett seinen Namen. Am liebsten hält sich dieser Falter auf sonnigen, nicht zu feuchten Wiesen auf sowie an Waldlichtungen und Böschungen. Zu den Nahrungspflanzen der erwachsenen Schmetterlinge zählen Wildblumen wie Disteln und Wiesen-Schaumkraut. Die Raupen bevorzugen dagegen Gräser, wie zum Beispiel Rispengras. 2019 war das Schachbrett „Schmetterling des Jahres“. Dieser Titel wird von dem BUND NRW Naturschutzstiftung vergeben.
6. Der Gemeine Bläuling
Noch bis in den September hinein können Naturfreunde diesen himmelblau bis violett gefärbten Schmetterling in Deutschland beobachten. Allerdings hat nur die Flügeloberseite der Männchen die charakteristische blaue Farbe – die Weibchen sind deutlich unauffälliger und eher bräunlich gefärbt. Interessanterweise gibt es bei dieser Art hin und wieder sogenannte Halbseiten-Gynander, die sowohl weibliche als auch männliche Zellen in sich tragen. Sie haben dann einen blauen und einen braunen Flügel.
7. Der Kleine Fuchs
Der Kleine Fuchs wird auch Nesselfalter genannt. Denn seine Raupen ernähren sich fast ausschließlich von Brennnesseln. Der ausgewachsene Falter hingegen bevorzugt den Nektar von Disteln und Wasserdost. Insbesondere die Männchen scheinen tagsüber und bei günstiger Witterung ein territoriales Verhalten zu zeigen: Sie vertreiben andere Falter sowie größere Insekten aus „ihrem“ Gebiet.
8. Großer Fuchs
Der Große Fuchs sieht dem Kleinen Fuchs ähnlich, kommt aber weniger häufig vor. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 55 Zentimetern ist er deutlich größer, dafür aber weniger lebhaft gefärbt als sein Namensvetter. Während die Art in der Mittelmeerregion häufig vorkommt, trifft man den Schmetterling in Deutschland noch eher selten. Die besten Chancen hat man vom Frühjahr bis Sommer in lichten Wäldern, deren Rändern sowie auf verbuschten Trockenrasen.4
9. Schwalbenschwanz
Der Schwalbenschwanz ist einer der größten tagaktiven Falter. Seine Flügel sind gelb und schwarz gemustert. Charakteristisch für die Art ist ein dunkelroter Augenfleck auf dem Hinterflügel sowie ein langer Fortsatz. Bei ausgebreiteten Flügeln erinnern diese „Schwänzchen“ an die typische Form der Schwanzfedern im Flug der Schwalbe.
Der Schwalbenschwanz bevorzugt sonniges und offenes Gelände. In Deutschland kann man diese Schmetterlinge vom Frühling bis in den Herbst auf Trockenrasen oder mageren Wiesen beobachten.
9. Trauermantel
Den Trauermantel erkennt man an seinem cremefarbenen und gezackten Flügelrand, der im Kontrast zu den sonst dunkelbraunen oder dunkelvioletten Flügeln steht. Davor befindet sich ein schwarzes Band mit blauen Punkten. Auf offenen Flächen begegnet man dieser Art eher selten. Trauermäntel halten sich vornehmlich in lichten, offenen Laubwäldern aber auch in Obstgärten und Alleen auf. Man kann die Schmetterlinge in Deutschland das ganze Jahr lang beobachten.
10. Distelfalter
Der Distelfalter gehört zu den Wanderfalterarten. Diese können weite Strecken zurücklegen. Genau wie manche Vogelarten ziehen auch die Distelfalter zum Überwintern in wärmere Gefilde – in diesem Fall Südeuropa. Von Mai bis Juli fliegen die Schmetterlinge dann wieder nach Deutschland ein. Die Art bevorzugt trockene Lebensräume. Man kann sie daher vor allem auf Trockenrasen antreffen und dort – wie der Name verrät – wo viele Disteln vorkommen.
11. Landkärtchen
Das Landkärtchen gibt es gleich in zwei Ausführungen: der Frühjahres- und der Sommergeneration. Während die erwachsenen Falter im Frühjahr bräunlich rot bis orange gefärbt sind, haben die Flügel der Generation im Sommer eine schwarzbraune bis braune Grundfärbung und sind damit wesentlich dunkler. Beide bevorzugen jedoch feuchte Hochstaudenfluren mit Brennnesseln. In Deutschland kann man die Schmetterlinge in lichten Wäldern, an Waldrändern und in Übergangsmooren beobachten.
12. Admiral
Der Admiral ist ein auffällig gemusterter Tagfalter mit roten Binden auf braunen Flügeln. Ursprünglich ein Wanderfalter aus Südeuropa, überwintert er inzwischen auch in Mitteleuropa. Man findet ihn an Waldrändern, in Gärten und auf Wiesen. Erwachsene Tiere saugen an Blüten und Fallobst, die Raupen fressen Brennnesseln. Typisch sind seine vierbeinige Sitzhaltung und der starke Farbunterschied zwischen Flügelober- und -unterseite.
13. Schornsteinfeger oder Brauner Waldvogel
Der Braune Waldvogel ist ein unscheinbar brauner Tagfalter mit charakteristischen Augenflecken auf der Flügelunterseite. Er fliegt von Juni bis August und lebt bevorzugt in halbschattigen, strauchreichen Waldsäumen. Seine Raupen ernähren sich von Gräsern und überwintern meist im dritten Larvenstadium. Die Art ist weit verbreitet – von Nordspanien über Mitteleuropa bis nach Korea – und fliegt in einer Generation pro Jahr.