11. März 2026, 11:26 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Im Frühjahr sind viele Wiesen überzogen mit einem bunten Blütenteppich aus Krokussen. Viele freuen sich über den Anblick – Amseln scheinen allerdings anderer Meinung. Sie fliegen die Blüten an und hacken aggressiv auf diese ein. Manche denken, die Vögel suchen hier nach Nahrung oder picken nach Insekten. Doch das ist falsch, wie PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider erklärt. Der wahre Grund ist ziemlich skurril …
Warum Amseln Krokusse zerstören
Selbst wenn man die Vögel nicht aktiv beobachtet, findet man oft die Opfer ihrer Zerstörungswut. Dabei trifft es vor allem Rabatten mit Krokussen, die sich im Bereich von angrenzenden Amselrevieren befinden. Laut dem Nabu liegt der Grund dafür in der dottergelben Farbe vieler Krokusblüten. Diese sollen die Amselmännchen an die Schnäbel ihrer Rivalen erinnern.
Vor allem Ende Februar bis Anfang März, wenn die Revierkämpfe zwischen den Amseln ihren Höhepunkt erreichen, kann man die Tiere dabei beobachten, wie sie sich an den Krokussen abreagieren. Aber keine Angst! Nur weil sich in Ihrem Garten eine Amsel aufhält, bedeutet dies nicht, dass Ihre Krokusse nun Geschichte sind. Das Verhalten hängt von verschiedenen Faktoren wie Witterung und dem Vorkommen anderer Amseln in der Nähe ab.
Sind Amseln aggressiv?
Im Frühjahr fallen Amseln nicht nur wegen ihres schönen Gesangs auf. Mitunter findet man laut schimpfende, sich jagende Amselmännchen durch die Gärten und Gebüsche flitzen. Vor allem an den Reviergrenzen liefern sich die Streithähne „Kämpfe“ mit Imponiergehabe, Drohgebärden und aufgerissenem Schnabel.
Mitunter führen sie auch kleine Attacken aus und liefern sich Luftkämpfe, bis ein klarer Gewinner feststeht. Trotz dieser teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Vögeln kommt es selten zu ernsten Verletzungen.
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Greifen Amseln auch Menschen an?
Von Krähen und anderen Rabenvögeln liest und hört man immer wieder, dass sie auch Menschen attackieren, wenn sie brüten. Mitunter stellen Gemeinden sogar extra Warnschilder auf. Aber wie ist das bei Amseln?
Im Sommer 2022 machte ein Video Schlagzeilen, in dem brütende Amseln mehrere Fußgänger auf einer Straße in Montreal, Kanada, attackieren, wie unter anderem das Nachrichtenportal „t-online.de“ berichtete. Allerdings ist auf dem Clip nur schwer zu beurteilen, ob es sich dabei wirklich um Amseln handelt. Dazu kommt, dass die unsere europäische Amsel (Turdus merula) überhaupt nicht in Kanada vorkommt. Es handelt sich daher mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen anderen Vogel.
Trotzdem liest man auch immer wieder in deutschen Foren, dass Menschen auf ihrem Balkon oder im Garten von brütenden Amseln attackiert werden. Allerdings kommt dies extrem selten vor. Denn im Gegensatz zu Krähen oder Elstern sind die Vögel nicht sehr vehement, wenn es um das Attackieren anderer Arten oder gar Menschen geht. Die Aggression der Amseln richtet sich vor allem gegen Artgenossen – und Krokusse.
Meine Beobachtung
„Ich habe dieses Phänomen schon einmal im Park beobachtet. Während eines Frühlingsspaziergangs sind mir Amseln aufgefallen, die wie besessen auf Krokusse losgegangen sind. Dabei haben sie mit ihren Schnäbeln vehement auf die Blumen eingestochen und diese vollkommen zerpflückt. Ich bin allerdings davon ausgegangen, dass sie dabei auf Nahrungssuche waren, und hätte niemals den wahren Grund erraten.“
Quellen
- Nabu, „Wenn die Amsel den Krokus anmacht – Die NABU-Naturtipps für den Monat März“ (aufgerufen am 11.03.2026)
- Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V., „Amsel“ (aufgerufen am 11.03.2026)
- BUND Landesverband Hessen e. V., „Kulturfolge als Erfolgsrezept: Die Amsel“ (aufgerufen am 11.03.2026)