22. September 2025, 15:07 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer in Deutschland einer Schlange begegnet, erschrickt oft erst einmal – und nicht selten wird die Ringelnatter für gefährlich gehalten. Sie ist die häufigste Schlange in Deutschland und lebt seit Jahrhunderten in enger Nachbarschaft mit uns Menschen. Früher galt sie sogar als Glücksbringer. PETBOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider erklärt, warum die Ringelnatter (Natrix natrix) nicht nur völlig harmlos, sondern auch ein spannendes und wichtiges Tier unserer heimischen Natur ist.
So erkennen Sie die Ringelnatter
Die Ringelnatter ist relativ leicht zu bestimmen: Am auffälligsten sind zwei helle, meist gelblich bis weiß gefärbte Halbmondflecken am Hinterkopf – daher auch ihr Name. Ihr Körper ist oberseits grau bis olivgrün gefärbt und mit dunklen Flecken versehen, die Unterseite ist heller. Ausgewachsene Tiere erreichen Längen zwischen 80 und 120 Zentimetern, Weibchen können sogar bis zu 150 Zentimeter lang werden. Typisch sind außerdem die runden Pupillen und die großen Schuppenplatten auf dem Kopf.1
Sind Ringelnattern giftig?
Nein – die Ringelnatter ist ungiftig. Zwar besitzt sie Drüsen, die ein schwaches Sekret absondern können, doch das ist ausschließlich für ihre Beutetiere wie Amphibien von Bedeutung. Für Menschen und Haustiere ist es völlig ungefährlich. Anders als „wahre“ Giftschlangen hat die Ringelnatter keine Giftzähne, sie tötet ihre Beute also nicht mit Toxin, sondern verschlingt sie lebendig oder schwächt größere Tiere durch Umschlingen.
Sind Ringelnattern gefährlich?
Auch hier ist die Antwort eindeutig: nein. Ringelnattern sind scheu und suchen sofort das Weite, wenn sie gestört werden. Nur wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen, versuchen sie, durch Drohgebärden wie Zischen, Aufplustern oder Scheinangriffe zu beeindrucken. Manche stellen sich sogar tot – mit geöffnetem Maul und herausgestreckter Zunge. Für den Menschen stellen sie keinerlei Gefahr dar.2
Was fressen Ringelnattern?
Der Speiseplan der Ringelnatter besteht überwiegend aus Amphibien: Frösche, Kröten, Molche und Kaulquappen gehören zu ihren Lieblingsbeutetieren. Aber auch kleine Fische, Eidechsen, Mäuse oder Schnecken werden gefressen. Jungtiere ernähren sich zunächst von kleineren Beutetieren wie Regenwürmern oder Kaulquappen. Ihre Beute finden Ringelnattern durch ständiges Züngeln – eine Art, Gerüche „zu schmecken“.3
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Wo leben Ringelnattern?
Ringelnattern sind eng an Gewässer gebunden, da ihre Hauptnahrung dort lebt. Der lateinische Name Natrix natrix bedeutet Wasserschlange und ist Programm. Hätte die Ringelnatter ein Hobby, wäre es Schwimmen und Tauchen. Die Tiere bevorzugen Feuchtgebiete, Teiche, Seen, Flüsse oder Sümpfe und sind auch in naturnahen Gärten oder an Bahndämmen zu finden, solange Wasser in der Nähe ist. Dort suchen sie sonnige Plätze zum Aufwärmen und geschützte Verstecke für die Nacht oder den Winter. Ihre Winterquartiere liegen meist in Komposthaufen, Erdhöhlen oder Baumstümpfen.4
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Wie verhalte ich mich, wenn ich eine Ringelnatter finde?
Das Wichtigste: ruhig bleiben und Abstand halten. Die Ringelnatter ist nicht aggressiv und wird von allein fliehen, sobald sie die Möglichkeit dazu hat. Wer ihr begegnet, sollte ihr nicht den Weg versperren, sondern einfach ein paar Schritte zurücktreten. Auf keinen Fall sollte man die Tiere anfassen, einfangen oder gar töten – das ist nicht nur unnötig, sondern auch gesetzlich verboten.5
Sind Ringelnattern gefährdet?
Obwohl die Ringelnatter in Deutschland noch recht verbreitet ist, steht sie inzwischen auf der Vorwarnliste gefährdeter Arten. In einigen Regionen, etwa in Baden-Württemberg, gilt sie sogar als gefährdet. Hauptgründe sind der Verlust von Lebensräumen – Feuchtgebiete werden trockengelegt, Gewässer ausgebaut und Landschaften zerschnitten. Hinzu kommen Verkehrsunfälle und leider auch die Tötung durch Menschen, die die Schlange für giftig halten.
Unter Schutz steht sie bereits: Nach Bundesnaturschutzgesetz darf sie nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Auch ihre Eier und Quartiere sind geschützt. Maßnahmen wie die Renaturierung von Feuchtgebieten oder die Anlage von Eiablageplätzen in naturnahen Gärten können der Ringelnatter helfen.
Zur Autorin
Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren.