17. Juni 2026, 16:46 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer beim Baden plötzlich eine Schlange im Wasser entdeckt, bekommt schnell einen Schreck. Tatsächlich leben in Deutschland mit der Ringelnatter und der seltenen Würfelnatter gleich zwei Schlangenarten, die ausgezeichnet schwimmen können. Ob Badegäste Angst haben müssen und wie sie sich bei einer Begegnung verhalten sollten, haben die Deutsche Wildtier Stiftung und der NABU gegenüber PETBOOK erklärt.
Diese Schlangen leben an und in deutschen Gewässern
Eine der bekanntesten Wasserschlangen Deutschlands ist die Ringelnatter. Sie lebt bevorzugt in der Nähe von Gewässern und gilt als hervorragende Schwimmerin, erklärt Jenifer Calvi, Pressereferentin der Deutschen Wildtier Stiftung. Große Weibchen können sogar eine stolze Länge von bis zu 150 Zentimetern erreichen.
Für Menschen sei die Art vollkommen ungefährlich. „Zwar besitzen Ringelnattern sogenannte Duvernoysche Drüsen, in denen ein schwaches Sekret produziert wird – dieses ist für den Menschen jedoch unbedenklich und dient lediglich dazu, kleinere Beutetiere zu lähmen“, führt Calvi aus.
Ringelnattern sind außerdem äußerst scheu. Statt die Nähe von Menschen zu suchen, versuchen sie zu fliehen. Fühlt sich das Tier bedroht und kann nicht entkommen, greift es zu einer ungewöhnlichen Strategie: Es stellt sich tot. Dabei dreht es sich auf den Rücken, verdreht die Augen und lässt die Zunge aus dem geöffneten Maul hängen.
Neben der Ringelnatter gibt es noch eine zweite heimische Wasserschlange: die Würfelnatter. „Sie zählt zu den seltensten Reptilien Deutschlands und wird auf der Roten Liste in der Kategorie ‚Vom Aussterben bedroht‘ geführt“, so Calvi. Heute kommt sie nur noch vereinzelt in Rheinland-Pfalz und Sachsen vor.
Auch Silvia Teich, Pressesprecherin des NABU, bestätigt gegenüber PETBOOK: „Es gibt in Deutschland zwei Schlangenarten, die auch im Wasser leben und gute Schwimmer sind. Es sind die Ringelnatter und die Würfelnatter. Beide sind für den Menschen völlig ungefährlich und ungiftig.“
Werden Schlangen in Badeseen häufiger?
Immer wieder berichten Badegäste von Begegnungen mit Schlangen im Wasser. Dass die Tiere häufiger werden, lässt sich laut Experten jedoch nicht bestätigen. „Solche Beobachtungen liegen nicht vor – eher das Gegenteil ist der Fall“, sagt Calvi.
Die Bestände vieler heimischer Schlangenarten gehen eher zurück, sind teilweise sogar gefährdet, heißt es vom NABU. Ursache sei vor allem der Verlust geeigneter Lebensräume. Alle einheimischen Schlangenarten stehen deshalb unter besonderem Schutz.
Können Wasserschlangen Badegästen gefährlich werden?
Die klare Antwort der Expertinnen lautet: nein. Calvi erklärt: „Einheimische Schlangen sind Fluchttiere, die den Kontakt mit Menschen konsequent meiden.“ Schon leichte Erschütterungen reichen meist aus, damit sich die Tiere zurückziehen. „Auch im Wasser gilt: Eine Ringelnatter würde bei Störung stets abtauchen und wegschwimmen.“
Nach Einschätzung der Deutschen Wildtier Stiftung werden heimische Schlangen häufig mit deutlich gefährlicheren Arten aus anderen Teilen der Welt verwechselt. „Ein häufiges Missverständnis besteht darin, heimischen Arten Eigenschaften zuzuschreiben, die man von exotischen Schlangen kennt.“
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„Ein Biss im Wasser könnte theoretisch nur unter einer Bedingung passieren: Wenn man aktiv nach der Schlange greift, sie in die Enge treibt oder versehentlich im seichten Wasser direkt auf sie tritt und das Tier keinen Fluchtweg mehr sieht“, erklärt Calvi.
Selbst wenn, wäre ein Biss für gesunde Menschen in der Regel harmlos. Ringelnattern hinterlassen allenfalls eine oberflächliche Wunde, die desinfiziert werden sollte, heißt es von der Deutschen Wildtier Stiftung.
So sollten Sie reagieren, wenn Sie eine Schlange im See entdecken
Wer beim Schwimmen plötzlich eine Ringelnatter entdeckt, sollte vor allem ruhig bleiben. Sollten Badegäste doch auf eine Schlange im Wasser stoßen, rät NABU-Sprecherin Teich zum Ausweichen. Vermeiden sollten Badegäste vor allem eines: die Schlange anzufassen. „Versuchen Sie nicht, nach der Schlange zu greifen, um sie in die Hand zu nehmen. Das löst Stressreaktionen bei der Schlange aus. Lassen Sie die Natter in Ruhe an Ihnen vorüberziehen“, heißt es von der Deutschen Wildtier Stiftung.
Deren Sprecherin Calvi sieht darin sogar eine Chance: „Innehalten, staunen und sich freuen, denn diesen Anblick hat man nicht oft“. Immerhin sind Ringel- und Würfelnatter in Deutschland selten geworden. „Die Ringelnatter – Weibchen können bis zu 150 Zentimeter lang werden – ist eine äußerst elegante Schwimmerin, deren Anblick selten ist und sich durchaus lohnt.“