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Fotograf fand Tier

Seltene Entdeckung in Bayern! Das steckt hinter dem schneeweißen Fuchs

Weißer Fuchs im Landkreis München
Ein weißer Fuchs läuft im Landkreis München an einem Feld entlang Foto: picture alliance/ dpa / LBV / Dominik Reigl
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

8. August 2025, 14:37 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ein ungewöhnlicher Fund hat jüngst in Bayern für Aufsehen gesorgt: In der Nähe von München stieß ein Naturfotograf in der Dämmerung auf ein Tier, das auf den ersten Blick kaum zuzuordnen war – ein Fuchs, ganz in Weiß. Was hinter dieser seltenen Erscheinung steckt und warum es sie nicht nur bei Füchsen gibt, weiß PETBOOK.

Ein ganz besonderer Moment im richtigen Augenblick

Naturfotograf Dominik Reigl war im Landkreis München auf einer seiner gewohnten Erkundungstouren unterwegs, wie unter anderem „Die Süddeutsche“ unter Berufung auf die dpa berichtet. Zunächst ohne besonderen Erfolg. Kurz bevor er seinen Ausflug beenden wollte, erlebte er jedoch eine seltene Überraschung.

„Einen kleinen, vollständig weißen Fuchs mit blauen Augen“, schilderte Reigl den Moment, als er das Tier erstmals entdeckte. Fotograf Dominik Reigl möchte nicht preisgeben, wo er dem weißen Fuchs begegnet ist. So soll verhindert werden, dass der seltene Jungfuchs durch neugierige Beobachter gestört oder aufgespürt wird. Wie der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) der dpa mitteilt, handelt es sich bei dem Tier um einen Rotfuchs – allerdings eben mit schneeweißem Fell.

Weißer Fuchs ist kein Albino

Der junge Fuchs unterscheidet sich optisch auf den ersten Blick vom Polarfuchs, der kleine runde Ohren hat und in Deutschland nicht heimisch ist. Auch ist er kein Albino, wie man vielleicht als Nächstes vermuten würde. Denn die ungewöhnlich blauen Augen des Tieres wären rot, wenn er Albinismus hätte.

Stattdessen handelt es sich um eine genetische Besonderheit namens Leuzismus, die sein Fell weiß erscheinen lässt, aber gleichzeitig für blaue oder braune Augenfarbe sorgen kann. Der kleine Rotfuchs hat eine Pigmentstörung im Fell, die man eher von Drosselvögeln oder Krähenvögeln kennt.

Besonders im städtischen Raum sieht man häufig Amseln mit teilweise weißem Gefieder. Da die Tiere normalerweise schwarz sind, erweckt ihre ungewöhnliche Optik unsere Aufmerksamkeit. Denn bei Menschen und vielen Tieren verlieren Haare oder Federkleid im Alter an Leuchtkraft und Farbe. Aber das allein ist wahrscheinlich nicht der Grund, warum manche Amseln „ausbleichen“ oder eben in ganz seltenen Fällen weiße Rotfüchse entstehen.

Warum viele schwarze Vögel weißes Gefieder entwickeln

Der NABU berichtet darüber, was hinter den weißen Federn steckt. Das fleckweise Fehlen von Farbe entwickelt sich bei Tieren, die eigentlich eine andere Farbe haben, wie eben auch der Rotfuchs. Teilweise ist auch die Haut unter dem Gefieder oder Fell dann weiß.

Die Gründe für Leuzismus sind vielfältig, wie Stefan Bosch vom Naturschutzbund Baden-Württemberg der dpa mitteilte. Laut dem Experten sind auch andere, normalerweise dunkel gefärbte Vögel wie Haussperlinge, Dohlen und Rabenkrähen betroffen. Allerdings zeigt sich der Leuzismus besonders häufig bei Amseln.1

Der Grund für weiße Federn ist laut Bosch, dass Farbpigmente fehlen. Die eine Ursache dafür gäbe es jedoch nicht. Es spielen erbliche Faktoren, Krankheiten oder auch Ernährungsdefizite eine Rolle. Bei einer genetischen Ursache bleichen die Tiere dem Experten nach jedoch im Laufe ihres Lebens immer weiter aus.

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Eine Amsel hat durch Leuzismus weiße Federn am Kopf
Besonders bei Amseln finden sich in den Städten immer wieder Exemplare mit weißen Federn. Dahinter steckt ein Phänomen, dass bei allen Tieren vorkommen kann, Foto: picture alliance/blickwinkel/McPHOTO/R. Mueller
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Der Unterschied zwischen Leuzismus und Albinismus

Das klingt zunächst kompliziert und führt teilweise zu demselben Ergebnis: farblosem Fell oder Federn. Allerdings ist Leuzismus eine natürlich entstehende Mutation, die sich vom Albinismus klar unterscheidet. Beim Albinismus fehlt die Möglichkeit, Pigmente zu bilden, obwohl die farbbildenden Zellen vorhanden sind.

Beim Leuzismus sind die farbbildenen Melanozyten in den betroffenen Bereichen gar nicht vorhanden oder bauen sich im Laufe der Zeit fleckweise ab. Ausgelöst wird dies von Gendefekten, die verhindern, dass sich Pigmentzellen neu bilden. Dies kann Haut, Gefieder und Fell betreffen. Aber eben nicht Augen, Schnäbel oder Füße.

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Wie der NABU auf seiner Website weiter berichtet, sind Tiere mit Leuzismus nicht erkrankt. Die sogenannten Weißlinge seien auch laut Bosch in der Regel nicht beeinträchtigt und verhielten sich arttypisch. „Allerdings haben sie ein erhöhtes Risiko, keinen Partner zu finden oder von einem Beutegreifer erwischt zu werden.“ Genaue Zahlen zum Phänomen der Weißlinge gebe es mangels systematischer Erhebungen nicht, wie Stefan Bosch weiter berichtete. Vermutlich liege ihr Anteil im unteren einstelligen Prozentbereich.

„Eine offensichtliche Häufung in Städten und Siedlungen kann mit Defiziten im Nahrungsangebot, aber auch mit der erhöhten Beobachtungswahrscheinlichkeit zusammenhängen“, erklärte der Fachbeauftragte für Ornithologie und Vogelschutz im NABU-Landesverband.

Häufige Mauser kann Leuzismus begünstigen oder umkehren

Allerdings scheint, gerade bei Vögeln, die Entfärbung teils auf das Alter zurückzuführen zu sein. Insbesondere bei Wasservögeln könne häufige Mauser laut NABU dazu führen, dass sich Federn stellenweise entfärben. Mit zunehmendem Alter verlören immer mehr Bereiche ihre Pigmentzellen und die Vögel entwickelten so immer mehr weiße Stellen.

Warum der junge Rotfuchs jedoch komplett weiß ist, lässt sich nur mutmaßen. Weitere Gründe für Leuzismus können Nahrungsdefizite sein, besonders bei Vögeln ist dies nach der Mauser bereits beobachtet worden. Die teilweise Entfärbung kehrt sich dann wieder um, gerade dann, wenn das Nahrungsangebot wesentlich besser geworden ist.

Weißes Fell und Federn können also Anzeichen für mangelnde Nährstoffversorgung sein, wie weiße Stellen auf menschlichen Fingernägeln. Allerdings ist aufgrund des komplett entfärbten Fells bei einem relativ jungen Tier wie dem Rotfuchs davon auszugehen, dass er bereits farblos zur Welt gekommen ist. Auch warum gerade Amseln – die eigentlich auch Schwarzdrosseln genannt werden – verhältnismäßig häufig von Leuzismus betroffen zu sein scheinen, ist bislang unklar.

Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

Die weiße Amsel aus Steglitz

„Im Bezirk Steglitz in Berlin gab es einen Park, in dem eine nahezu komplett weiße Amsel wohnte. Als ich den Vogel das erste Mal sah, dachte ich, es wäre ein Papagei entflogen. Erst als das Amselmännchen zu singen begann, war klar, dass es sich um einen heimischen Vogel handelte. Immer wieder bleiben Anwohner vor dem – nicht gerade scheuen – Tier stehen und kamen ins Gespräch. Die weiße Amsel war im Kiez fast allseits bekannt. Fast fünf Jahre lang beobachtete ich sie regelmäßig, bis sie vor zwei Jahren nicht mehr auftauchte. Trotzdem wissen viele heute noch genau, welcher Park gemeint ist, wenn man von der weißen Amsel von Steglitz spricht.“

Quellen

  1. dpa-Meldung bei „Stern.de“, „Seltenes Phänomen: Manche Vögel bleichen aus“ (aufgerufen am 8.8.2025) ↩︎

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