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Forscher entdeckt neue Arten

Diese Spinnen tragen ihre Babys im Mund – und leben völlig ohne Licht

Der Vangvieng-Höhlenzwerg (Speocera vangvieng) misst nur etwa einen Millimeter Körperlänge.
Diese neu entdeckte Spinnenart transportiert ihre Jungtiere direkt in den Fangzähnen Foto: Nicky Bay
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

18. März 2026, 11:25 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Forscher aus Deutschland und Laos haben in den Kalksteinhöhlen Südostasiens eine bislang unbekannte Spinnenvielfalt entdeckt. Besonders erstaunlich: Einige der nur millimetergroßen neuen Spinnenarten tragen ihre Eier oder sogar bereits geschlüpfte Jungspinnen in den Fangzähnen – ein Verhalten, das selbst unter Spinnen ungewöhnlich wirkt.

Winzig, zart – und kaum zu entdecken

Wer sich allein vor dem Titelbild gruselt, sei beruhigt: Die hier gezeigte Spinne ist winzig. Sie misst gerade mal etwa einen Millimeter. Da erscheint es fast wie ein Wunder, dass sie überhaupt entdeckt wurde.

Ein Forschungsteam um den Frankfurter Arachnologen Dr. Peter Jäger vom Senckenberg Forschungsinstitut hat gemeinsam mit einem Kollegen der National University of Laos gleich mehrere bislang unbekannte Arten beschrieben – darunter winzige „Höhlenzwerge“, schillernde „Blaubeine“ und sogar eine komplett augenlose Spinne, wie die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in einer Pressemitteilung informiert.

Nur wer genau hinschaut, kann „wunderschöne“ Spinnen entdecken

Angst haben, braucht man vor ihnen nicht – eher davor, dass man sie aus Versehen zerquetscht. „Der Mensch ist 2000-mal größer als etwa der Vangvieng-Höhlenzwerg“, erklärt Jäger auf PETBOOK-Anfrage. Nur wer ganz genau hinschaut, könne diese „wunderschönen“ Spinnen überhaupt entdecken – und ihr Verhalten beobachten.

Die Tiere leben in einem der speziellsten Lebensräume der Erde: den Kalksteinhöhlen von Laos. Diese gelten als Hotspots der Biodiversität, sind aber gleichzeitig extrem empfindlich. Viele Arten kommen ausschließlich dort vor – und oft nur in einer einzigen Höhle.

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Babys im „Mund“ getragen

Besonders überraschend: Einige der neu entdeckten Spinnen kümmern sich intensiv um ihren Nachwuchs – und tragen Eier oder sogar geschlüpfte Jungtiere mit ihren Fangzähnen.1

Was ungewöhnlich klingt, ist in der Spinnenwelt gar nicht so selten. „Dass der Kokon in den Fangzähnen getragen wird, ist auch bei heimischen Arten wie Zitterspinnen oder Raubspinnen normal“, sagt Jäger.

Auffällig ist hier aber etwas Anderes: die geringe Anzahl an Eiern. Statt vieler kleiner Nachkommen setzen diese Höhlenspinnen auf wenige, dafür größere Jungtiere. Der Grund liegt im Lebensraum: In den nährstoffarmen Höhlen gibt es nur wenig Beute. „Die Mutter investiert ihre Energie eher in weniger Jungtiere, die dann eine größere Überlebenschance haben“, so der Forscher.

Leben ohne Augen – aber mit feinen Sinnen

Eine der neu entdeckten Arten kommt komplett ohne Augen aus – eine extreme Anpassung an das Leben in völliger Dunkelheit.

Orientierungslos sind diese Spinnen trotzdem nicht. Im Gegenteil: Sie verfügen über ein hochentwickeltes Sensorsystem. Mit Tast- und Hörhaaren, speziellen Sinnesorganen im Körper und chemischen Reizen können sie ihre Umgebung präzise wahrnehmen.

Neuentdeckte Spinnen haben leuchtende Beine

Ebenfalls kurios: Einige der neuen Spinnenarten besitzen schillernd gefärbte Beine – obwohl sie in absoluter Dunkelheit leben. Eine klare Funktion dafür gibt es bislang nicht. „Es könnte ein Nebeneffekt der Oberflächenstruktur sein“, erklärt Jäger. Ähnlich wie bei Schmetterlingen könnten diese Farben im Licht ganz andere Wirkungen entfalten – auch wenn sie im Höhlenalltag keine Rolle spielen.

Die Strukturfarben des Viengkeo-Buntbeins (Althepus viengkeoensis) entstehen durch die spezielle Oberfläche des Außenpanzers (Kutikula) der Beine.
Diese neue Art tauften die Forscher „Viengkeo-Buntbein“, weil ihre Beine in bunten Farben schillern Foto: Senckenberg/Jäger

Extrem selten – und extrem gefährdet

Viele der neu entdeckten Spinnenarten sind sogenannte Kleinstendemiten. Das bedeutet: Sie kommen nur in einem winzigen Gebiet vor, manchmal sogar nur in einer einzigen Höhle.

Das macht sie extrem anfällig für Veränderungen. Schon kleine Eingriffe können fatale Folgen haben. „Jede Störung ihres fragilen Lebensraums hat enorme Bedeutung“, warnt Jäger. Künstliche Beleuchtung, steigende Temperaturen durch veränderte Höhleneingänge oder der Abbau von Kalkstein könnten dazu führen, dass diese Arten für immer verschwinden.

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Jahrzehntelange Suche nach winzigen Tieren

Die Entdeckung der Spinnen war alles andere als einfach. Manche Arten fand Jäger erst nach vielen Jahren intensiver Forschung.

„Ich habe über 20 Jahre gebraucht, bis ich in manchen Höhlen in der letzten Kammer diese Spinnen gefunden habe“, berichtet er. Erst mit geschultem Blick erkenne man die winzigen Tiere – und frage sich später, wie man sie so lange übersehen konnte.

Faszination im Verborgenen

Was den Forscher besonders begeistert: die Einblicke in eine Welt, die normalerweise verborgen bleibt. Die Beobachtung, wie die kleinen Spinnen ihren Nachwuchs pflegen, sei besonders faszinierend. „Man taucht in eine Miniaturspinnenwelt ein“, sagt Jäger. Und genau diese Faszination könne helfen, auch die großen Zusammenhänge zu verstehen – und empfindliche Lebensräume besser zu schützen.

Denn klar ist: Die Höhlen von Laos bergen noch viele unbekannte Arten. Und jede neue Entdeckung zeigt, wie wenig wir über diese verborgenen Ökosysteme bisher wissen.

Quellen

  1. Jäger, P. & Nophaseud, L. (2026) „Ochyroceratidae Fage, 1912 and Psilodercidae Machado, 1951 (Arachnida: Araneae) from Laos: nine new species, first records of Speocera Berland, 1914 for Laos and three new sexually dimorphic characters in Sinoderces Li & Li in Liu et al., 2017“. Zootaxa, 5769 (1), 1–64. https://doi.org/10.11646/zootaxa.5769.1.1 ↩︎

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