21. Juli 2026, 17:06 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
In Asien gilt er als Delikatesse, bei uns sorgt er vor allem für irritierte Blicke: der sogenannte „Penisfisch“ (Urechis unicinctus). Seinen kuriosen Spitznamen verdankt das Meerestier seiner auffälligen Phallus-Form. Zuletzt machte der Wurm Schlagzeilen, nachdem Tausende Exemplare an die Strände Patagoniens in Argentinien gespült worden waren, wie TRAVELBOOK berichtete. Doch trotz seines Namens ist der „Penisfisch“ weder ein Fisch noch besonders selten. PETBOOK erklärt, was wirklich hinter dem ungewöhnlichen Meerestier steckt.
Der „Penisfisch“ ist eigentlich ein Wurm
Der wissenschaftliche Name des Tieres lautet Urechis unicinctus. Trotz seines Spitznamens gehört es nicht zu den Fischen, sondern zu den sogenannten Igelwürmern. Lange Zeit wurden diese Tiere als eigene Tiergruppe geführt. Heute gelten sie jedoch als Teil der Ringelwürmer (Anneliden).1
Der wurstförmige Körper wird je nach Art und Alter etwa 10 bis 30 Zentimeter lang und besitzt eine runzlige, gelblich bis rosafarbene Haut. Anders als Regenwürmer lebt der Igelwurm ausschließlich im Meer.
Warum er überhaupt „Penisfisch“ heißt
Der ungewöhnliche Spitzname erklärt sich praktisch von selbst. Der zylindrische Körper des Igelwurms erinnert viele Menschen an ein männliches Geschlechtsorgan. Dadurch machte sich der Wurm vor allem in sozialen Netzwerken einen Namen. Dort sorgt das Meerestier regelmäßig für Aufsehen.
In Südkorea ist der Wurm unter dem Namen Gaebul bekannt. Der Begriff setzt sich aus den koreanischen Wörtern gae („Hund“) und bul („männliche Geschlechtsorgane“) zusammen und lässt sich sinngemäß als „Hundepenis“ übersetzen. Außerhalb Asiens wird das Tier deshalb meist schlicht als „Penisfisch“ oder „Peniswurm“ bezeichnet.2
Er baut unter Wasser richtige Wohnungen
Die meiste Zeit bekommt man den „Penisfisch“ gar nicht zu Gesicht. Er lebt eingegraben in sandigen oder schlammigen Meeresböden und gräbt dort eine U-förmige Wohnröhre. Durch wellenartige Bewegungen pumpt der Wurm Meerwasser durch seine Röhre und spannt darin ein klebriges Schleimnetz auf. Dieses fängt Plankton, Algen, Bakterien und andere organische Partikel aus dem Wasser. Ist das Netz ausreichend gefüllt, frisst der Wurm es einfach mitsamt seiner Beute auf.
Seine Wohnröhre dient dabei nicht nur ihm selbst. Kleine Fische, Krebse und andere Meeresbewohner ziehen häufig mit ein und profitieren von Schutz und Futterresten. Daher trägt der Wurm im Englischen auch den Namen „Fat Innkeeper Worm“ – also etwa „dicker Herbergswurm“.
Warum manchmal Tausende am Strand landen
Normalerweise bleiben die Tiere gut versteckt unter dem Meeresboden. Immer wieder kommt es jedoch vor, dass Tausende von ihnen gleichzeitig an Strände gespült werden – zuletzt an der Küste Patagoniens in Argentinien.
Lange gingen Forscher davon aus, dass starke Stürme oder hoher Wellengang die Tiere aus ihren Wohnröhren reißen. Eine japanische Studie brachte jedoch noch eine weitere Erklärung ins Spiel. Die Wissenschaftler beobachteten, dass die Würmer aktiv schwimmen können. Möglicherweise verlassen sie ihre Wohnröhren gezielt zur Fortpflanzung und werden anschließend von Ebbe und Strömung an Land getragen.
In Korea ist der „Penisfisch“ eine Delikatesse
Während angespülte „Penisfische“ in Europa vor allem neugierige Blicke auf sich ziehen, landen sie in Korea, China und Japan regelmäßig auf dem Teller. In Südkorea gelten Gaebul als Delikatesse.
Traditionell werden sie roh serviert, meist zusammen mit Sesamöl, Salz oder einer scharfen Gochujang-Sauce. Ihr Fleisch gilt als außergewöhnlich zäh und gleichzeitig leicht süßlich. Manche vergleichen den Geschmack mit Austern, andere beschreiben ihn als angenehm salzig mit einer natürlichen Süße.3
Seegurken-Extrakt als Beauty-Allrounder – wie gut ist die Wirkung?
Seltener Lebendfund! Weltuntergangsfisch in Mexiko angespült
Ein Überlebenskünstler mit langer Geschichte
Obwohl der Igelwurm heute kaum bekannt ist, existiert seine Lebensweise schon seit langer Zeit. Fossile U-förmige Wohnröhren zeigen, dass ähnliche Igelwürmer bereits vor rund 300 Millionen Jahren den Meeresboden besiedelten. Einzelne Tiere können zudem erstaunlich alt werden – bis zu 25 Jahre.4
Gleichzeitig erfüllen die Würmer eine wichtige Aufgabe im Ökosystem. Sie lockern den Meeresboden auf, filtern organisches Material aus dem Wasser und bieten zahlreichen anderen Tieren einen geschützten Lebensraum.
Ist der „Penisfisch“ gefährlich?
Für Menschen ist der „Penisfisch“ völlig harmlos. Er besitzt weder Gift noch Stacheln und greift keine Menschen an. Stattdessen steht er selbst auf dem Speiseplan zahlreicher Tiere. Zu seinen natürlichen Feinden gehören unter anderem Flundern, Rochen, Haie, Möwen, Otter – und der Mensch.
Sein kurioser Name mag zwar für Aufmerksamkeit sorgen. Tatsächlich ist der „Penisfisch“ aber vor allem eines: ein faszinierender Meeresbewohner, der zeigt, wie ungewöhnlich und vielfältig das Leben unter der Wasseroberfläche sein kann.