5. Februar 2026, 17:03 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Eine Spinne, die aussieht wie ein Pokémon? Was viele heutzutage für KI-Fotos halten könnten, existiert tatsächlich. Platythomisus octomaculatus – auch Achtfleckige Krabbenspinne genannt – überrascht mit einer erstaunlichen Ähnlichkeit zu dem wohl berühmtesten Pokémon, was ihr den Beinamen „Pikachu-Spider“ brachte. Was es mit dem Achtbeiner auf sich hat, wo man ihn findet und warum er diese ungewöhnliche Farbe hat, erklärt PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider.
Eine Spinne, die aussieht wie ein Pokémon
Könnte sich das Pokémon Pikachu in eine Spinne verwandeln, sähe es wohl aus wie Platythomisus octomaculatus. Der auch als Achtfleckige Krabbenspinne bekannte Achtbeiner begeistert sogar Leute, die eigentlich Angst vor Spinnen haben.
Wie der Name schon sagt, besitzt diese Spinne acht schwarze Punkte auf ihrem knallig gelben Hinterleib. Auch um die Augen sitzen zwei schwarze Flecken, die der Spinne dadurch Knopfaugen verleihen, die sie eigentlich gar nicht hat. Um die Ähnlichkeit zu Pokémon Pikachu perfekt zu machen, sind Beine und Pedipalpen (so nennt man die kleinen Tastbeine neben den Mundwerkzeugen am Kopf) am Ende schwarz, als ob die Spinne sie einmal in Tinte getunkt hätte. Im Englischen brachte ihr das den Beinamen „Pikachu-Spider“ ein.
Entdeckt wurde die Pikachu-Spider schon lange bevor es Pokémon gab. So wird die Art bereits in der Literatur des 19. Jahrhunderts beschrieben. Generell gibt es nur wenig Quellen, die diese Art beschreiben. So weiß man nur sehr wenig über ihr Leben, außer dass sie auf kleinen Bäumen lebt und dort auf Beute lauert, wie es für Krabbenspinnen üblich ist.1
Hier lebt die Pikachu-Spider
Am besten ist noch das Äußere der Spinnen dokumentiert. So gehören sie mit einer Größe von bis zu 2,5 Zentimetern (ohne Beine) zu den größten Krabbenspinnen. Die Farbe muss nicht immer Pikachu-Gelb sein. Es gibt sie auch in Orange bis Rot, wie zahlreiche Aufnahmen dokumentieren.2
Denn dank ihrer farbenfrohen Erscheinung erfreut sich die Pikachu-Spider größter Beliebtheit bei Makro-Fotografen – sofern sie mal ein Exemplar vor die Linse bekommen. Gute Chancen dafür bieten sich in Singapur, Indonesien, Indien und Sri Lanka. Dort zumindest wurde die Pikachu-Spider schon gesichtet, wobei die meisten Fotoaufnahmen heutzutage aus Singapur stammen.3
Was frisst die Pikachu-Spider?
Außer dem Aussehen ist sonst wenig über diese Art bekannt. Da sie zu den Krabbenspinnen gehört – erkennbar an den sehr langen vorderen beiden Beinpaaren–, ist sie ein Lauerjäger. Sie baut also keine Netze, sondern wartet auf eine passende Gelegenheit und schlägt dann zu.
Die meisten Krabbenspinnen ernähren sich von Insekten, die auch mal so groß oder sogar größer sind als sie. Dank ihres potenten Giftes können sie ihre Beute schnell überwältigen und sie mit ihren kräftigen Beinen im Klammergriff halten. Viele Krabbenspinnen lauern daher auf Blüten, um Insekten wie Käfer, Fliegen und Bienen abzufangen.
Warum ist die Spinne so auffällig gefärbt?
Die meisten Krabbenspinnen sind perfekt an ihre Umgebung angepasst und gut getarnt. Einige Arten können sogar die Farbe wechseln – je nachdem, in welcher Umgebung sie gerade leben und jagen. Die Pikachu-Spider fällt hier komplett aus dem Rahmen. Die meisten Aufnahmen zeigen die Spinne auf grünen Blättern. Von Tarnung kann hier also keine Rede sein.
Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Quellen oder Einschätzungen, warum Platythomisus octomaculatus so auffällig gefärbt ist. Auf den ersten Blick scheint solch eine Farbgebung auch kontraproduktiv, denn man kann die Spinne schon von weitem sehen. Das könnten also auch potenzielle Beute, aber auch Fressfeinde sein.
Biologisch gesehen kann es zwei Ansätze für eine auffällige Färbung geben: Attraktion, also das Anlocken von Beutetieren, oder Abschreckung. Denn schwarze Punkte auf gelbem Untergrund können auch als Warnung im Tierreich dienen – wir kennen das von Wespen. Auch andere Tiere machen sich diese Signalfarben zunutze.
Nicht die einzige Pikachu-Spinne
Einen Hinweis auf die Antwort könnte eine andere Spinne geben, denn die Achtfleckige Krabbenspinne ist nicht die einzige, die den Beinamen Pikachu-Spider trägt. Auch Micrathena sagittata wird manchmal so betitelt. Sie gehört zu den Webspinnen und fällt durch ihren leuchtend gelben Hinterleib auf, der am Ende zwei lange schwarze Dornen trägt und damit auch an die typische Kopfform von Pikachu erinnert.
Wissenschaftler vermuten, dass diese auffällige Farbgebung der Spinne dabei hilft, Beute anzulocken. Um ihre These zu prüfen, nahmen die Forscher einen schwarzen Marker und überpinselten die gelbe Farbe einiger Spinnen. Diese hatten daraufhin bei der Jagd viel weniger Erfolg, was für die These der Forscher spricht.4
So riesig sind die größten Spinnen der Welt
Die giftigsten Spinnen der Welt
Ist die Pikachu-Spinne giftig oder gefährlich?
Ob auch Platythomisus octomaculatus durch ihre Farbe mehr Jagderfolg hat oder einfach abschrecken will, kann man ohne weitere Forschung nicht sicher sagen. Auch ob die Spinne für Menschen giftig oder gefährlich ist, lässt sich nicht sagen. Es existieren keinerlei Informationen über Stärke oder Art des Giftes oder Dokumentationen von Beißvorfällen.
Theoretisch wäre die Spinne groß genug, auch Menschen zu beißen. Nach einigen Aufnahmen auf Instagram zu urteilen, scheint diese Art aber nicht sonderlich aggressiv zu sein. Akute Gefahr für den Menschen sollte also nicht bestehen.5
Kann man die Pikachu-Spider als Haustier halten?
Die traurige Antwort lautet: Ja, kann man. Tatsächlich gibt es weltweit einige Händler, die diese Spinnen verkaufen. Doch gibt es nirgendwo qualifizierte Informationen über die artgerechte Haltung dieser Spinnen. Da sie in der Natur nur selten gesichtet werden, ist auch wenig über den Stand der Population bekannt. Daher sollten exotische Spinnen generell aus Nachzuchten stammen.
Vielmehr sollte man sich aber die Frage stellen, wie sinnvoll es ist, diese Spinnen als Haustiere zu halten. Durch ihre attraktive Färbung besteht die große Gefahr, dass viele sich diese Tiere rein aus Optik zulegen und sich wenig mit der Lebensweise und artgerechten Haltung auseinandersetzen und – noch schlimmer – andere durch Posts auf Social-Media beeinflussen, sich auch so eine Spinne zu holen.