31. März 2026, 14:50 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Was zunächst wie ein einmaliges Naturphänomen wirkte, hat sich wiederholt – und sorgt für Staunen selbst unter Fachleuten. Eine Regenbogenboa namens Ronaldo, die bereits ohne Kontakt zu einem Männchen Junge zur Welt brachte, hat dieses außergewöhnliche Ereignis nun ein zweites Mal erlebt.
Zweite „Jungferngeburt“ sorgt für Aufsehen
Die als „Ronaldo“ bekannte Brasilianische Regenbogenboa hat am City of Portsmouth College (COPC) erneut Nachwuchs bekommen – diesmal zwölf Jungtiere. Bereits 2024 hatte die Schlange für Aufmerksamkeit gesorgt, als sie schon einmal ohne Paarung 14 Jungschlangen gebar. Und das, obwohl „er“ seit neun Jahren keinen Kontakt mit Artgenossen hatte.
Denn lange Zeit galt das Tier als männlich, doch die wiederholte Geburt bestätigt das Gegenteil. Das seltene Phänomen wird als Parthenogenese bezeichnet – eine Form der Fortpflanzung ohne Befruchtung.
Pete Quinlan, Tierpfleger am College, ordnet die Entwicklung gegenüber der „BBC“ als außergewöhnlich ein. „Ich habe so viel recherchiert, wie ich konnte, und ich konnte keinen Fall finden, in dem das zweimal passiert ist“, sagte er. Zwar sei Parthenogenese bei dieser Art insgesamt nur wenige Male dokumentiert worden, doch dass dasselbe Tier gleich zweimal ohne Partner Nachwuchs bekommt, könnte noch seltener sein.
Regenbogenboa Ronaldo offenbar kein Männchen
Auch die erste Geburt Ronaldos wurde in einem Beitrag des City of Portsmouth College 2024 verkündet. Dort hieß es, dass Schüler und Mitarbeiter nicht schlecht gestaunt hätten, als die 6 Fuß (1,83 Meter) lange, männliche Boa plötzlich 14 Babys in seinem Vivarium hatte. Doch auch das Pronomen „seinem“ schien nun nicht mehr richtig. Denn es gab ja nun 14 „Beweisstücke“, dass Ronaldo wohl doch offensichtlich ein Weibchen ist.
Pete Quinlan, Reptilienspezialist des Colleges, wurde daher zurate gezogen und habe sich schockiert gezeigt. „Ich züchte seit 50 Jahren Schlangen, und so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte er in der Mitteilung. Ronaldo habe nur etwas dicker ausgesehen, als hätte er eine große Mahlzeit gegessen, „aber wir hätten nie gedacht, dass er – oder besser gesagt sie – schwanger ist.“
Diese Tiere können sich auch ohne Partner fortpflanzen
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Wie Regenbogenboa Ronaldo sich selbst befruchtete
Regenbogenboas leben eigentlich in Mittel- und Südamerika, haben aber ihren Weg auch in Terrarien und Vivarien von Reptilienhaltern gefunden. Dort leben sie zumeist in Einzelhaltung, so auch die Boa in Portsmouth.
Hinter der Jungferngeburt von Ronaldo steckt ein biologisches Phänomen, das sich Parthenogenese oder auch Jungferngeburt nennt. Zuvor wurde es als äußerst seltene Laune der Natur beschrieben, doch mittlerweile weiß man von über 80 Arten, die sich ohne Partner vermehren können. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in diesem PETBOOK-Artikel: Diese Tiere können sich auch ohne Partner fortpflanzen.
Ronaldo ist zudem nicht die erste Rote Brasilianische Regenbogenboa (Epicrates cenchria cenchria) bei der dieses Phänomen beobachtet wurde. Bereits 2013 wurde ein ebenfalls in Gefangenschaft lebendes Exemplar namens Pantanal wissenschaftlich untersucht, nachdem es plötzlich ganz allein Junge zur Welt brachte.1
Auch eine kolumbianische Regenbogenboa (Epicrates maurus), die zwar eine andere Art ist, aber zur selben Familie wie Ronaldo gehört, brachte bereits mehrfach Jungtiere durch Parthenogenese zur Welt.2
Klonen durch Chromosomenübertragung
Bereits Wochen zuvor hatte Quinlan die Vermutung, Ronaldo könnte erneut Nachwuchs erwarten, wie er der „BBC“ weiter berichtet. „Ich hatte ein paar Wochen lang den Verdacht, und dann zeigte sie plötzlich alle Anzeichen.“ Die Schlange zeigte wohl typische Anzeichen einer Trächtigkeit: Sie baute Nester, häutete sich ungewöhnlich häufig und fraß weniger. Um sie nicht zu stören, wurde Ronaldo in einem ruhigen Vivarium untergebracht, wo Studenten ihr Verhalten beobachten konnten.
Heute kümmern sich die Studenten auch um die Aufzucht der Jungtiere und sammeln praktische Erfahrungen im Umgang mit Reptilien, wie auch schon um die Brut aus 2024. Damals hatte Quinlan die Babys eingehend untersucht. Er lieferte Hinweise darauf, um welche Art der eingeschlechtlichen Fortpflanzung es sich handeln könnte. „Die Jungtiere sind praktisch Klone ihrer Mutter, obwohl sie alle leicht unterschiedlich gezeichnet sind“, heißt es in der Mitteilung. Wenn der Experte Recht behält, dann handelt es sich auch diesmal um eine komplette Übertragung des Chromosomensatzes des Muttertiers.
Es sei eine fantastische Gelegenheit für die Schüler, etwas über die Entwicklung von Babyschlangen zu erfahren, fügt Quinlan hinzu. Die 14 Jungtiere sollen nun ihre eigenen Behausungen bekommen und ihr Geschlecht bestimmt werden. Es ist zu hoffen, dass man dabei erfolgreicher ist als bei ihrer Mutter, die allen Informationen nach immer noch den Namen Ronaldo trägt.