17. Oktober 2025, 14:16 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Sie gehören zu den kleinsten Ameisen der Welt und sind in Deutschland noch selten. Doch wer sie bei sich in Küche, Bad oder Vorratsraum entdeckt, sollte schnell handeln. Denn anders als andere Ameisenarten sind Pharaoameisen nicht nur lästig, sondern können gefährliche Krankheitserreger übertragen und sogar technische Geräte beschädigen. PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider erklärt, wie Sie die Insekten erkennen und bei einem Befall vorgehen.
Unsichtbar, invasiv und unhygienisch
Pharaoameisen (Monomorium pharaonis) wurden bereits im 19. Jahrhundert durch Verkehr und Handel auch nach Europa eingeschleppt. Ihren Namen verdanken die winzigen Insekten wahrscheinlich einem kuriosen Missverständnis aus dem 18. Jahrhundert: Frühe Naturforscher glaubten, die Art stamme aus Ägypten und sei bereits in den Gräbern der Pharaonen gefunden worden – daher der Name Pharaoameise.
Tatsächlich hat sie ihren Ursprung jedoch in tropischen Regionen Süd- und Südostasiens. Sie leben in komplexen Staaten mit mehreren Königinnen und Tausenden Arbeiterinnen. Ihre Kolonien bestehen oft aus mehreren Nestern, die durch schmale Ameisenstraßen miteinander verbunden sind.1
Wie alle Ameisen orientieren sich die winzigen Insekten über Duftstoffe, sogenannte Pheromone, und bewegen sich bevorzugt entlang von Leitungen, Ritzen oder warmen Rohren. Da sie winzig sind, gelangen sie oft auch dorthin, wo man Ameisen eigentlich nicht erwarten würde: in verschlossene Dosen und sogar in Elektrogeräte. Das ist auch ein Grund, warum die Insekten so gefährlich werden können.
Warum Pharaoameisen so gefährlich sind
Die Pharaoameise ist kein gewöhnlicher Lästling, sondern ein echter Hygieneschädling. Durch ihre geringe Größe kann sie selbst in feinste Spalten, medizinische Geräte oder sterile Verpackungen eindringen. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen wurden sie bereits mehrfach dabei beobachtet, wie sie Wundverbände oder Katheter verunreinigten – mit potenziell gefährlichen Keimen.
Im Haushalt übertragen Pharaoameisen ebenfalls Bakterien wie Streptokokken, Staphylokokken oder Salmonellen und verunreinigen Lebensmittel, wenn sie über Lebensmittel, Tierfutter oder Arbeitsflächen laufen. Sie können dadurch Magen-Darm-Erkrankungen auslösen und in seltenen Fällen auch schwerere und manchmal sogar lebensgefährliche Infektionen verursachen.
Hinzu kommt: Ihre Nester befinden sich oft in Wänden, unter Böden oder in Elektrogeräten. Dort können sie durch Feuchtigkeit und Verschmutzung Kurzschlüsse oder Geräteausfälle verursachen – ein weiteres Risiko, das viele unterschätzen.
Da sie winzig und hell gefärbt sind, bleibt ein Befall lange unbemerkt. Erst wenn sich viele Arbeiterinnen zeigen, bemerken die meisten die Insekten. Doch dann ist das Problem meist schon groß. Besonders gefährlich wird es, wenn die Ameisen in sensiblen Bereichen wie Küchen, Arztpraxen oder Krankenhäusern auftauchen.2
Gefahr für Hund und Katze
Für Hunde und Katzen geht von Pharaoameisen zwar keine akute Vergiftungsgefahr aus: Die Tiere besitzen keinen Stachel und injizieren kein starkes Gift. Dennoch können sie für Haustiere unangenehm oder sogar problematisch werden. Etwa, wenn sie sich am Futternapf sammeln. Dort können sie potenziell Krankheitserreger übertragen, die über die Hunde und Katzen dann über Nahrung aufnehmen. So gelangen Salmonellen oder Staphylokokken in den Verdauungstrakt und führen im schlimmsten Fall zu Durchfall oder Magenproblemen.
Auch wenn Haustiere die Ameisen einmal fressen, ist das meist harmlos. Kritisch wird es jedoch, wenn Menschen im Haushalt Fraßköder oder Insektizide unsachgemäß verwenden, um die Ameisen schnell wieder loszuwerden. Wer unsicher ist, sollte sich zusätzlich an den Tierarzt wenden, bevor chemische Mittel eingesetzt werden.
So erkennen Sie einen Befall
Wer jetzt winzige Ameisen bei sich entdeckt, muss nicht gleich in Panik verfallen. Pharaoameisen sind zum Glück recht selten und auch gut von anderen heimischen Arten zu unterscheiden. Zum einen sind sie winzig – etwa zwei Millimeter groß –, zum anderen ist ihr Körper bernsteinfarben, ja fast transparent, mit dunkler Hinterleibsspitze. Wer sich unsicher ist, schaut sich die Ameisen bei guter Beleuchtung unter einer Lupe an. So kann man die Insekten auch als Laie eigentlich gut erkennen.3
Für den Befall mit Pharaoameisen im Haus sprechen außerdem:4
- Feine Ameisenstraßen an Wänden, Fliesenfugen oder entlang warmer Leitungen
- Süßlich-öliger Geruch (besonders bei starkem Befall)
- Krabbelnde Ameisen in Vorratsschränken, Backstuben oder am Tierfutterplatz
So beugen Sie einem Befall vor
Da Pharaoameisen über Warenlieferungen, Verpackungen oder Gebrauchsgegenstände eingeschleppt werden, beginnt der Schutz schon beim präventiven Kontrollblick. Prüfen Sie vor allem Kartons, Elektrogeräte und Tierfutterverpackungen, wenn diese warm gelagert wurden oder aus unbekannten Quellen stammen.
Weitere vorbeugende Maßnahmen:
- Lebensmittel immer in dicht schließenden Behältern lagern
- Tierfutterreste sofort entfernen
- Müll regelmäßig entsorgen, besonders organische Abfälle
- Undichte Fugen, Spalten und Wanddurchbrüche abdichten
- Geräte wie Kühlschrank oder Heizung regelmäßig kontrollieren
Da Pharaoameisen Wärme lieben, finden sie oft in Heizräumen, Küchen oder Badezimmern Unterschlupf. Je wärmer und feuchter ein Ort ist, desto attraktiver wird er für die winzigen Eindringlinge.5
Pharaoameisen bekämpfen: Warum Hausmittel nicht helfen
Wer glaubt, Pharaoameisen mit Essig, Backpulver oder ätherischen Ölen vertreiben zu können, liegt leider falsch. Solche Hausmittel wirken höchstens kurzfristig, führen aber oft dazu, dass die Ameisen neue Nester bilden und sich noch weiter ausbreiten. Wer einmal Pharaoameisen bei sich feststellt, muss sich auf eine monatelange und konsequente Bekämpfung einstellen.
Dabei ist Unterstützung durch einen Profi unabdingbar. Denn effektiv ist nur eine Bekämpfung mit Fraßködern, die von zertifizierten Schädlingsbekämpfern ausgelegt werden. Diese enthalten Wirkstoffe, die von den Arbeiterinnen aufgenommen und ins Nest getragen werden – so erreicht das Gift auch die Königinnen. Nur wenn diese sterben, kann die Kolonie nachhaltig verschwinden.6
Einmalige Maßnahmen reichen dabei nicht aus: Da die Tiere sich sehr schnell vermehren, sind mehrere Behandlungen über Wochen bis Monate nötig. Auch Kontrollgänge durch den Fachmann sind unerlässlich, um Rückfälle zu vermeiden.
Wichtig: Insektensprays oder Kontaktgifte sind kontraproduktiv, da sie die Kolonie nur „zersplittern“. Die Ameisen bilden dann neue Nester – und das Problem verschlimmert sich.
So läuft eine professionelle Bekämpfung von Pharaoameisen ab
- Inspektion und Artbestimmung – Fachleute identifizieren die Ameisen und suchen nach Nestern.
- Gezielte Köderauslegung – winzige Gel- oder Köderpunkte werden entlang der Ameisenstraßen gesetzt.
- Monitoring – über mehrere Wochen wird der Befall regelmäßig überprüft.
- Nachbehandlung – bei erneutem Auftreten werden weitere Köderpunkte gesetzt, bis keine Aktivität mehr nachweisbar ist.
Befall mit Pharaoameisen ist meldepflichtig
Da Pharaoameisen Krankheitserreger auf Menschen übertragen können, gelten sie als Gesundheitsschädlinge und müssen an muss an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden. Das Gesundheitsamt ist dann auch für die Überwachung der Bekämpfung zuständig. 7
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5 praktische Tipps gegen Pharaoameisen
- Lebensmittel sichern: Alles, was süß oder eiweißreich ist, luftdicht aufbewahren.
- Ritzen abdichten: Silikon oder Dichtmasse verhindert neue Nester.
- Keine Duftfallen: Ätherische Öle vertreiben die Ameisen nur kurz – professionelle Köder sind nötig.
- Waren prüfen: Kontrollieren Sie neu gelieferte Elektrogeräte oder Kartons auf Ameisenaktivität.
- Befall melden und Experten rufen: Bei ersten Anzeichen direkt den Schädlingsbekämpfer einschalten – je früher, desto besser.
Fazit: Klein, hartnäckig – und nur mit Geduld zu besiegen
Pharaoameisen sind ein Paradebeispiel dafür, wie winzige Insekten große Schäden anrichten können. Ihr tropischer Ursprung, ihre enorme Vermehrungsrate und ihre Fähigkeit, sich in Gebäuden zu verstecken, machen sie zu einem der schwierigsten Haushaltsschädlinge.
Hausmittel helfen kaum – entscheidend ist die Kombination aus professioneller Bekämpfung, geduldiger Kontrolle und konsequenter Hygiene. Wer früh reagiert, erspart sich nicht nur viel Aufwand, sondern schützt auch die eigene Gesundheit und die seiner Tiere.