9. Juli 2026, 19:19 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Kaum ein Tier flößt Menschen so viel Respekt ein wie das Krokodil. Umso mehr sorgt derzeit ein Video in den sozialen Medien für Aufsehen. Darin heißt es, Krokodile würden Menschen in Indonesien mit einem perfiden Trick gezielt ins Wasser locken, um sie dort anzugreifen. Doch steckt hinter dieser Behauptung tatsächlich etwas Wahres oder handelt es sich um einen Mythos?
Imitieren Krokodile Ertrinkende, um menschliche Beute anzulocken?
In besagtem Video, das angeblich auf der indonesischen Insel Borneo gefilmt wurde, sieht ein Krokodil, wie es auf dem Rücken schwimmt und wild mit den Händen durch die Luft fuchtelt. Von Weitem sieht diese aus, als würde es ertrinken.1
Einige User gehen sogar so weit zu schreiben, dass es für sie aus der Ferne beinahe aussehen würde wie ein Mensch in Not, der gegen das Ertrinken ankämpft. Das sei alles andere als ein Zufall. Stattdessen besagt eine Theorie, die in kurzer Zeit viral ging, dass die Salzwasserkrokodile in diesem Gebiet gelernt hätten, das Ertrinken zu imitieren, um Menschen ins Wasser zu locken.
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So schätzt ein Experte den „Trick“ der Krokodile im Video ein
Doch ist das wirklich so? Krokodil-Experte Brandon Sideleau von der australischen Charles Darwin University hält diese Theorie für eher unwahrscheinlich. Dies teilte er in einem Beitrag des Online-Nachrichtenmagazins des britischen Digitalverlags „LADbible“ mit. Der Wissenschaftler, der zum Konflikt zwischen Menschen und Krokodilen forscht, habe zwar schon öfter „abnormales“ Verhalten beobachtet. Dennoch halte es für nicht plausibel, dass Krokodile mit diesem Trick Menschen imitieren, um sie ins Wasser zu locken. Stattdessen habe er eine andere, durchaus harmlosere Vermutung, warum das Tier im Video so mit den Armen gefuchtelt habe.
„Ich denke, es hat wahrscheinlich Beutetiere im Maul, denn ich habe das schon in einigen Flüssen hier gesehen, wo sich Salzwasserkrokodile unter Wasser drehen und die Hände in die Luft strecken, wenn sie Nahrung im Maul haben.“ Das Fuchteln könne aber auch neurologisch bedingt sein, gibt Sideleau zu bedenken, „aber meine Vermutung wäre Beute.“
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In Indonesien werden jährlich etwa 100 Menschen von Salzwasserkrokodilen getötet
Auch wenn in Indonesien jährlich etwa 100 Menschen von Salzwasserkrokodilen getötet werden, hält Experte Brandon Sideleau die Theorie der neu erlernten Taktik für unwahrscheinlich. Zwar seien Krokodile viel intelligenter, „als ihnen oft nachgesagt wird“, aber sie würden sicher nicht einen ertrinkenden Menschen nachahmen, um Beute anzulocken, ist sich der Experte sicher. „Es würde definitiv nicht versuchen, Menschen anzulocken, weil es keine Möglichkeit hätte, das zu lernen.“
Auch Zoologe und Forscher Professor Graham Webb pflichtet dem bei, wie er im Gespräch mit dem Onlinemagazin des Internetportals „Yahoo“ erklärt. Er halte das Gerücht zu den vortäuschenden Krokodilen, für nichts weiter als „komplett kreativen Journalismus ohne sachliche Grundlage.“ Auch sein Erklärungsversuch, für das im Video gezeigte, klingt so harmlos wie plausibel. Möglich sei, dass sich das Krokodil mit dem Schwanz verfangen habe, was es daran hindere, „normal zu schwimmen“.
Wissenschaftler halten Video für gefährlich
Videos mit solchen Behauptungen hält Krokodil-Experte Brandon Sideleau für gefährlich. So würden diese vielfach geteilt und verbreiteten falsche Informationen. Solche Gerüchtevideos könnten Auswirkungen auf den Umgang mit Krokodilpopulationen haben, so seine Befürchtung. „Andere Fehlinformationen können viel mehr Schaden anrichten, wenn Leute Managementstrategien vorschlagen, die der Krokodilpopulation möglicherweise schaden oder für die menschliche Bevölkerung gefährlich sind.“