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Parthenogenese

Wie bekommen manche Tiere Nachwuchs ganz ohne Männchen?

Schaufelhammerhai im Wasser
Ohne Männchen Nachwuchs bekommen? Beim Schaufelhammerhai wurde dieses ungewöhnliche Phänomen bereits dokumentiert Foto: Getty Images
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

3. August 2026, 6:18 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Ein Hai ohne Partner. Ein Krokodil ohne Befruchtung. Und sogar einige Schlangenarten können Nachwuchs bekommen, obwohl kein Männchen beteiligt ist. Was lange als biologische Kuriosität galt, wurde inzwischen bei einigen Tierarten nachgewiesen. Doch wie schaffen es manche Tiere, sich einfach selbst zu vermehren?

Wie die Parthenogenese funktioniert

Die Parthenogenese ist eine Form der eingeschlechtlichen Fortpflanzung. Dabei entstehen Nachkommen aus unbefruchteten Eizellen. Sie kann auf verschiedene Arten erfolgen.

Meiose läuft unvollständig ab

Bei einer Form findet die Meiose – die Reifeteilung von Zellen – in reduzierter Form statt. Denn eigentlich muss sich der Chromosomensatz halbieren, um eine Eizelle zu erzeugen, die anschließend befruchtet wird. Dabei entstehen im Weibchen fruchtbare Eizellen. Das restliche genetische Material wird in sogenannten Polkörperchen gelagert und dann nicht mehr verwendet – eigentlich. Denn bei der Parthenogenese kommt es wieder zusammen. Die Meiose wird teilweise unterdrückt oder unvollständig ausgeführt, und die Zellkerne verschmelzen miteinander.

Nachwuchs durch Klonen

Bei der weiteren Form der Parthenogenese findet gar keine Reifeteilung statt, der komplette Chromosomensatz bleibt unverändert erhalten. Die entstehenden Nachkommen sind praktisch Klone ihres Elterntiers. Dafür verantwortlich sind sogenannte diploide Keimbahnzellen – die von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Vermehrung durch „halbierte“ Zellen

Allerdings können sich auch einige Tiere, die Parthenogenese betreiben, mit halbierten Zellen vermehren. Durch die Zellteilung der Mitose wird das fehlende Material ersetzt. Parallel laufen hormonelle Prozesse ab und durch eine selbst-induzierte Schwangerschaft entsteht ein Individuum mit nur einem halben Chromosomensatz. Hierbei können sowohl Männchen als auch Weibchen geboren werden. Forscher gingen lange davon aus, dass die Tiere nicht gesund sind und eine geringere Lebenserwartung haben.1

Bei welchen Tieren Jungferngeburten auftreten

Früher glaubte man zudem, dass die Jungfrauengeburt nur äußerst selten vorkommt – quasi als Laune der Natur. Heute hat man die Parthenogenese jedoch schon bei über 80 verschiedenen Tieren beobachten können. Auch bei Krokodilen, bei denen dies eigentlich nicht als machbar galt, denn bei ihnen entscheidet die Temperatur über das Geschlecht des Nachwuchses (PETBOOK berichtete).

Zu den wenigen Haiarten, bei denen Jungferngeburten nachgewiesen wurden, zählt der Schaufelhammerhai. Weibchen können unter bestimmten Umständen Nachwuchs bekommen, obwohl kein Männchen beteiligt war. Der Fall zeigte, dass Parthenogenese selbst bei Haien möglich ist.2

Generell tritt die Parthenogenese am häufigsten bei Reptilien, Amphibien, Fischen und Vögeln auf. Bei Beuteltieren und Säugetieren gilt der Prozess (noch) als eher unwahrscheinlich. Bei einigen Bärtierchen-Arten kommt sie hingegen regelmäßig vor, findet sich aber auch bei Kalifornischen Kondoren, der afrikanischen Kapbiene und auch bei der Honigbiene. Denn die männlichen Bienen, auch Drohnen genannt, entstehen aus unbefruchteten Eiern. Bei vielen Rochen- und Hai-Arten findet sie sich außerdem. Dafür hat die Wissenschaft sogar bereits einen ersten Erklärungsansatz gefunden.3,4

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Tiere wechseln zu Parthenogenese, wenn Partner knapp sind

2015 konnten Forscher in einer großen genetischen Untersuchung feststellen, dass Tiere zur Parthenogenese übergehen, wenn ihre Art stark bedroht ist. Dies konnten sie anhand von DNA-Untersuchungen an Sägefischen feststellen.

Zuvor war man noch davon ausgegangen, dass dieser Prozess bei Wirbeltieren selten bis gar nicht geschieht. Scheinbar verfügen die vom Aussterben bedrohten Sägefische jedoch über einen gängigen Mechanismus, damit sie gesunde Nachkommen auch ohne Männchen produzieren können. Ganze drei Prozent der untersuchten 190 Tiere war eindeutig durch eingeschlechtliche Fortpflanzung entstanden.

Insbesondere Hai- und Rochenarten sind stark bedroht. Experten schätzen, dass bereits 70 Prozent ihrer Populationen verschwunden sind (PETBOOK berichtete). Allerdings tritt besonders bei diesen Tieren auch häufig Parthenogenese auf. Sie könnte also ein Trick sein, dem Aussterben zu entgehen. Allerdings braucht man für diese Theorie noch weitere Beweise.5

Bei welchen Tieren Parthenogenese die gängige Methode ist

Allerdings gibt es auch Tiere, bei denen die Parthenogenese der Regelfall ist und nicht auf das knappe Angebot an Sexualpartnern zurückzuführen ist, obwohl einige von ihnen mehrere Fortpflanzungsmöglichkeiten haben. Der treffend benannte Jungferngecko, der von Sri Lanka bis Neuseeland vorkommt, legt in der Regel parthenogenetisch entstandene Gelege. Allerdings gibt es in nahe verwandten Populationen auch Männchen, die sich zweigeschlechtlich fortpflanzen.

Bei Marmorkrebsen, Kronenschnecken und dem giftigsten Skorpion Brasiliens, dem Tityus serrulatus, ist die Parthenogenese die einzig nachgewiesene Fortpflanzungsmethode. Bei diesen Spezies gibt es gar keine Männchen.

Auch die Blumentopfschlange pflanzt sich so fort. Besonders bemerkenswert ist die vor allem in Südostasien sowie Indien vorkommende Schlange aber nicht nur deswegen. Denn sie hat keinen doppelten, sondern einen dreifachen Chromosomensatz. Dies ist auch bei der Marmorkröte der Fall, und sollte – nach allem was man bisher weiß – eigentlich zur Unfruchtbarkeit führen. Wie die Tiere sich mit diesem zusätzlichen genetischen Material immer wieder klonen, ist nur ein Aspekt dieses faszinierenden Phänomens, der noch weiter wissenschaftlich untersucht werden muss.6

Quellen

  1. Moreira, M. O., Fonseca, C., & Rojas, D. (2021). Parthenogenesis is self-destructive for scaled reptiles. Biology Letters, 17(5), 20210006. ↩︎
  2. dailymail.com, „Ocean explorer tracks down terrifying 'alien' sharks that can clone themselves lurking off US shores“ (aufgerufen am 03.08.2026) ↩︎
  3. Dedukh, D., Altmanová, M., Klíma, J., & Kratochvíl, L. (2022). Premeiotic endoreplication is essential for obligate parthenogenesis in geckos. Development, 149(7), dev200345. ↩︎
  4. Verma, S., & Ruttner, F. (1983). Cytological analysis of the thelytokous parthenogenesis in the Cape honeybee (Apis mellifera capensis Escholtz). Apidologie, 14(1), 41-57, PDF. ↩︎
  5. Fields, A. T., Feldheim, K. A., Poulakis, G. R., & Chapman, D. D. (2015). Facultative parthenogenesis in a critically endangered wild vertebrate. Current Biology, 25(11), R446-R447. ↩︎
  6. Wickramasinghe, N., Wickramasinghe, L. M., Vidanapathirana, D. R., Tennakoon, K. H., Samarakoon, S. R., & Gower, D. J. (2022). A molecular-genetics perspective on the systematics of the parthenogenetic flowerpot blindsnake Indotyphlops braminus (Daudin, 1803)(Squamata: Serpentes: Typhlopidae). Systematics and Biodiversity, 20(1), 1-16. ↩︎

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