9. August 2025, 8:05 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Riesige Raubfische, die plötzlich aus dem Wasser schießen und einen Schwimmer im Badesee attackieren? Was klingt wie eine Szene aus einem Horrorfilm, hat sich tatsächlich ereignet: Im mittelfränkischen Brombachsee sorgten gleich zwei Vorfälle mit Welsen für Aufsehen. Die imposanten Raubfische, die bis zu zwei Meter lang werden können, gelten als die größten Süßwasserfische Deutschlands. Müssen Badegäste nun ernsthaft um ihre Sicherheit fürchten? Fischereiwissenschaftler Robert Arlinghaus von der Humboldt-Universität zu Berlin erklärt, wie es zu solchen Begegnungen kommt – und warum Panik völlig unbegründet ist.
Was sich unter der Wasseroberfläche abspielt
Wer in einem See schwimmt, taucht ein in den natürlichen Lebensraum der Fische. Je nach Größe und Beschaffenheit des Sees kommen zwischen 50 und 100 verschiedene Fischarten vor. „Es werden also alle möglichen Arten wie Rotaugen, Barsche, Brassen oder auch mal ein Wels in Ihrer Nähe herumschwimmen. Da wird auch mal ein Hecht irgendwo im Schilf oder in den Unterwasserpflanzen lauern und Sie beobachten“, sagt Robert Arlinghaus, Professor und Fachgebietsleiter des Fachgebiets für Integratives Fischereimanagement an der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.
In der Regel bleiben diese Begegnungen jedoch unbemerkt – vor allem, weil die Sicht unter Wasser in vielen deutschen Seen eingeschränkt ist. Hinzu kommt, dass die Fische von Natur aus scheu sind. „Die Tiere haben ein gewisses Meideverhalten, sodass sie ein bisschen Abstand zu Schwimmern wahren. An Badestellen gewöhnen sich die Tiere mitunter auch an Menschen und schwimmen dort sichtbar um sie herum, insbesondere Rotaugen und Ukeleischwärme“, so Arlinghaus weiter.
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Wie real ist die Gefahr durch Raubfische i Badesee?
Ob Hechte oder Welse – beide zählen zu den heimischen Raubfischen, die auch in Badessen leben, und sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Doch tatsächliche Angriffe auf Menschen sind extrem selten. „Ängste sind völlig unbegründet. Ein Sechser im Lotto ist wahrscheinlicher als ein Angriff dieser Fische“, sagt Arlinghaus.
Hechte reagieren vor allem auf Bewegungen an der Wasseroberfläche – zum Beispiel, wenn ein Zeh vom Steg ins Wasser hängt. „Wenn man seine Beine vom Steg herunterbaumeln lässt und der Zeh berührt die Oberfläche, dann ist es schon mal vorgekommen, dass ein Hecht annimmt: ‚Das ist ein Fisch‘ – und den Zeh attackiert. Dafür braucht man aber ganz, ganz, ganz viel Pech“, betont der Experte. Unter Wasser seien Hechte hingegen absolut harmlos: „Da ignoriert er Badegäste und auch Taucher und bleibt einfach regungslos im Schilf oder Unterwasserkraut stehen oder schwimmt davon, wenn es ihm zu bunt wird.“
Wann Welse tatsächlich zubeißen könnten
Auch bei Welsen sind Attacken auf Menschen äußerst selten – und nahezu ausschließlich an eine bestimmte Zeit gebunden. „Alle paar Jahre gibt es Fälle, in denen ein Wels nach dem Bein eines Schwimmers schnappt. Das kann aber nur innerhalb der etwa zwei Wochen im Hochsommer passieren, in denen das Männchen ein Nest baut und bewacht“, erklärt Arlinghaus. Selbst dann komme es nur zu Angriffen, wenn ein Badegast zufällig das Gelege stört.
Solche Nester liegen jedoch in der Regel weit entfernt von Badezonen. „Das Nest befindet sich allerdings in geschützten, dunklen Bereichen, wo normalerweise auch nicht geschwommen wird. Der Wels baut sein Nest eben nicht am Badestrand, wo es lichtdurchflutet ist“, so Arlinghaus. Im Fall des Brombachsees sei es durch den niedrigen Wasserstand zu einem ungewöhnlichen Szenario gekommen: „Im konkreten Fall im Brombachsee waren die Uferbereiche trockengefallen, also wo das Wasser zurückgegangen war – und es gab Badeinseln. Die bieten einen Sonnenschutz, den ein Wels für sein Nest genutzt hat.“
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Was tun, wenn ein Fisch zubeißt?
Selbst wenn es zu einer Attacke kommt, besteht kaum Verletzungsgefahr: „Hat man das Pech und ein Wels greift an, gibt es aber keine relevanten Verletzungen – es ist eben kein Hai mit Riesenzähnen. Im Grunde hat der Wels keine Zähne, sondern Bürstenzähnchen. Greift er an, ist es eher ein Anstoßen, bei dem man einen Schreck bekommt.“
Experten raten in so einer Situation ruhig zu bleiben und das Wasser langsam zu verlassen. Auch wenn der Schreck groß ist – ernsthafte Verletzungen drohen nicht. Desinfizieren Sie kleine Wunden vorsorglich und beobachten Sie die Stelle. Bei stärkeren Reaktionen sollte allerdings ein Arzt aufgesucht werden.
So verhalten sich Schwimmer möglichst rücksichtsvoll
Auch wenn die Begegnung mit einem Wels oder Hecht in der Regel harmlos bleibt, ist der Mensch ein Störfaktor im Ökosystem See. „Sobald man in ein Gewässer reingeht, ist das eine gewisse Störung. Ob die ökologisch relevant ist, ist eine andere Frage. Das ist nur recht schlecht untersucht und dürfte nur bei Massenaufkommen über viele Wochen relevant werden“, sagt Arlinghaus.
Andere Einflüsse wie Trittschäden am Ufer oder chemische Rückstände aus Sonnencreme könnten deutlich größere Auswirkungen haben. Besonders problematisch sei das Zerstören von Unterwasserpflanzen, die wichtige Lebensräume für Fische bieten: „Ein Problem ist aber das Herausreißen von Unterwasserpflanzen und das Aufwühlen von Sediment, was das Gewässer eintrüben und Nährstoffe freiwaschen kann. Daher sollte man von großen Ansammlungen solcher Pflanzen Abstand halten, damit man sie nicht mit den Füßen löst. Diese Unterwasserpflanzen sind nämlich wichtige Fischlebensräume und sind wichtig für das Ökosystem. Also lieber an sandigen Badestränden ins Wasser gehen.“
Mit Material der dpa
