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Tausende Insekten greifen an

Imkerin wird Opfer von Bienenüberfall

Honigbienen stürzen sich auf offenen Honig
Wer Honig offen herumstehen lässt, riskiert eine Bienen-Räuberei – das wurde einer Ladenbesitzerin aus Kanada zum Verhängnis. Foto: Getty Images / intek1
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

2. Oktober 2025, 14:46 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Nach einem ungewöhnlich heißen und trockenen Sommer in Kanada wurde eine Imkerin Opfer eines besonders dreisten Überfalls. Tausende sogenannte Räuberbienen machten sich über den Honig in ihrem Laden her. Was wie eine Szene aus einem Thriller klingt, ist tatsächlich ein reales – wenn auch seltenes – Phänomen. PETBOOK-Redakteurin Saskia Schneider, Biologin und selbst Imkerin, erklärt, was dahintersteckt.

Schwarm stürmt Imkereiladen – Betreiberin gerät in Panik

Honigbienen besuchen eigentlich ausschließlich Blüten und kommen im Gegensatz zu Wespen selten an den gedeckten Tisch, um Süßes zu naschen. Doch es gibt eine Ausnahme: die sogenannten Räuberbienen. Sie haben es vor allem auf Vorräte der benachbarten Bienenvölker abgesehen, machen aber auch vor Honiglagern von Imkern nicht Halt. Wie schnell das Ganze in einen regelrechten Überfall mit Tausenden Bienen übergehen kann, musste die Kanadierin Christine McDonald nun am eigenen Leib erfahren.

Die Imkerin betreibt das Geschäft „Rushing River Apiaries“ in Terrace, British Columbia. Als sie ihren Hofladen betrat, fand sie sich plötzlich inmitten eines wimmelnden Schwarms wieder. Der Raum war überflutet mit Tausenden Bienen, die gezielt auf ihren Honig aus waren. „Ich glaube, ich war noch nie so panisch … Plötzlich sind da Tausende Bienen, ich weiß nicht, woher sie kommen, und ich muss den ganzen Honig schützen“, sagte sie gegenüber dem kanadischen Rundfunksender „CBC News“.

Was es mit den Räuberbienen auf sich hat

Auch wenn wir Honigbienen immer mit fleißigen Sammlerinnen assoziieren, sind solche Überfälle keine Seltenheit. In der Natur gibt es im Frühjahr und im Frühherbst oft weniger Nektar und Pollen – Imker nennen das „Trachtlücke“. Sie führt dazu, dass sich die Honigbienen anderweitig umschauen. Da die Bienenvölker in modernen Imkereien oft dicht an dicht stehen, ist der Weg zum Nachbarvolk nicht weit.

Vor allem schwächere Völker werden dann Opfer von stärkeren. Aber weil das Räubern riskant ist, gibt es spezielle Bienen für den Job. In der Regel sind dies ältere Sammlerinnen, die nicht mehr viel zu verlieren haben und risikobereiter sind. Man erkennt sie oft daran, dass sie dunkler aussehen als ihre Artgenossinnen. Das liegt daran, dass sie kaum noch Borsten auf ihrem Körper tragen (ja, auch Bienen werden im Alter kahl – das passiert aber nicht, weil ihnen die Haare ausfallen, sondern die Borsten durch viel Reibung über die Zeit abbrechen).1

Wie eine Räuberei durch Bienen entsteht

Eine Räuberbiene macht aber noch keine Räuberei. Sie erkundet zunächst, wie einfach es ist, von einer potenziellen Quelle Futter zu stehlen. Erst, wenn sich auch die anderen Bienen im Stock sicher sein können, dass es sich lohnt, zu räubern, schlägt die Stimmung um. Der Grund dafür liegt im Kommunikationssystem der Honigbiene. Über den Bienentanz können die cleveren Insekten nämlich nicht nur die Position von Blüten, sondern auch die anderer Nahrungsquellen weitergeben. Je mehr Bienen davon überzeugt sind, dass es sich lohnt, hier zu räubern, desto mehr tanzen für diese „Quelle“ und desto mehr Bienen fliegen aus. So kommen in kürzester Zeit Hunderte oder gar Tausende Bienen zusammen, um das Futter schnell einzuheimsen.

Dabei muss es sich nicht immer um die Vorräte im Nachbarvolk handeln. Es kann auch ein offenes Honigglas auf dem Esstisch sein – oder eben im Honigladen. Es gab aber auch schon Fälle, in denen Honigbienen sich über Reste von Süßigkeiten hergemacht haben. So staunten Imker im Nordosten Frankreichs nicht schlecht, als sie sahen, dass ihre Bienen blauen und grünen Honig produzierten, weil sie sich an den Abfällen einer M&M-Fabrik labten.2

Auch interessant: Warum manche Bienen eher zustechen als andere

Badezimmer wird zur Bienenfalle

Eigentlich versuchen Imker alles, um einen Überfall der eigenen Völker durch Räuberbienen zu verhindern. Etwa, indem sie den Eingangsbereich der Bienenvölker einengen, damit er besser bewacht werden kann und die Tiere in Trachtlücken mit Futtergaben unterstützen. Trotzdem kommt es immer mal wieder zu Räubereien, vor allem wenn Imker Vorräte nicht bienensicher verschließen. Genau das scheint auch bei der Imkerin aus Kanada der Fall gewesen zu sein.

Einen derart direkten Übergriff auf ihren Laden hatte sie noch nie erlebt. Trotzdem reagierte sie schnell und warf eine Plane über die Geräte und Produkte, um diese vor den Räuberbienen zu schützen. Normalerweise versuchen Imker, eine Räuberei zu unterbinden, indem sie mit einem Gartenschlauch Regen simulieren. Das war in dem Honigladen aber nicht möglich. Christine McDonald wählte daher eine ungewöhnliche Taktik: Sie lenkte die Bienen gezielt in ihr Badezimmer, indem sie dort das Licht anließ, um die Tiere von ihrem eigentlichen Ziel wegzulocken. Denn sobald sich die Tiere vollgefuttert haben, versuchen sie, die Vorräte zurück zum Volk zu bringen. Dazu orientieren sie sich hin zum Licht – und landeten in dem Fall im Badezimmer, von wo aus die Imkerin sie später hinauslassen konnte.

Allerdings dauerte es mehrere Tage, bis Ruhe einkehrte. Denn Bienen geben nicht so schnell auf. Haben sie einmal eine lohnende Nahrungsquelle entdeckt, suchen sie diese auch Tage danach immer wieder sporadisch auf, um zu überprüfen, ob es wieder etwas zu holen gibt. In der Natur ergibt das Verhalten Sinn, denn manche Bäume oder Pflanzen können nach einem ergiebigen Regentag wieder Nektar produzieren.

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Warum eine Räuberei unter Bienenvölkern so gefährlich ist

Der Fall der Imkerin zeigt, wie schnell offene Vorräte oder Reste von Honig an Imkerei-Geräten zu einer Räuberei führen können. Das ist an sich aber das kleinere Problem. Denn Räuberbienen stellen vor allem für die Nachbarvölker eine Gefahr dar. Sobald ein Bienenstock ausgeraubt wird, schwinden nicht nur die Vorräte. Es kommt unter den Bienen zu Kämpfen, in denen sich die Insekten auch gegenseitig abstechen.

Um an den Honig zu gelangen, müssen die räubernden Bienen zudem die Wachsdeckel der Honigzellen aufreißen. Dadurch verbreitet sich der Honiggeruch, was andere Eindringlinge wie Wespen, Hornissen und weitere Räuberbienen anlockt. Das Fatale: Haben Bienenvölker einmal gelernt, dass sich in anderen Völkern etwas holen lässt, versuchen sie es immer wieder. Eine Räuberei, die schon mehrere Tage im Gang ist, kann man als Imker nur noch schwer stoppen. Die einzige Möglichkeit ist dann, die Völker zu separieren und an jeweils andere Standorte zu verbringen, mit wenig oder keinen anderen Bienenvölkern im Umfeld.

Honig niemals offen stehen lassen

Räuberbienen gibt es das ganze Jahr über. Sie sind aber vor allem in Zeiten unterwegs, in denen in der Natur das Nektar- und Pollenangebot nachlässt. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch an den Frühstückstisch kommen – vor allem, wenn es dort Honig zu holen gibt. Für den Frühstückenden ist das zwar nervig, kann für den Imker aber in einer wahren Katastrophe enden. Denn Honig aus dem Supermarkt enthält oft Sporen der gefürchteten Faulbrut. Diese Krankheit ist für Menschen völlig harmlos, weshalb der Honig darauf auch nicht geprüft wird, bevor er in den Verkehr kommt.

Die Bienen können die Sporen aber mit dem Honig an die Brut verfüttern. Dies führt nicht nur dazu, dass die befallene Brut abstirbt, die Faulbrut breitet sich auch seuchenartig unter den Völkern aus. Schnell sind auch andere Imkereien betroffen, weshalb die Bienenkrankheit meldepflichtig ist. Und noch schlimmer: Wird bei einem Imker Faulbrut entdeckt, kann es sein, dass der Amtstierarzt anordnet, alle Bienenvölker zu keulen – also zu töten, um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern.

Deshalb sollte man Honigbienen niemals mit Honig füttern und Honiggläser nicht offen stehen lassen. Denn die Folgen für die Bienen und den Imker können weit über eine Räuberei hinausgehen.

Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

Zur Autorin

Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin und beschäftigte sich in ihrer Doktorarbeit unter anderem mit dem Verhalten von Honigbienen. Von 2018 bis 2022 arbeitete sie als Redakteurin beim Deutschen Bienenjournal, einer Fachzeitschrift für Imker, und hält seit über 15 Jahren eigene Bienenvölker im Botanischen Garten Berlin.

Quellen

  1. Free, J. B. (1945) „The behaviour of robber honey bees“. Bee Research Department, Rothamsted Experimental Station. Rec. 15-V-1954 ↩︎
  2. augsburger-allgemeine.de, „Bienen essen M&M-Abfall: Heraus kommt blauer Honig“ (aufgerufen am 10.09.2025) ↩︎

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