Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Insekten Alle Themen
Sie wurde Luzifer getauft

„Teuflische“ Biene mit Hörnern entdeckt

eine Abbildung der neuentdeckten Luziferbiene
Woher die Luziferbiene ihren Namen bekam, ist wohl auf den ersten Blick ersichtlich Foto: Megachile lucifer sp. nov., lateral und frontal (nach Prendergast & Campbell 2025, CC0 Public Domain Dedication).
Artikel teilen
Louisa Stoeffler
Redakteurin

11. November 2025, 15:12 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

In den abgelegenen Goldfields Westaustraliens wurde eine außergewöhnliche neue Bienenart entdeckt, die mit kleinen hornartigen Auswüchsen auf dem Kopf an einen Miniatur-Teufel erinnert. Das Aussehen der „Luziferbiene“ sorgt weltweit für Aufsehen. Die Art trägt den wissenschaftlichen Namen Megachile (Hackeriapis) lucifer, nicht zuletzt weil ihre Entdeckerin gern Netflix schaut.

Netflix-Figur als Namensgeber

Die neue Wildbiene war ein Zufallsfund bei Untersuchungen an der seltenen Pflanze Marianthus aquilonarius, die ausschließlich in einem bestimmten Bereich Australiens vorkommt.

„Ich entdeckte die Art bei der Untersuchung einer seltenen Pflanze in den Goldfields und beobachtete, wie diese Biene sowohl die bedrohte Wildblume als auch einen nahegelegenen Mallee-Baum besuchte“, sagte Dr. Kit Prendergast, Hauptautorin der Studie und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Curtin School of Molecular and Life Sciences, in einer Pressemitteilung. Ihre Untersuchung der neuen Art erschien in der Fachzeitschrift „Journal of Hymenoptera Research“. 1

Der ungewöhnliche Name der Biene ist ebenfalls kein Zufall: „Das Weibchen hatte diese unglaublichen kleinen Hörner im Gesicht. Als ich die Artbeschreibung schrieb, schaute ich gerade die Netflix-Serie ‚Lucifer‘ – der Name passte einfach perfekt. Ich bin auch ein großer Fan der Figur, deshalb war es eine klare Entscheidung“, so Prendergast weiter.

Mehr zum Thema

Genetischer Nachweis bestätigt neue Art

Mittels DNA-Barcoding konnte Dr. Prendergast nachweisen, dass es sich bei den untersuchten Männchen und Weibchen um eine bislang unbekannte Art handelt. Auch die morphologischen Merkmale passten zu keiner Art in den Museumssammlungen, erläuterte die Insektenforscherin.

Sie betonte außerdem: „Es ist das erste neue Mitglied dieser Bienengruppe, das seit über 20 Jahren beschrieben wurde – das zeigt, wie viel Leben es noch zu entdecken gibt, selbst in Regionen, die durch Bergbau gefährdet sind, wie die Goldfields.“

Wildbienen sind auch in Deutschland unter Druck

Der Fund verdeutlicht auch, wie entscheidend das Verständnis über Wildbienen nicht nur für den Naturschutz in Australien ist. „Da die neue Art im selben kleinen Gebiet wie die bedrohte Wildblume gefunden wurde, könnten beide durch Lebensraumstörungen und andere Bedrohungen wie den Klimawandel gefährdet sein“, sagte Prendergast.

Die Entdeckung in Australien wirft auch ein Schlaglicht auf die Situation in Deutschland. Hierzulande sind rund 600 Wildbienen- und Hummelarten heimisch. Manche davon sind auch auf nur eine einzige Blumensorte spezialisiert. Mehr als die Hälfte davon gilt laut Bundesamt für Naturschutz als gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Ursachen sind vor allem Lebensraumverlust durch intensive Landwirtschaft, Flächenversiegelung und der Einsatz von Pestiziden. Wie in Australien fehlt es auch hierzulande oft an systematischen Erhebungen zu Vorkommen und Bestäubungsleistungen einheimischer Wildbienen.

Dabei sind gerade sie unverzichtbar für den Erhalt vieler Pflanzenarten und damit für die Biodiversität insgesamt. Der Fund von Megachile lucifer erinnert daher auch in Deutschland daran, wie wichtig es ist, heimische Wildbienen und ihre Lebensräume frühzeitig zu erfassen und zu schützen – bevor sie für immer verschwinden.

Quellen

  1. Prendergast, K.S. & Campbell, J.W. (2025). Megachile (Hackeriapis) lucifer … Journal of Hymenoptera Research, 98, 1017–1030. Figure 1. https://doi.org/10.3897/jhr.98.166350 ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.