26. Dezember 2025, 16:19 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Kosmetikindustrie ist ständig auf der Suche nach neuen Wirkstoffen – und dieses Mal rückt ein Meeresbewohner ins Rampenlicht, der alles andere als glamourös wirkt: die Seegurke. Doch kann ein Tier, das aussieht wie eine lebende Wurst, tatsächlich einen Beitrag zur Hautpflege leisten? PETBOOK wirft einen Blick auf Studien und Expertenmeinungen.
Was genau sind Seegurken?
Entgegen ihres Namens haben Seegurken nichts mit Gemüse zu tun. Es handelt sich um wirbellose Meeresbewohner aus der Klasse der Seewalzen (Holothuroidea). Sie sind in fast allen Weltmeeren zu finden – besonders häufig im Indischen Ozean und im Pazifik – und übernehmen eine wichtige ökologische Funktion: Sie reinigen den Meeresboden, indem sie sich von Detritus, Sedimenten und Aas ernähren. Manche Arten filtern zusätzlich Nahrungspartikel aus dem Wasser.
Kulinarisch geschätzt – vor allem in Asien
Neben ihrer Rolle im Ökosystem gelten Seegurken in Teilen Asiens als Delikatesse. Vor allem in China, Japan und Korea kommen sie auf den Teller – in getrockneter Form, als Zutat in Suppen oder in Saucen. Auch in der traditionellen chinesischen Medizin werden ihnen seit Langem heilende Eigenschaften zugeschrieben.
Aufwendige und teure Zucht
Wer einen Blick auf Verkaufsplattformen wie Amazon wirft, bemerkt schnell: Seegurken-Extrakt ist kein Schnäppchen. Der hohe Preis hängt unter anderem mit der komplexen Zucht zusammen. Diese erfolgt meist in speziellen Aquakulturen, in denen Temperatur, Salzgehalt, Sauerstoffzufuhr und Licht exakt reguliert werden müssen.
Auch die Fortpflanzung der Tiere ist anspruchsvoll: Je nach Art kann eine gezielte Zuchtstimulation, wie Temperaturveränderungen oder Hormonbehandlungen, erforderlich sein, um die Fortpflanzung auszulösen. Nach der Befruchtung in speziellen Becken werden die Larven sorgfältig überwacht. Kein Wunder also, dass sich der Aufwand in den Preisen der fertigen Produkte niederschlägt.
Vom Meeresboden auf die Haut: Seegurke als Beauty-Wirkstoff
Die Queen Mary University of London hat sich intensiv mit dem Potenzial der Seegurke beschäftigt. Das besondere Bindegewebe der Seegurke kann als Vorlage für bioinspirierte Materialien dienen, die ihre bemerkenswerten Eigenschaften nachahmen können. Diese könnten für flexible Gerüste bei kosmetischen Behandlungen gegen die Hautalterung Vorbild sein, so Dr. Himadri Gupta vom Institut für Bioengineering.1
Für die Kosmetikbranche ist dabei vor allem das Anti-Aging-Potenzial spannend – und auch Dermatologen sehen Vorteile. Seegurken-Extrakt kann eine Vielzahl an Benefits für die Haut haben. Sie selbst bestehen hauptsächlich aus Kollagen. Dieses Meereskollagen füllt Ihre eigenen Kollagenspeicher auf und verbessert gleichzeitig die Elastizität der Haut für eine größere Widerstandsfähigkeit. Dadurch wird auch Ihre Hautbarriere gestärkt und kann sogar Unreinheiten und Akne verbessern.2
Weitere mögliche Effekte auf die Haut
Zusätzlich zum Kollagengehalt bringt Seegurken-Extrakt eine Reihe weiterer potenzieller Hautpflege-Vorteile mit:
- Feuchtigkeit: Der hohe Wassergehalt kann helfen, trockene Haut zu hydratisieren.
- Beruhigung: Die Inhaltsstoffe können Hautirritationen und Rötungen lindern.
- Anti-Aging: Antioxidantien schützen vor freien Radikalen und können Fältchen entgegenwirken.
- Aufhellung: Einige Komponenten der Seegurke sollen helfen, Pigmentstörungen und dunkle Flecken zu mildern.
Allerdings betonen Experten, dass die Wirkung je nach Hauttyp unterschiedlich ausfallen kann. Weitere wissenschaftliche Studien sind notwendig, um die genaue Wirksamkeit zu bestätigen.
Achtung bei Meeresfrüchte-Allergien
So vielversprechend die Wirkung auch sein mag – nicht jeder sollte Seegurken-Extrakt bedenkenlos anwenden. Vereinzelt kann es zu Hautirritationen kommen und man sollte diesen Inhaltsstoff grundsätzlich nicht verwenden, wenn eine Allergie gegen Meerestiere vorliegt.
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So wird Seegurken-Extrakt gewonnen
Die Gewinnung des Extrakts kann auf verschiedene Weisen erfolgen – je nachdem, welche Wirkstoffe im Fokus stehen:
- Trocknung und Pulverisierung: Die Seegurke wird getrocknet (oft in der Sonne) und anschließend zu feinem Pulver vermahlen.
- Warmwasserextraktion: Hierbei werden getrocknete Seegurken in heißem Wasser gekocht, um wasserlösliche Stoffe zu extrahieren.
- Lösungsmittel-Extraktion: Um fettlösliche Bestandteile zu isolieren, wird das Pulver mit Lösungsmitteln wie Ethanol behandelt. Danach wird das Lösungsmittel verdampft, um das reine Extrakt zu gewinnen.
Fazit
Seegurken-Extrakt gilt als vielversprechender Wirkstoff in der Hautpflege – nicht nur wegen des marinen Kollagens, sondern auch aufgrund seiner feuchtigkeitsspendenden und antioxidativen Eigenschaften. Dennoch ist er teuer in der Herstellung und nicht für jeden Hauttyp geeignet. Wer tierfreie Alternativen sucht, findet bewährte Wirkstoffe wie Retinol und Niacinamid.
Mit fachlicher Beratung von Dr. Timm Golüke, Dermatologe aus München.